Allora & Calzadilla
Stop, Repair, Prepare: Variations on „Ode to Joy” for a Prepared Piano

01.10.2022 bis 30.10.2022
Neue Nationalgalerie

Die Neue Nationalgalerie zeigt vom 1. bis 30. Oktober 2022 in der oberen Halle eine Performance von Allora & Calzadilla: „Stop, Repair, Prepare: Variations on „Ode to Joy“ for a Prepared Piano, 2008“ befasst sich mit der politischen Instrumentalisierung von Musik. Die 30-minütige Performance wird jeweils zur vollen Stunde von 10 bis 18 Uhr aufgeführt.

Die Performance des in Puerto Rico lebenden Künstler*innenduos präsentiert auf einem präparierten Klavier Interpretationen aus Beethovens berühmter 9. Symphonie, die im 20. Jahrhundert mehrfach in politischen Kontexten adaptiert wurde. Als berühmtestes Beispiel steht Beethovens „Ode an die Freude“ seit 1972 für die Hymne der Europäischen Union, die als musikalische Repräsentation humanistischer Werte und Nationalstolzes gilt. Derzeit markiert der Krieg in der Ukraine eine Zäsur im 1989 mit dem Ende des Kalten Krieges eingeleiteten friedlichen Miteinander in Europa. Als Ort mit dem Begriff des Nationalen im Namen widmet sich die Neue Nationalgalerie mit der Performance auch der Bedeutung nationaler Hymnen in der heutigen Zeit.

Instrumentalisierung von Musik

Allora & Calzadillas Performance thematisiert die soziale, politische und kulturelle Instrumentalisierung von Musik. Der berühmte Schlusschor von Beethovens 1824 uraufgeführter 9. Symphonie, bekannt als „Ode an die Freude“, wurde in unterschiedlichen politischen Kontexten gespielt:

  • Dirigent Wilhelm Furtwängler spielte das Stück 1942 anlässlich des Geburtstags Hitlers mit den Berliner Philharmonikern;
  • Diktator Ian Smith diente es in den 1970er-Jahren im Apartheid-Regime Rhodesien, heute Simbabwe, als Nationalhymne;
  • unter der Militärdiktatur in Chile demonstrierten Frauen mit der „Ode an die Freude“ für die Freilassung von politischen Gefangenen;
  • 1989 sangen Studierende in China die Ode bei ihren Protesten auf dem Platz des Himmlischen Friedens;
  • im selben Jahr dirigierte sie Leonard Bernstein anlässlich des Mauerfalls in Berlin und Politiker*innen sangen sie im Zuge der Wiedervereinigung.
  • Als berühmtestes Beispiel steht Beethovens „Ode an die Freude“ seit 1972 für die Hymne der Europäischen Union.

Weniger bekannt ist, dass das Stück eine im Militär populäre türkische Marschmusik beinhaltet und daher ironischerweise auch auf Gewalt und Krieg verweist. Allora & Calzadillas Performance offenbart diese tiefen Widersprüche und Mehrdeutigkeiten von Beethovens berühmter Komposition.

Variationen der Dynamik mit präpariertem Klavier

Skulpturales Objekt der Performance ist ein präpariertes Bechstein-Klavier aus dem frühen 20. Jahrhundert, in dessen Zentrum ein Loch gesägt wurde. Darin steht ein*e Pianist*in und spielt den berühmten vierten Satz von Beethovens 9. Symphonie. Durch ihre*seine Position im Innern des Flügels ist die*der Performer*in gezwungen, den Fingersatz auf den Tasten sowohl kopfüber als auch rückwärts zu spielen. Zudem macht der Einschnitt in das Klavier zwei Oktaven unwirksam.

Diese strukturell unvollständige Version der Ode erzeugt unterschiedliche Variationen sowohl der klanglichen als auch der körperlichen Dynamik zwischen Spieler*in und Instrument. Gleichzeitig bewegt sich die*der Performer*in durch den Raum und schiebt dabei den auf Rollen stehenden Flügel mit sich durch die Halle von Mies van der Rohe.

Über Allora & Calzadilla

Seit 1995 arbeiten Allora & Calzadilla auf experimentelle Weise in den Bereichen Film, Installation, Performance und Skulptur, in denen sie sich mit Konzepten wie Autor*innenschaft, Nationalität, Grenzen und Demokratie in der zunehmend globalen und konsumorientierten Gesellschaft auseinandersetzen.

Jennifer Allora (geb. 1974, Philadelphia, Pennsylvania, USA) studierte an der University of Richmond in Virginia (1996) und am Massachusetts Institute of Technology (2003); Guillermo Calzadilla (geb. 1971, Havanna, Kuba) studierte an der School of Fine Arts, San Juan, Puerto Rico (1996) und am Bard College, Annandale-on-Hudson, New York (2001). 2011 haben Allora & Calzadilla den US-amerikanischen Pavillon auf der 54. Venedig Biennale bespielt, wo sie einen Panzer ausstellten. Sie waren für den Hugo Boss Prize (2006) und den Nam June Paik Award (2006) nominiert.

Die Performance „Stop, Repair, Prepare“

Die Performance „Stop, Repair, Prepare: Variations on „Ode to Joy“ for a Prepared Piano, 2008“ wurde von Klaus Biesenbach für die Sammlung des Museum of Modern Art New York akquiriert, der damit zugleich das Performance-Department des Museums begründete.

Die 30-minütige Performance findet vom 1. bis 30. Oktober 2022, jeweils zur vollen Stunde von 10 bis 18 Uhr, in der oberen Halle der Neuen Nationalgalerie statt. Sie wird von den Pianist*innen Ben Cruchley, Eleni Mitrousia, Galina Ryzhikova, Ido Ramot, Marcin Wieczorek, Paolo Gorini, Luca Leracitano gespielt.

Eine Sonderausstellung der Nationalgalerie – Staatliche Museen zu Berlin

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Öffnungszeiten an Feiertagen unter Öffnungszeiten
SUNDOWNER-BAR (Bar und DJ-Mix) - Terrasse Neue Nationalgalerie

Jeden Freitag und Samstag vom 15.07.2022 bis einschließlich 27. August von 18 – 22 Uhr  öffnet jeweils zum Sonnenuntergang die durch den Künstler Karsten Konrad gestaltete Bar „MIES-liwska“ auf der Terrasse der Neuen Nationalgalerie für alle Besucher*innen und bietet Getränke und Musik an.               Termine ab:
Fr 15.07.2022 Sa 16.07.2022 Fr 22.07.2022 Sa 23.07.2022...
von 18 – 22 Uhr / 6:00 PM - 10:00 PM
Anmeldung: nicht erforderlich                Registration: no booking/prior registration required

Tel 030 - 266 42 42 42 (Mo - Fr, 9 - 16 Uhr)
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