Sammlung des Museums für Islamische Kunst

Die Sammlung des Museums für Islamische Kunst umfasst Werke der Kunst, Kultur und Archäologie muslimisch geprägter Gesellschaften vom 7. bis 19. Jahrhundert. Seine Exponate stammen aus einem Gebiet, das vom Mittelmeerraum (Südeuropa, Nordafrika, Westasien) bis nach Zentral- und Südasien reicht.

Damit schließen die Ausstellungen des Museums geografisch und kulturgeschichtlich direkt an jene der Antikensammlung und des Vorderasiatischen Museums an, die gleichfalls im Pergamonmuseum gezeigt werden. So können die Besucher einen umfassenden Einblick in die Kunst- und Kulturgeschichte jener Jahrhunderte und Regionen gewinnen.

Der Rundgang im Museum für Islamische Kunst folgt der Chronologie nach Dynastien verschiedener Epochen und geographischer Gebiete. Die Frühzeit mit den Großreichen der ersten Kalifen (7. bis 10. Jahrhundert) steht noch in der Tradition vorislamischer Kulturen der Antike und Irans. Eindrucksvoller Beleg hierfür ist der Reliefdekor auf der monumentalen Fassade des Wüstenschlosses von Mschatta. Die frühen Kalifenreiche sind durch Handelsbeziehungen mit der damals bekannten Welt verbunden. Die reiche Ausstattung der Paläste und Wohnhäuser in einer Metropole wie Samarra im heutigen Irak lässt dies lebendig werden. In der Kalifenresidenz gehörten chinesisches Porzellan, Teak-Holz aus Südasien und Marmor aus dem Mittelmeerraum selbstverständlich zum gehobenen Lebensstil.

Überregional vernetzte Städte mit einer wohlhabenden Bevölkerung aus Händlern und Handwerkern prägen die Mittlere Zeit (11. bis 15. Jahrhundert). Feine Keramik oder mit Gold und Silber eingelegte Metallgefäße werden nun auch für die städtischen Eliten erschwinglich, ihre Herstellung erlebt einen Aufschwung. Die Blüte des Handwerks bringt Meisterwerke hervor wie die mit schillerndem Lüsterdekor bemalte Gebetsnische aus dem iranischen Kaschan , die aus zahllosen Keramikmosaikstücken zusammengesetzte Gebetsnische aus dem türkischen Konya oder die detailreich geschnitzte Turmkuppel eines Palastpavillons der Alhambra in Granada.

Die berühmte Berliner Teppichsammlung mit ihrer wechselvollen Geschichte gehört zum großen Teil der frühen Neuzeit (16. bis 18. Jahrhundert) an. In jener Periode entstand auch das Aleppo-Zimmer mit seiner prachtvoll bemalten Wandtäfelung. Die figürlichen Dekore und Inschriften sind lebhaftes Zeugnis der multikulturellen und multireligiösen Stadtgesellschaften im Syrien des frühen 17. Jahrhunderts.

Das Museum beherbergt eine der umfangreichsten Spezialbibliotheken zu islamischer Kunst, Archäologie und materieller Kultur, die als Präsenzbibliothek zugänglich ist. Es kooperiert als Forschungseinrichtung international mit Universitäten und Museen besonders jener Regionen, in denen seine Objekte entstanden sind.

Bei all seinen Unternehmungen sieht sich das Museum für Islamische Kunst in dem öffentlichen Islam-Diskurs als Vermittler einer Kultur auf höchstem Niveau. In seinen Ausstellungen kann die Geschichte anderer Kulturen entdeckt werden und so dabei helfen, die Gegenwart zu verstehen. Hieraus bezieht die Sammlung als kultureller Speicher muslimischer Gesellschaften ihre innen- wie außenpolitische Aktualität.

Eine erste Abteilung islamischer Kunst richtete Wilhelm von Bode 1904 im neu eröffneten Kaiser Friedrich-Museum, heute nach ihm Bode-Museum genannt, auf der Museumsinsel Berlin ein. Ihm ist auch die großartige Stiftung farbenfroher Teppiche zu verdanken, die zusammen mit der Fassade des Wüstenschlosses von Mschatta, einem Geschenk des türkischen Sultans an den deutschen Kaiser, den Grundstock des Museums bildete. Später kamen Teile der Sammlung islamischer Kleinkunst aus dem Besitz Friedrich Sarres, des ersten eigenständigen Direktors der Abteilung, sowie zahlreiche Kunstwerke, die von Ausgrabungen herrührten, hinzu. 1932 bezog die Abteilung im neu erbauten Pergamonmuseum geeignetere Räume.

Mit Kriegsbeginn 1939 musste die Ausstellung geschlossen werden. Trotz Sicherung und Auslagerung verbrannten zahlreiche wertvolle Teppiche, der linke Torturm von Mschatta wurde durch eine Luftbombe getroffen. Nach der Wiederherstellung dieses bedeutenden frühislamischen Baudenkmals wurde 1954 das "Islamische Museum" im Pergamonmuseum wiedereröffnet. Gleichzeitig wurden die in die westlichen Besatzungszonen ausgelagerten Bestände in das Museum in Dahlem zurückgeführt, wo sie bis 1967 zu sehen waren. Von 1968 bis 1970 gab es eine Ausstellung im Schloss Charlottenburg. 1971 wurde die ständige Ausstellung des "Museum für Islamische Kunst" in einem Neubau im Museumskomplex Dahlem eröffnet. Die Rückführung der nach Kriegsende in die Sowjetunion verbrachten Kunstwerke 1958 und die Restaurierungen des 1912 erworbenen Aleppo-Zimmers sowie zweier Gebetsnischen ermöglichten eine deutliche Erweiterung der Ausstellung im Pergamonmuseum bis 1967.

Nachdem beide Museen infolge des Mauerfalls wieder vereint waren, zog die in den Museen Dahlem gezeigte Schau 1998 aus. Im Frühling des Jahres 2000 konnte das zusammengeführte Museum für Islamische Kunst in der neu gestalteten Ausstellung im Südflügel des Pergamonmuseums eröffnet werden. Ab Oktober 2023 wird die Sammlung für eine umfangreiche Sanierung des Pergamonmuseums geschlossen und im Nordflügel ab 2026 mit neuen Wegen der publikumsgerechten Vermittlung für die Besucher*innen wiedereröffnet.

Weitere Informationen

Restaurierung der Mschatta-Fassade

Der Mschatta-Saal wird ab 21. Februar 2022 für den Besucherverkehr geschlossen. Als Leitobjekt und Publikumshighlight des Museums für Islamische Kunst wird die Fassade des Kalifenschlosses Mschatta im Rahmen der Sanierungsarbeiten des Pergamonmuseums künftig in einer öffentlich einsehbaren Schaubaustelle restauriert.