Das Relief ‚Die kämpfende Minerva‘ von Christian Daniel Rauch

Eine besonders komplizierte Restaurierung

Das Gipsrelief die „Die Kämpfende Minerva“ von Christian Daniel Rauch ist eines von insgesamt vier Originalmodellen zur Sockelgestaltung des marmornen „Scharnhorst-Denkmals“ Unter den Linden aus dem Jahr 1821, welches heute in Berlin am Bebelplatz gegenüber der Neuen Wache aufgestellt ist. Dargestellt ist die von zwei geharnischten Jünglingen begleitete Minerva, mit erhobenem Schild und Speer nach rechts eilend.

Das Gipsrelief befand sich bereits seit Jahren in einem stark fragmentarischen Zustand, so dass es nur noch liegend im Depot gelagert werden konnte. Zur Stabilisierung der Form wurden bereits bei der Herstellung des Reliefs im Inneren des Gipses Andreaskreuz-förmig angeordnete Metallarmierungen eingesetzt. Im Laufe der Zeit sind diese bei feuchter Lagerung gerostet. Durch die damit einher gehende Volumenvergrößerung im Metall kam es zu Sprengungen des gesamten Reliefs in zahlreiche Einzelfragmente. Das Werk hat zudem durch zahlreiche Umlagerungen und Transporte gelitten, so dass eine Restaurierung zur Sicherung und zum Erhalt des Werkes notwendig wurde. Ein weiteres Ziel war die Präsentation des restaurierten Reliefs nach mehr als 80 Jahren gemeinsam mit dem bereits restaurierten Relief „Die lehrende Minerva“.

Eine Untersuchung des Reliefs sowie die Erfassung und Bewertung des Zustandserfolgte durch die Alte Nationalgalerie, ebenso die Erstellung des Restaurierungskonzepts. Die praktische Restaurierung wurde an eine selbständig tätige Restauratorin vergeben, die sie im Zeitraum vom November 2013 bis Januar 2015 in den Werkstatträumen der Alten Nationalgalerie unter dessen Betreuung durchführte.

Es war alles andere als ein gewöhnlicher Auftrag, denn die Restauratorin musste über 40 Fragmente, die sich teilweise verformt haben und nicht immer passgenau zusammenzusetzen waren, wieder miteinander fügen. Auch die Reihenfolge der Klebungen musste gut durchdacht, geplant und durch probeweise „Trockenübungen“ begleitet werden. Hinzu kam, dass einige relevante Teile der plastischen Form verloren waren und nach historischen Vorlagen und dem Marmororiginal Unter den Linden bildhauerisch rekonstruiert werden mussten, doch das Ergebnis kann sich sehen lassen.

Seit 2017 schmückt das geklebte und teilrekonstruierte Werk zusammen mit seinem Pendent „Die lehrende Minerva“ das Foyer des Präsidenten der Stiftung Preußischer Kulturbesitz in der Villa von der Heydt. Wir sind froh ein neues Ausstellungsstück wieder gewonnen zu haben.