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DFG-Projekt Tell Sheikh Hassan

Der antike Siedlungshügel Tell Sheikh Hassan lag ursprünglich am östlichen Ufer des mittleren syrischen Euphrat im Distrikt Raqqa. Er zählte zu jenen Fundorten, die seit Errichtung eines Staudamms bei Tabqa durch die syrische Regierung und der folgenden Flutung des Assad-Stausees Anfang der 1970er Jahre ganz unmittelbar von einer Überflutung bedroht waren. Internationale Archäologenteams wurden daher angefragt, Rettungsgrabungen durchzuführen.

In diesem Zusammenhang vereinbarte man auch eine Fundteilung als Dank für das Engagement der ausländischen Kollegen. Während der Zeit von 1984 – 1997 wurden mit einem syrisch-deutschen Team der Generaldirektion der Antiken und Museen Damaskus sowie der Universität Saarbrücken unter der Leitung von Johannes Boese insgesamt 11 Grabungskampagnen durchgeführt, deren Finanzierung zum größten Teil die Deutsche Forschungsgemeinschaft übernahm. Die Aufarbeitung und Publikation erfolgt nun im Rahmen eines DFG-Projekts und wird auch von der Deutschen Orient-Gesellschaft finanziell unterstützt.

Die Grabungen am Tell Sheikh Hassan erbrachten den Nachweis für eine massiv befestigte Stadtanlage aus dem 4. Jt. v. Chr., deren geografische Lage in Verbindung mit dem Fundinventar auf ein größeres Handelszentrum schließen läßt. Ebenso erfolgreich und als Zeugnis für die Westausdehnung des assyrischen Reiches von besonderer Bedeutung, erwies sich die Freilegung eines Fürstensitzes aus dem 8./7. Jh. v. Chr. mit Fragmenten von Wandmalereien, die ihre Parallelen unter anderem auch in Tell Halaf finden. Das im Rahmen der Fundteilung nach Deutschland überführte Konvolut an Keramik und Kleinfunden lagert in Depoträumen in Berlin-Friedrichshagen.

Da Tell Sheikh Hassan für das 4. Jt. v. Chr. einen wichtigen Referenzort zur Mittleren Urukzeit (ca. 3600-3300 v.Chr.) darstellt, ist diese Sammlung ein Bindeglied zwischen den ebenfalls durch Fundteilung in den Sammlungsbestand des Vorderasiatischen Museums gelangten Fundobjekten aus Uruk und Habuba Kabira. Darüber hinaus ist es für Wissenschaft und Forschung von unschätzbarem Wert, nicht nur direkt am Material arbeiten, sondern auch – vor dem Hintergrund der derzeitigen politischen Situation in Syrien - einen Beitrag zur Rettung von Kulturgut leisten zu können. Die Arbeiten zu Band II der Endpublikation (Architektur und Stratigrafie der urukzeitlichen Schichten) sind in der Abschlussphase, parallel ist Band III (Keramik und Kleinfunde der urukzeitlichen Schichten) bereits in Vorbereitung. Die Publikation der eisenzeitlichen Stadtanlage ist für Band IV vorgesehen.


Ansprechpartner: Prof. Dr. B. Helwing (Direktorin des Vorderasiatischen Museums), Dr. F. Bachmann (Projektleitung)
Kooperationspartner: 
Für das laufende Projekt (Band II: Urukzeit: Architektur und Stratigraphie): kein Kooperationspartner
Beantragt für Folgeprojekt (Band III: Urukzeit: Fundobjekte aus Ton, Stein, Metall, Bitumen und Knochen; Flora und Fauna): Dr. Pamela Fragnoli (Arbeitsgruppe Materialanalysen / Wien): Dünnschliffe von Keramik, H. Göllner-Heibült (Kriminaltechnisches Institut / Berlin): Daktyloskopische Analysen, Dr. Emmanuelle Vilà (CNRS / Université de Lyon 2): Fauna, Isotopenanalysen, Dr. Kirsten Drüppel (KIT Karlsruhe): Naturwissenschaftliche Analysen der Gesteine, Dr. Reinder Neef (DAI Berlin): Archäobotanische Analysen
Förderung: DFG
Laufzeit: 15. Januar 2013 bis 30. November 2020 (seit November/2018 kostenneutral laufzeitverlängert), Beantragtes Projekt: nach Bewilligung 36 Monate