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Schlüsselwerk des europäischen Symbolismus: Jan Toorops „Hetäre“ ergänzt die Sammlung der Nationalgalerie

18.02.2022
Alte Nationalgalerie

Das Gemälde „Hetäre“ Jan Toorops von 1890 gehört zu den Hauptwerken des niederländischen Künstlers aus seiner wichtigsten Schaffensphase und ist zugleich ein Schlüsselwerk des europäischen Symbolismus. Bereits in seiner Zeit war der Künstler in den Kunstmetropolen Paris, Brüssel oder Wien in Ausstellungen vertreten. Durch seinen großen Einfluss auf Künstler wie Gustav Klimt und Piet Mondrian gilt Toorop als eine Schlüsselfigur in der europäischen Kunst um 1900. Werke von Toorop, insbesondere Ölgemälde, sind allerdings bisher kaum in deutschen Sammlungen zu finden. Das bedeutende Gemälde, dessen Provenienz und Ausstellungsgeschichte lückenlos dokumentiert ist, ergänzt die Darstellung der Moderne in der Sammlung der Nationalgalerie daher um eine wesentliche, internationale Position. Es ist ab sofort im Saal zum Symbolismus der Alten Nationalgalerie (R. 1.15) zu sehen, wo es dauerhaft mit Werken von Max Klinger, Ludwig von Hofmann, Franz von Stuck, Georg Minne und Giorgio de Chirico ausgestellt sein wird.

Das Gemälde „Hetäre“ gehört zu den frühsten symbolistischen Werken Toorops aus den 1890er-Jahren, mit denen der Künstler eine wichtige Position dieser Kunstströmung formulierte und stilprägend wurde. Die Malweise ist frei, dynamisch und zeichnet sich durch einen originellen Umgang mit Farbe aus. Die Darstellung, deren Mittelpunkt eine märchenhafte Frauenfigur bildet, entzieht sich einer einfachen Deutung. Der Titel bezieht sich auf die Kurtisane aus dem Altertum. Das Bild ist jedoch auch unter den Titeln „Venus des Meeres“ und „Die Frau vom Meer“ bekannt.

Jan Toorop (1858-1928) wurde in Purworejo auf der Insel Java im damaligen Niederländisch-Indien (und heutigen Indonesien) geboren. Sein niederländischer Vater und seine britische Mutter stammten beide aus der niederländischen Kolonie. Im Alter von zehn Jahren kam Toorop in die Niederlande, wo er ab 1880 an der Amsterdamer Rijksacademie studierte. Zwei Jahre später schrieb er sich an der Académie Royale des Beaux-Arts in Brüssel ein. Toorop fand dort Anschluss bei der Société des Vingt, einer Gruppe progressiver Künstler*innen.

Besonders in den Arbeiten um „Hetäre“ scheint Toorop Einflüsse der Kultur Javas verarbeitet zu haben. Das Gemälde ist, vergleichbar den Werken Paul Gauguins, ein überragendes Zeugnis der Verflechtung der europäischen Moderne mit außereuropäischen Kulturen und ergänzt die Sammlung der Nationalgalerie um ein differenzierteres Verständnis dessen, was wir heute als „europäische“ Moderne bezeichnen.

Ralph Gleis, Leiter der Alten Nationalgalerie

Toorop hat noch gefehlt! Die hochkarätige Sammlung der Nationalgalerie kann es sich erlauben, wählerisch zu sein bei ihren Neuerwerbungen. Die geheimnisvolle „Hetäre“ des niederländischen Symbolisten Jan Toorop ergänzt den Bestand jedoch trefflich und gern unterstützen wir diesen Dank eines privaten Gönners möglich gewordenen Ankauf.

Martin Hoernes, Generalsekretär der Ernst-von-Siemens-Stiftung

Das Gemälde konnte mit Mitteln aus dem Nachlass Manfred Thamke, Berlin und mit Unterstützung der Ernst von Siemens Kunststiftung erworben werden.