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800.000 Euro für die Babylon-Forschung des Vorderasiatischen Museums

12.01.2016
Pergamonmuseum

Babylon war eine der bedeutendsten Städte des Altertums. Das Vorderasiatische Museum nennt eine der weltweit größten und bedeutendsten Sammlungen zur Kulturgeschichte der Metropole ihr Eigen. Die Bestände, die sich seit 1927 in Berlin befinden, sind allerdings bislang nur unzureichend erschlossen. Unabdingbare Voraussetzung für die zukünftige wissenschaftliche Erforschung dieser Bestände bildet daher ihre systematische sammlungstechnische Strukturierung.

Im Rahmen eines von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanzierten Forschungsprojekts unterziehen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Vorderasiatischen Museums sowie des Instituts für Altorientalistik der Freien Universität Berlin einer eingehenden Analyse. Tausende von archäologischen Objekten aus drei Jahrtausenden, darunter mit Keilschrift beschriebene Tontafeln, Alltagskeramik und Schmuck sowie die zugehörige Grabungs- und Sammlungsdokumentation, werden dabei nach Fundzusammenhängen strukturiert und für die altertumswissenschaftliche Grundlagenforschung erschlossen. Mit dem Projekt soll die Voraussetzung für längerfristig angelegte und international vernetzte Forschungsvorhaben zur Kulturgeschichte des antiken Babylons geschaffen werden.

Die Babylon-Sammlung des Vorderasiatischen Museums befindet sich aufgrund von Fundteilungsvereinbarungen in Berlin. Die Objekte wurden zwischen 1899 und 1927 im Rahmen regulärer archäologischer Grabungen unter der Leitung von Robert Koldewey gefunden. Darüber hinaus ist ein großer Teil der Grabungs- und Inventarisierungsdokumentation erhalten. Zu den Archivalien gehören Fotografien, Packlisten, Karten, Teilnachlässe der Ausgräber und Architekturpläne. Sie verteilen sich auf das Vorderasiatische Museum und das Zentralarchiv der Staatlichen Museen zu Berlin sowie das Archiv der Deutschen Orient-Gesellschaft.

Diese einzigartige Kombination aus Funden und besonders umfangreich erhaltenen Grabungsdokumenten bietet die Chance, die archäologischen Objekte nach vielfältigen kulturgeschichtlichen Aspekten zu erschließen, sowie die „Biographien“ der Artefakte bis in die Gegenwart im Detail zu rekonstruieren: „Unser Ziel ist, alle Informationen, die Auskunft über den Weg der Objekte von ihrer Herstellung bis zu ihrem heutigen Aufbewahrungsort im Museum geben, zu sammeln und zu strukturieren. Unsere Babylon-Forschung ist damit auch immer Provenienzforschung und ein Beitrag zur Sammlungsgeschichte“, sagt Markus Hilgert, der Direktor des Vorderasiatischen Museums, der gemeinsam mit Eva Cancik-Kirschbaum (Freie Universität Berlin) das neue Projekt leitet.

Im Rahmen des Projektes werden in einer ersten Phase sämtliche Funde und Archivalien systematisch erschlossen und digital erfasst. In Verbindung damit werden Fallstudien zu typischen Fundstrukturen sowie zu Möglichkeiten der Präsentation der Forschung im musealen Kontext durchgeführt.

Das neue Forschungsvorhaben bildet die Grundlage für die künftige Babylon-Forschung des Vorderasiatischen Museums, das langfristig auch eine Vernetzung mit den Babylon-Sammlungen in Bagdad und Istanbul anstrebt. Auch die Neupräsentation der Sammlung im Pergamonmuseum ab 2025 wird unmittelbar von den Projektergebnissen profitieren.

Koordinatoren des Projekts sind der Altorientalist Prof. Dr. Markus Hilgert, Direktor des Vorderasiatischen Museums der Staatlichen Museen zu Berlin, sowie die Altorientalistin Prof. Dr. Eva Cancik-Kirschbaum von der Freien Universität Berlin. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert das Vorhaben mit insgesamt 841.600 Euro.