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Rückgabe von menschlichen Überresten und Grabbeigaben an Hawai´i

12.04.2023
Museum für Vor- und Frühgeschichte

Vier iwi kūpuna (menschliche Überreste hawaiianischer Abstammung) sowie sieben moepū (Grabbeigaben) wurden an Hui Iwi Kuamo'o, eine Organisation der hawaiianischen First Nations, die das Office of Hawaiian Affairs (OHA) vertritt, übergeben. Die menschlichen Überreste befanden sich seit 2011 in der Obhut des Museums für Vor- und Frühgeschichte der Staatlichen Museen zu Berlin. Die Grabbeigaben waren rund 135 Jahre Teil der Sammlung des Ethnologischen Museums.

Ende 2021 hatte der Stiftungsrat der SPK beschlossen, sowohl menschliche Überreste als auch Grabbeigaben nach Hawai’i zu repatriieren. In einem ersten Schritt wurden bereits am 11. Februar 2022 32 iwi kūpuna an Hui Iwi Kuamo'o restituiert, deren Mitglieder nach Berlin reisten, um die Ahnen in ihre Heimat zu begleiten. Nach einer privaten Zeremonie fand im Museum dazu eine feierliche öffentliche Übergabezeremonie statt.

In einer zweiten Übergabe folgten nun weitere menschliche Überreste und die Grabbeigaben, unter anderem ein Speer, eine Holzschale, eine Kalebasse und eine Steinscheibe.

Menschliche Überreste aus kolonialen Kontexten möchten wir zurückgeben, wenn die entsprechenden Herkunftsstaaten und -gesellschaften bekannt sind und eine Rückführung wünschen. Und natürlich gilt das auch für Grabbeigaben, wenn für diese ein Unrechtskontext gegeben ist, wie zum Beispiel eine heimliche Entnahme. Ich freue mich, dass die Zusammenarbeit mit den Vertretern der OHA für die Rückgabe so hervorragend funktioniert.

Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz

Die heutige Rückführung ist das Ergebnis einer langjährigen, kooperativen Zusammenarbeit und Abstimmung zwischen den Staatlichen Museen zu Berlin, Hui Iwi Kuamoʻo und der OHA. Es ist die Verkörperung der Kraft von laulima (Zusammenarbeit).

Carmen „Hulu“ Lindsey, OHA-Vorstandsvorsitzende

Aufgrund der Inschriften „Sandwich-Inseln“ und „Hawaii“ sind die drei Schädel und die Schädelkalotte eindeutig dem pazifischen Archipel zuzuordnen und konnten nun zurückgegeben werden. Trotz gründlicher Provenienzrecherche war es jedoch nicht möglich, die menschlichen Überreste einer bestimmten Stätte oder Grabhöhle zuzuordnen.

Auch bei den Grabbeigaben, die Teil der Sammlung des Ethologischen Museums waren, sprachen die Umstände der Aneignung für die Rückgabe. Sie stammen aus der Sammlung von Eduard Arning, der sie nach seinen Angaben um 1885 in Hawaiʻi aus Grabhöhlen entnommen hat. Arning berichtet in seinen Aufzeichnungen, dass er die Höhlen heimlich betrat und ausdrücklich vermied, von Hawaiianern gesehen zu werden, die sein Vorgehen sicherlich missbilligt hätten. Grabstätten sind überall und zu allen Zeiten besonders geschützte Orte, die insbesondere für die Angehörigen der Bestatteten eine hohe Bedeutung besitzen. Mit der heimlichen Entnahme der Objekte aus diesen Bestattungskontexten ist ein Unrechtskontext gegeben, der eine Rückführung der Objekte nach Hawaiʻi gebietet.

Die Welt nähert sich einer höheren Ebene des Verständnisses, wenn die gegenseitige Menschlichkeit respektiert wird und es zur Rückgabe der sterblichen Überreste der Vorfahren und ihrer Grabbeigaben führt, die in der Kolonialzeit von ihren ursprünglichen Beisetzungsorten gestohlen wurden.

Edward Halealoha Ayau, Exekutivdirektor von Hui Iwi Kuamo'o