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Auktionen in Berlin 1933 bis 1945

Pilotprojekt zur Dechiffrierung von Einlieferungen und zur Auffindung von NS-verfolgungsbedingt entzogenem Kulturgut – am Beispiel der Auktionserwerbungen der Staatlichen Museen zu Berlin

Die Mitarbeiter*innen der Staatlichen Museen zu Berlin besuchten zwischen 1933 und 1945 regelmäßig Auktionen. Es sind über 1.700 Positionen, die zwölf verschiedene Museen der Staatlichen Museen zu Berlin in dieser Zeit ersteigert haben. Auf Berliner Auktionshäuser entfällt rund ein Drittel dieser Erwerbungen. In einem Pilotprojekt sollen diejenigen rund 240 Personen und Institutionen identifiziert werden, aus deren Besitz sich die Auktions-Einlieferungen speisten. Das Ziel dabei ist es, NS-verfolgungsbedingt entzogenes Kunst- und Kulturgut ausfindig zu machen. 

Seit dem Erlass des „Gesetzes über das Versteigerergewerbe“ im Oktober 1934 war es verpflichtend, einzelne Einlieferungen zu kennzeichnen. Der behördlichen Anordnung kamen die Auktionshäuser nach, indem sie den Vorbesitz in den Auktionskatalogen in Form von Ziffern, Buchstabenkombinationen, Abkürzungen oder anonymisierten Bezeichnungen chiffrierten. Diese kryptischen Chiffren muss die Provenienzforschung heute entschlüsseln, um die Namen der Einliefernden zu erfahren, denen die auktionierten Gegenstände ehedem gehörten. Es kann es sich dabei um unbekannte Privatpersonen aller Nationalitäten und Konfessionen, prominente Sammler*innen, Kunsthandlungen und sonstige Firmen, NS-Behörden, Treuhänder*innen und Kulturbetriebe jeder Art gehandelt haben. 

Die zwischen 1933 und 1945 durchgeführten Auktionen enthielten verhältnismäßig viel Eigentum, von dem sich jüdische Menschen verfolgungsbedingt trennen mussten. Vor allem in den späteren Jahren von Hitlers Herrschaft wurden Auktionshäuser als Verwertungsmaschinerie für zurückgelassenes und beschlagnahmtes Eigentum instrumentalisiert. Oftmals wurden auf diese Weise komplette private Sammlungen zersplittert und von vielen verschiedenen Museen erworben – oder auch, wie im Fall der Staatlichen Museen zu Berlin: Von verschiedenen Museen innerhalb desselben Verbunds. Sie traten unabhängig voneinander auf den Auktionen auf, da jedes Museum bei seinen Sammlungsankäufen autark agierte. 

In diesem historischen Konstrukt liegt eine Chance, die das Forschungsprojekt nutzen möchte, etwa die Möglichkeit einer Verschränkung unterschiedlicher Aktenbestände im Zentralarchiv. Das Museum für Islamische Kunst  wird zwar wegen eines anderen Gegenstands mit dem Auktionshaus kommuniziert haben als die Nationalgalerie, der man nach der Versteigerung ein Gemälde in Rechnung stellte, doch können beide Schriftwechsel die gleiche Auktion von unterschiedlichen Seiten beleuchten. Andere Synergien können aus den Sammlungsgegenständen selbst erwachsen: Eine Porzellantasse im Kunstgewerbemuseum ist vielleicht frei von Provenienzmerkmalen, während eine Grafik im Kupferstichkabinett aus der gleichen Einlieferung einen Sammlerstempel tragen kann und damit den Vorbesitz auflöst, aus dem beide Lose stammten. 

Die Forschungsergebnisse zu den Einlieferungen werden sukzessive im „Informationssystem zu Auktions-Einlieferungen“ bei „German Sales“ veröffentlicht und können somit von anderen Museen im In- und Ausland, die aus denselben dechiffrierten Einlieferungen erworben haben, direkt und unmittelbar genutzt werden. Provenienzforschung kann durch diesen neuen Ansatz effizienter werden und Forschungsnetzwerke stärken.


Einrichtung: Zentralarchiv, Staatliche Museen zu Berlin
Projektleitung und Wissenschaftliche Mitarbeiterin: Dr. Hanna Strzoda
Wissenschaftliche Mitarbeiterin: Sara Sophie Biever
Laufzeit: November 2025 bis Dezember 2026
Projektförderung: Der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien