Provenienzforschung stärken! – Gemeinsam ans Ziel

Von Ende 2024 bis Mai 2025 arbeitete das Zentralarchiv der Staatlichen Museen zu Berlin, Stiftung Preußischer Kulturbesitz mit dem Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen und der Koordinationsstelle für Provenienzforschung in Nordrhein-Westfalen (KPF.NRW) zusammen, um gemeinsam eine Veranstaltung zum Thema „Provenienzforschung stärken! – Gemeinsam ans Ziel“ am 13. Mai 2025 zu organisieren. 

Anlass und Ausgangspunkt der Initiative waren die Entwicklungen auf Bundesebene im Rahmen des andauernden Reformprozesses von der Beratenden Kommission hin zu einem neuen Verfahren, der Schiedsgerichtsbarkeit NS-Raubgut (vgl. KMK-Beschluss vom 9. Oktober 2024). Ziel des Prozesses ist es, das Auffinden von NS-Raubgut sowie das Finden von „gerechten und fairen Lösungen“ entsprechend der Washingtoner Prinzipien zu optimieren.

Sowohl die Stiftung Preußischer Kulturbesitz mit dem Zentralarchiv der Staatlichen Museen zu Berlin als auch das Land Nordrhein-Westfalen mit der KPF.NRW verfügen über zentrale, kompetente Beratungs- und Forschungsinfrastrukturen im Bereich der Provenienzforschung. Diese eruieren bereits Bedarfe, Verdachtsmomente und Forschungsdesiderate. Sie initiieren vielfältige Forschungsprojekte oder beraten und unterstützen bei ihrer Entwicklung. Ebenso entwickeln sie Strategien und gehen das Thema strukturell an. 

In der gemeinsamen Veranstaltung am 13. Mai 2025 in der Vertretung des Landes Nordrhein-Westfalen in Berlin wurden erstmals Expert*innen aus Politik und Forschung zusammengebracht, um die Gemeinsamkeiten und Erfolgsfaktoren einer koordinierten Provenienzforschung zu identifizieren sowie Handlungsbedarfe und -optionen zu priorisieren. 

In einer Podiumsdiskussion blickten die Gäste gemeinsam auf die Genese der Provenienzforschung, sprachen über aktuelle Handlungsbedarfe sowie Best-Practice-Beispiele. Impulsreferate strukturierten die Diskussion und eröffneten unterschiedliche Perspektiven auf die grundlegenden Bedarfe der Provenienzforschung, deren Strukturen sowie Potentiale und Chancen. 

Eingeladene Expert*innen 

  • Dr. Gesa Vietzen, Leiterin des Forschungsprojekts „Recht ohne Recht. Geschichte und Gegenwart der Rückerstattung von NS-Raubgut“, Europa-Universität Viadrina
  • Jasmin Hartmann, Leiterin der Koordinationsstelle für Provenienzforschung in Nordrhein-Westfalen (KPF.NRW)
  • Dr. Petra Winter, Direktorin des Zentralarchivs und Leiterin der Provenienzforschung der Staatlichen Museen zu Berlin, Stiftung Preußischer Kulturbesitz
  • Dr. Claudia Andratschke, Provenienzforscherin und Leiterin Sammlung und Forschung am Niedersächsischen Landesmuseum Hannover sowie Koordinatorin des Niedersächsischen Netzwerkes Provenienzforschung
  • Markus Franke, Bevollmächtigter des Freistaates Sachsen beim Bund
  • Dr. Michaela Stoffels, Referentin für Kultur, Deutscher Städtetag. 

Die Impulsreferate wurden gegeben von Dr. Gesa Vietzen, Jasmin Hartmann und Dr. Petra Winter. Die Veranstaltung wurde durch Prof. Dr. Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (a.D.) und Ina Brandes MdL, Ministerin für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen eröffnet und von Shelly Kupferberg moderiert.

Programm 

Ergebnisse der Podiumsdiskussion 

Daher kann eine Optimierung/Stärkung der Forschung sowohl die Anzahl als auch das Tempo von Restitutionen steigern. 

Mögliche Maßnahmen: 

  • Bestehende Beratungsstrukturen und koordinierende Stellen verstetigen/ausbauen
  • Bestehende Expertise in Kulturerbe bewahrenden Einrichtungen verstetigen 
  • In Forschungs- und Restitutionsfälle eingebundene handelnde Personen/Akteure und Organisationen sowie Gremien sollten ihre jeweilige Rolle und Verantwortung kennen.
  • Forschungs-, Bewertungs- und Entscheidungsebene sollten voneinander getrennt sein und dennoch transparent und nachvollziehbar miteinander agieren.

Mögliche Maßnahmen: 

  • Optimierung der Zugänglichkeit und Erschließung von Archiven/Quellen und deren Digitalisierung
  • Dokumentationsgrad und Digitalisierung in den Kulturgut bewahrenden Einrichtungen erhöhen, Sammlungsbestände und Quellen online zugänglich machen
  • Ausbau und nachhaltige Sicherung von bestehenden und bewährten Datenbanken, z. B. Proveana und Lost Art
  • Ausbau und nachhaltige Sicherung von (Wissens-)Infrastrukturen für internationale Forscher*innen
  • Publikation von (Forschungs-)Zwischenständen, Ergebnissen und Best-Practice-Methoden, Lösungsfindungen sowie deren Bündelung 

Mögliche Maßnahmen: 

  • Rechtliche Rahmenbedingungen im Sinne einer Nutzung zur Provenienzforschung ausschöpfen
  • Schaffung von Rechtskompetenz in den Einrichtungen, deren Trägern sowie bei Beratungs- und koordinierenden Stellen
  • Berücksichtigung des Themas im Rahmen der Haushaltsplanungen und Wirtschaftsplänen
  • Drittmittelbasierte Förderlandschaft (für Projekte) beibehalten, für eine systematische und nachhaltige Forschung zu anderen Finanzierungsstrategien wechseln 

Die Veranstaltung wurde organisiert von Jasmin Hartmann (Koordinierungsstelle für Provenienzforschung in Nordrhein-Westfalen), Dr. Christine Howald (Zentralarchiv, Staatliche Museen zu Berlin), Ruth Türnich (Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen) und Dr. Petra Winter (Zentralarchiv, Staatliche Museen zu Berlin).