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„Torso der Knienden" von Wilhelm Lehmbruck (1911/13)

Eine Restaurierung des im Juli 1989 versehentlich von einem Museumsbesucher in der Alten Nationalgalerie umgestoßenen Torsos der Knienden von Wilhelm Lehmbruck galt zunächst als wenig aussichtsreich – infolge des Sturzes entstand an der Plastik ein immenser und vermeintlich irreparabler Schaden.

Die Herausforderung lag in der Kompliziertheit der Schadphänomene bedingt durch die technologischen Besonderheiten und die ungewöhnliche Verbindung verschiedener Materialien. Unter Berücksichtigung dieser Aspekte wurde mithilfe diverser Voruntersuchungen dennoch ab 1990/91 ein Konzept zur Findung einer ästhetisch befriedigenden, dem plastischen Vorzustand entsprechenden Lösung erstellt und teilweise umgesetzt.

Durch Umstrukturierungen im Zuge der Wiedervereinigung konnten die Restaurierungsmaßnahmen in den darauffolgenden Jahren nicht fortgeführt werden. Erst 2020/21 war es dank großzügiger finanzieller Unterstützung durch die Hermann-Reemtsma-Stiftung möglich, die restauratorischen Arbeiten an dieser herausragenden Statue abzuschließen.

Durch den Aufbau der Plastik aus einer monochrom gefassten Gipsschicht, unter welcher eine eisenarmierte Betonschicht liegt, kam es infolge des Aufpralls zu Verformungen, Rissen der harten Bewehrungsschicht, Brüchen der weichen Außenschicht.  © Staatliche Museen zu Berlin / Karin März, 1989

Neben den drei Figurenteilen galt es, verschiedengroße Fragmente erneut zuzuordnen, reversibel zu verkleben und je nach Materialstärke mit einer neuen Trägerschicht zu stabilisieren bzw. kaschieren. Auch der Sockelsteg musste aufgrund von rostigen Armierungseisen statisch erneuert werden. © Staatliche Museen zu Berlin / Nina Wegel, 2020

Anhand der Röntgenaufnahme konnte zur Korrektur der verschobenen plastischen Form in das durch Stauchung bzw. Streckung deformierte Bewehrungssystem eingegriffen, die Beton- samt Gipsschicht bereichsweise gelöst und der Torso zur weiteren Bearbeitung in drei größere Teile zerlegt werden. © Staatliche Museen zu Berlin / Wolfgang Maßmann, 1990

Der Zustand des Körperunterteils samt neuer Armierungseisen aus rostfreiem Edelstahl für die Verbindung des Körperoberteils und eines größeren Rückenfragmentes vor den Maßnahmen 2020/21 © Staatliche Museen zu Berlin / Nina Wegel, 2020

Neben der Reinigung und Erhöhung der Standsicherheit umfassten die abschließenden Maßnahmen den Oberflächenverschluss samt Formergänzung sowie eine angleichende Retusche. © Staatliche Museen zu Berlin / Nina Wegel, 2020

Die bedeutende Plastik von Wilhelm Lehmbruck konnte wiederhergestellt und für den Betrachter erneut erlebbar gemacht werden. © Staatliche Museen zu Berlin / Andres Kilger, 2021


Projektleitung/Restaurierung: Wolfgang Maßmann, Leiter der Restaurierung, Antikensammlung
Restaurierung: Nina Wegel, freiberufliche Restauratorin