Zur Restaurierung des Gemäldes ‚Der Concordia-Tempel von Agrigento‘ von Leo von Klenze

Identifikation und technologischer Befund

Das Gemälde ‚Der Concordia-Tempel von Agrigento‘ entstand 1857. Leo von Klenze entwarf es nach Studien und Zeichnungen, die er vor Ort auf Sizilien angefertigt hatte. Die malerische Arbeit erfolgte dann in seinem Münchner Atelier.

Das Werk misst 88,7 cm in der Höhe und ist 131,5 cm breit. Der textile Bildträger ist auf einen hölzernen Keilrahmen aufgespannt, der möglicherweise noch original ist. Der Bildträger ist zweifach grundiert, eine zu Klenzes Zeit durchaus übliche Technik. Die untere Grundierung ist dunkel ockerfarben, darauf liegt eine gebrochen weiße Schicht. Beide sind im Querschliff gut zu erkennen (siehe dazu den Concordia-Tempels bei Agrigento, im Querschliff P2 - Abb. 1 unten). Auf den so vorbereiteten Grund brachte der Künstler die Unterzeichnung mit einem dunklen Stift auf, wohl einem Bleistift oder einer schwarzen Kreide.

Die mit Infrarot sichtbar gemachte Unterzeichnung (siehe dazu den Concordia-Tempels bei Agrigento, im Infrarotreflektogramm der Unterzeichnung - Abb. 2 unten) lässt eine gekonnte freie Strichführung in Figurenstaffage und Vegetation erkennen sowie strenge Konstruktionslinien des Architekten Klenze. Übertragungshilfen, wie etwa eine Quadrierung, fehlen erstaunlicherweise. Es folgen eine dünne Untermalung und die Malschicht selbst. Als Blaupigment dürfte Preußisch Blau oder auch schon das erst seit den 1830er-Jahren entwickelte synthetische Ultramarin verwendet worden sein. Der originale Abschlussfirnis ist nur noch in winzigen Resten in Malschichtvertiefungen vorhanden.

Erhaltungszustand

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gemälde im unteren rechten Bildbereich beschädigt und daraufhin wohl zwischen den 1950er- und den 1970er-Jahren restauriert. Dabei wurde der textile Bildträger doubliert, d. h. mit einem rückseitig aufgeklebten Gewebe verstärkt. Als Klebemittel wurde Kleister verwendet, ein wässriger Kleber, der meist das gesamte Bildschichtgefüge befeuchtete / durchtränkte, das im Anschluss mit hohem Druck verklebt wurde. Die deutlich aufstehenden und deformierten Craqueléränder sind vermutlich auf diesen starken Feuchteeintrag zurückzuführen. Die Malschichtschäden wurden gekittet und retuschiert. Die Altretuschen in den dunklen Bodenbereichen sind kaum gealtert, integrieren sich farblich ausreichend und sind lediglich etwas matt eingeschlagen. Die Retuschen der beiden Fehlstellen im Himmelsbereich links des Tempels haben sich stark verfärbt. Den Abschluss der Restaurierung bildete ein aufgestrichener Naturharzfirnis. Der Pinselauftrag ist unregelmäßig und partiell matt eingeschlagen. Der mittlere Vergilbungsgrad entspricht einem etwa 50- bis 60-jährigen Natur-harzüberzug. Die dramatischste Beeinträchtigung stellt jedoch die sehr starke Oberflächenverschmutzung dar. Das Gemälde hing jahrzehntelang im Arbeitszimmer starker Raucher. Daher besteht die Schmutzauflage zu einem sehr großen Anteil aus Nikotin, das sich wie ein Gelbfilter über die mediterrane Landschaft, ihren Himmel und das Meer legt und damit zu einer enormen Verschiebung aller Farbwerte führt.

Konzept

Das Gemälde benötigte in erster Linie konservatorische Maßnahmen. Das vorrangige Ziel bestand in der Beseitigung der nikotinhaltigen Oberflächenverschmutzung und damit des extrem farbverfälschenden Gelbfilters. Darüber hinaus sollte das Gemälde einen stilistisch passenden Zierrahmen erhalten.

Maßnahmen

Die Malschicht wurde auf ihre Stabilität geprüft und partiell gefestigt. Nach ausführlichen Testreihen (siehe dazu die Testreihen am oberen rechten Bildrand - Abb. 3 oben) wurde die Oberflächenreinigung mit einer wässrigen Lösung aus Komplexbildnern und demineralisiertem Wasser durchgeführt und mit demineralisiertem Wasser nachgereinigt. Die matt eingeschlagenen Partien wurden mit einer Naturharzlösung gesättigt. Der neue Zierrahmen wurde nach dem historischen Vorbild eines Schinkelrahmens aus der Sammlung rekonstruiert.