Thronende Maria mit Kind, um 1335

Nach umfangreichen Restaurierungsarbeiten kehrte nun die „Thronende Maria mit Kind“ (Inventar-Nummer: 8027) in die Dauerausstellung des Bode-Museums zurück. Die 92 cm große Nussbaumholz-Skulptur sticht besonders durch ihre anmutige Haltung, die kunstvolle Schnitzarbeit sowie ihre weitgehend erhaltene originale Fassung ins Auge.

Über ihre Herkunft ist nur wenig bekannt: Vermutlich wurde sie nach 1310 gefertigt und stammt wohl aus dem Kölner Dom. Gesichert ist, dass sie im Dezember 1918 als Geschenk aus der Sammlung James Simon in das damalige Kaiser-Friedrich-Museum Berlin gelangte. Erst für den 2014 erschienenen Bestandskatalog der Skulpturensammlung wurde sie eingehender untersucht, nachdem sie etliche Jahre im Depot eingelagert war. Die daran anschließende Restaurierung brachte weitere neue Erkenntnisse über die Herstellungstechnik, den technologischen Aufbau der verschiedenen Farbfassungen sowie die im Laufe von 700 Jahren erfolgten Veränderungen an der Skulptur.

Kostbare Ausstattung

Die Madonna ist als Altarfigur und Reliquienbehälter besonders kostbar ausgestattet. In ihrem Kopf befindet sich noch heute eine Reliquie, ein weiteres durch kleine geschnitzte Fenstergitter einsehbares ehemaliges Reliquienfach in der Thronbank ist heute allerdings leer.

Die außergewöhnlich reichen Details der originalen mittelalterlichen Fassung lagen unter vielen Schichten späterer Übermalungen verborgen. In ausgesprochen aufwendiger und akribischer Freilegungsarbeit gelang es, den Originalzustand weitestgehend ans Licht zu holen. Das geschah über einen langen Zeitraum mechanisch mit Skalpell, Lösemitteln und Lösemittel-Gelen unter dem Stereomikroskop. Außerdem wurden einige stark durch Schadinsekten geschädigte Bereiche gefestigt, gekittet und ergänzt. Die abschließende Retusche erfolgte mit Aquarellfarbe.

Textile Vorbilder

Die freigelegten Muster am Kleid lassen textile Vorbilder persischer Seidenstoffe aus dem 10. Jahrhundert erkennen, die gemalte Fellimitation des Mantels verweist auf frühere kostbare Königsgewänder. Die Säume sind geschmückt mit Edelsteinimitationen, die Figur ist großflächig versilbert und vergoldet. Auf der Rückseite der Thronbank lagen unter der grauen Übermalung wunderbar farbig gemalte Arkadenfenster verborgen.

Der Aufwand der langjährigen Restaurierung (2012 bis 2022) hat sich gelohnt, denn jetzt können die Besucher*innen des Bode-Museums im Raum 111 die „Thronende Maria mit Kind“ wieder in ihrer einzigartigen Schönheit bewundern.


Projektleitung: Marion Böhl
Technologische Untersuchung und Ausführung der Restaurierung: Marion Böhl
Laufzeit:  2012-2022