26.02.2026
Museum für Vor- und Frühgeschichte
Forschende des Museums für Vor- und Frühgeschichte auf der Museumsinsel Berlin weisen nach: Bereits vor über 40.000 Jahren nutzten Menschen komplexe Zeichensysteme die Ähnlichkeit zu frühen Schriften haben.
Neue Analysen des Museums für Vor- und Frühgeschichte legen nahe, dass die Wurzeln schriftähnlicher Informationssysteme deutlich weiter zurückreichen als bislang angenommen. Gemeinsam mit dem Sprachforscher Christian Bentz von der Universität des Saarlandes untersuchte die Archäologin Ewa Dutkiewicz mehr als 3.000 geometrische Zeichen auf rund 260 Objekten aus der Altsteinzeit. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift PNAS veröffentlicht.
Die analysierten Artefakte, darunter Funde aus Höhlen der Schwäbischen Alb wie das Mammut aus der Vogelherdhöhle, der sogenannte „Adorant“ aus dem Geißenklösterle und der Löwenmensch aus dem Hohlenstein-Stadel, tragen wiederkehrende Linien, Punkte, Kerben und Kreuze. Mithilfe computergestützter Methoden und quantitativer linguistischer Verfahren untersuchte das Forschungsteam die statistischen Eigenschaften dieser Zeichensequenzen.
Das Ergebnis: Die rund 40.000 Jahre alten Zeichen weisen eine strukturelle Komplexität und Informationsdichte auf, die mit der frühesten Proto-Keilschrift aus Mesopotamien um 3.000 v. Chr. vergleichbar ist. Zwar bilden die steinzeitlichen Zeichen keine gesprochene Sprache ab, doch ihre systematische und wiederholte Anordnung spricht für eine bewusste visuelle Informationskodierung.
Das Projekt „Die Evolution Visueller Informationskodierung“ (EVINE), gefördert vom Europäischen Forschungsrat, untersucht die Entwicklung solcher Zeichensysteme von der Altsteinzeit bis zu den ersten Schriftsystemen.
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