Über die Sammlung

Die Sammlung der Neuen Nationalgalerie vereint Schlüsselwerke der Kunst des 20. Jahrhunderts aus Europa und den USA, etwa von Francis Bacon, Max Beckmann, Salvador Dalí, Max Ernst, George Grosz, Hannah Höch, Ferdinand Hodler, Rebecca Horn, Ernst Ludwig Kirchner, Paul Klee, Lotte Laserstein, Paula Modersohn-Becker, Edvard Munch, Ernst Wilhelm Nay, Pablo Picasso, Gerhard Richter, Werner Tübke und Andy Warhol. Zu den berühmtesten Werken der Neuen Nationalgalerie zählen „Potsdamer Platz“ von Ernst Ludwig Kirchner, „Die Skatspieler“ von Otto Dix oder „Who’s Afraid of Red, Yellow and Blue IV“ von Barnett Newman.

 

Geschichte der Neuen Nationalgalerie

Die Sammlungsgeschichte der Neuen Nationalgalerie ist von der politischen Geschichte Deutschlands nicht zu trennen. Kaum ein Museum hat so viele Werke durch die Nationalsozialisten verloren wie die Nationalgalerie: Über 500 Werke der Sammlung wurden in den Jahren 1937 bis 1945 beschlagnahmt, verkauft oder gingen im Zweiten Weltkrieg verloren. Der Wiederaufbau des Bestandes nach 1945 folgte in beiden deutschen Staaten auf unterschiedlichen Wegen. Im Westen erwarb der Magistrat von Berlin für die „Galerie des 20. Jahrhunderts“ zahlreiche Werke vor allem der klassischen Moderne, also jener Kunst, die von den Nationalsozialisten verstärkt beschlagnahmt worden war.

Der Gründungsdirektor der 1968 eröffneten Neuen Nationalgalerie war Werner Haftmann, der die Lesart der Kunst des 20. Jahrhunderts maßgeblich geprägt hat. Haftmanns Biografie ist ein Beispiel für die Kontinuität der NS-Zeit in der Bundesrepublik: Wie viele andere hatte er nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wesentliche Aspekte seiner Aktivitäten für das nationalsozialistische Terror-Regime verschwiegen und verleugnet, weshalb sein Wirken in der Geschichte der Nationalgalerie aktuell wissenschaftlich untersucht wird. Haftmann war mit der schwierigen Aufgabe betraut, die im Westteil der Stadt verbliebenen oder dorthin zurückgekehrten Gemälde aus dem Bestand der Nationalgalerie mit der „Galerie des 20. Jahrhunderts“ zu vereinen und durch weitere Neuerwerbungen zu bereichern. Durch Wechselausstellungen und Veranstaltungen in der Oberen Halle des neuen Museums etablierte er das Haus schnell als kulturelles Zentrum West-Berlins.

Als zweiter Direktor widmete sich Dieter Honisch ab 1975 der Aufgabe, die Lücken der Sammlung zu schließen und den Bestand an die zeitgenössische Kunst heranzuführen. Er konzentrierte sich dabei auf internationale Bewegungen wie ZERO, Nouveau Réalisme, Arte Povera und Farbfeldmalerei. Kapitale Ankäufe in seiner bis 1997 währenden Amtszeit waren unter anderem Arbeiten von Lee Bontecou, Ellsworth Kelly, Louise Nevelson, Bridget Riley, Mark Rothko, Frank Stella sowie Barnett Newmans letztes, spektakuläres Gemälde „Who’s Afraid of Red, Yellow and Blue IV“. Honisch war es auch, der 1977 den Verein der Freunde der Nationalgalerie neu gründete, welcher bis heute Ankäufe und zahlreiche Ausstellungen finanziert. Die Schenkung des Münchner Galeristen Otto van de Loo bereicherte das Haus 1992 mit Werken der wild-expressiven Malerei der Künstlergruppen Cobra und Spur.

Nach der Wiedervereinigung Deutschlands wurden die Häuser der Nationalgalerie gänzlich neu geordnet. Die Bestände des 19. Jahrhunderts im Westteil der Stadt, die ebenfalls in der Neuen Nationalgalerie ausgestellt worden waren, gelangten zurück in das Stammhaus, das seitdem Alte Nationalgalerie heißt, auf der Museumsinsel Berlin. Für die Kunst nach 1960 wurde 1996 ein neuer Ausstellungsort erschlossen: der Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin.

Die Neue Nationalgalerie erhielt Bestände aus der zuvor zu Ost-Berlin gehörigen Nationalgalerie, darunter zahlreiche Hauptwerke der klassischen Moderne. Ein Schwerpunkt der Neuen Nationalgalerie ist die Malerei des Expressionismus von Künstlern wie Ernst Ludwig Kirchner, Otto Mueller, Karl Schmidt-Rottluff, Erich Heckel und Emil Nolde. Ferner umfasst die Sammlung Arbeiten von Kurt Schwitters und Hannah Höch, Natalia Gontscharowa und Reneé Sintenis. Daneben vervollständigen die politische Kunst eines Otto Dix und George Grosz sowie die Arbeiten Max Beckmanns das Bild dieser vielschichtigen frühen Moderne in Deutschland, einer Zeit politischen und sozialen Umbruchs.

Mit der Sammlung von Kunst der DDR aus dem Ostteil der Stadt erhielt die Neue Nationalgalerie nach dem Mauerfall einen neuen Sammlungsbereich. Denn parallel zum Bemühen der Nationalgalerie (West), ihre Sammlung nach 1945 wiederaufzubauen, hatte die Nationalgalerie (Ost) durch ihre Ankaufspolitik vierzig Jahre lang Kunst in der DDR dokumentiert. Zu dieser Sammlung zählen Werke ihrer bekanntesten Vertreter wie Werner Tübke, Bernhard Heisig und Wolfgang Mattheuer ebenso wie Arbeiten von Künstlern wie Harald Metzkes, Walter Libuda und Werner Stötzer. Kein anderes Museum in Deutschland verfügt über einen derart qualitätsvollen Bestand an Hauptwerken der künstlerischen Produktion im geteilten Deutschland wie die Neue Nationalgalerie.