Raum mit Werken von Rebecca Horn ergänzt die Sammlungspräsentation „Zerreißprobe“

16.01.2026
Neue Nationalgalerie

Ab 17. Januar 2026 wird der Künstlerin Rebecca Horn (1944–2024) innerhalb der Sammlungspräsentation „Zerreißprobe. Kunst zwischen Politik und Gesellschaft. Sammlung der Nationalgalerie 1945–2000“ ein eigener Raum gewidmet. Zu sehen sind vier mechanisch-kinetische Arbeiten: „How about a Couple of Sailors?“ (1990) und „Die Schmetterlingsschaukel“ (1996) als Schenkungen aus der Sammlung Ulla & Heiner Pietzsch, die bisher nur selten im Museum gezeigt wurden, treten in Dialog mit den Werken „Caressing the Egg Between“ (2007) und „Die Malmaschine (Arie in Schwarz)“ (1991) aus der Sammlung der Nationalgalerie.

Der Raum mit dem Titel „Rebecca Horn: Mensch, Natur, Maschine“ ist eine Vorschau auf die Präsentation mehrerer Werke von Rebecca Horn im Museumsneubau berlin modern am Kulturforum, darunter auch ihre bedeutende Installation „Raum des verwundeten Affen“ (1990/1996/2020) aus der Sammlung der Nationalgalerie, die im Neubau ortsspezifisch angepasst gezeigt werden wird.

In den späten 1970er-Jahren verlagerte Rebecca Horn ihren Fokus von der individuellen Körpererfahrung auf mechanisch-kinetische, oft rätselhafte Installationen. Erst mit Betreten eines Raumes beginnt die Bewegung: „Das Publikum wird zum Akteur“, so die Künstlerin.

Mensch, Natur, Maschine

Mit der großen Installation „Malmaschine (Arie in Schwarz)“ (1991) hinterfragte sie den patriarchal geprägten Mythos des Künstler-Genies, indem sie ein abstraktes Wandgemälde von einer Maschine erstellen lässt. Schwarze Tinte wird einmalig mithilfe einer Spritzdüse in gestischen Bahnen auf die Wand gesprüht, die dann immer wieder aktivierbare Bewegung der Sprüh-Apparatur erzählt von diesem Prozess.

Flüssigkeiten und Färbevorgänge verweisen in Horns Werk auf biologische Kreisläufe und auf zwischenmenschliche Dynamik. Oftmals bezog sie sich auf die Alchemie, einen naturphilosophischen Ansatz, der sich mit der Bedeutung und Umwandlung von Stoffen befasst. So könnte etwa die schwarze Farbe auf den dunklen Gallensaft der Melancholie verweisen.

Selbstgebaute, mechanisch angetriebene Objekte wie ein rhythmisch bewegter Telefonhörer oder schaukelnde Schmetterlingsflügel versinnbildlichen menschliche Beziehungen und Gefühle im Spannungsfeld von Liebe und Erotik, von Nähe und Distanz. Seit den 1990er-Jahren war der Schmetterling in Horns installativen Arbeiten ein zentrales Motiv. Er steht für Transformation und Verletzlichkeit, ebenso wie das Ei, das bei Horn ein Symbol für Weiblichkeit, für neues Leben und die Dualität von Innen und Außen sein kann.

Die Künstlerin Rebecca Horn

Rebecca Horn, gebürtig aus dem Odenwald, war der Stadt Berlin eng verbunden und hatte von 1989 bis 2009 eine Professur für Multimedia an der Universität der Künste Berlin inne. Zeitlebens arbeitete Horn an den Grenzen zwischen Natur und Kultur, Biologie und Technologie. Ihr international bekanntes Werk umfasst fast alle künstlerischen Medien – von der Bildhauerei, Zeichnung und Poesie über Performance, Fotografie und Film bis hin zu raumgreifenden Installationen. Horn knüpfte an den Surrealismus und die Arte Povera an, indem sie technische Apparaturen mit symbolischen Naturelementen verband. Auf poetische wie theatrale Weise lotete sie insbesondere das Verhältnis von Körper, Psyche und Geschlecht neu aus.


Kuratorin – Uta Caspary
Kuratorische Assistenz – Noor van Rooijen
Moontower Foundation, Studio Rebecca Horn – Julia Giebeler, Jens Mahr