Cinema Surreal
Věra Chytilová, TCH 1966, 74’, Omengl
»Tausendschönchen« ist eine andere Bezeichnung für Gänseblümchen. Und diese Gänseblümchen sind die kichernden Komplizinnen Marie I und Marie II. Sie sind sich einig, dass die Welt schlecht geworden ist, und wollen selbst deshalb auch schlecht sein. Und so ziehen sie wie Flower-Power-Mädchen fröhlich durch Prag und machen sich einen Spaß aus allem, was der gutbürgerlichen Gesellschaft heilig ist: steife Anzüge, gesetztes Dinner und Arbeit von 9 bis 5 Uhr. Das Ganze gipfelt in einer ausschweifenden Essensschlacht, bei der die Freundinnen ein Bankett für Parteifunktionäre verwüsten. Dieser respektlose Karneval der Exzesse war das Gegenteil der staatlichen Ideologie, die die Produktivität der Arbeiter glorifizierte und ihnen eine strahlende Zukunft versprach. Tausendschönchen wurde wegen seiner Darstellung von Hedonismus und Lebensmittelverschwendung verboten.
Die feministische Filmregisseurin Věra Chytilová war die bedeutendste Vertreterin der tschechischen »Neuen Welle«, die in den 60er Jahren entstand und zu der auch Tausendschönchen gehört.
Eintritt und Teilnahme kostenfrei.
Keine Anmeldung erforderlich.