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Mschatta Lounge

Die 6-teilige Konzertreihe „Mschatta Lounge“ öffnete das Museum als Plattform für Cross-over-Produktionen und musikalische Inspirationen aus der Mitte sich wandelnder Gesellschaften. Um Musik und Kunstwerke als Ausdruck globaler Verflechtungen multisensitiv erfahrbar zu machen, wurden 2019 für die „Mschatta Lounge“ sechs Bands eingeladen, die jeweils ein Objekt der Ausstellung in ihrer musika­lischen Sprache interpretiert haben. Die Kompositionen finden Sie als „Mschatta Tracks“ auf den Audioguides sowie auf dieser Webseite unter den jeweiligen Musiker*innen.

Das Mu­seum für Islamische Kunst macht die Schnittstellen dieser gesellschaftlichen Vielfalt sichtbar. Viele Objekte sind durch kulturübergreifenden Austausch, wie der Migration von Künstlern, Ideen und Objekten, überhaupt erst entstanden. Auch die Musik wanderte über Epochen und alle politischen, ethnischen, religiösen und sprachlichen Grenzen hinweg und entwickelt sich bis heute durch Austausch dynamisch weiter.

Viele Ins­trumente der klassischen und modernen Musik haben ihre Vorfahren im Nahen Osten, ob Gitarre, Oboe oder Violine. Im Museum finden sich zahlreiche Abbildungen dieser Instrumente aus vielen Jahrhunderten und Regionen. Ohne Kulturaustausch hätte die heutige Musik somit nicht entstehen können. Die Kunstwerke im Museum sind ebenso wie die Mschatta Tracks Ausdruck von gemeinsamen verflochtenen Geschichten. Musik bringt uns heute die­se gegenseitige Befruchtung eingängig in Erinnerung.

Projektleitung: Martina Kopp, Prof. Dr. Stefan Weber, Cornelia Weber, Philipp Zobel
Kooperationspartner: Museum für Islamische Kunst, Piranha Arts
Projektförderung: Hauptstadtkulturfonds (HKF), Freunde des Museums für Islamische Kunst im Pergamonmuseum e. V. (FMIK e. V.), Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM)
Medienpartner: Zitty
Laufzeit: 2019

Dima Orsho verbindet klassische Musik, Jazz und die Musik des Nahen Osten. Dieses Zusammenspiel feilte sie dabei auf den Büh­nen, von Washington DC über Damaskus bis nach Taipei immer weiter aus.

Die Sängerin ist auch auf dem Klavier wie der Klarinette ausgebildet und komponiert Musik für Film und Fernsehen. Sie arbeitet immer wieder mit vielen weiteren Musikern zusammen, zum Beispiel seit 2003 dauerhaft im Trio Hewar oder in Projek­ten wie dem Album Sing Me Home von Yo-Yo-Ma und dem Silk Road Ensemble, das 2017 den Grammy als bestes Weltmusikalbum gewann.

In der Mschatta Lounge trat Dima Orsho zusammen mit dem Akkordeon-Virtuosen Manfred Leuchter, dem Cellist aus dem West-Östlichen Divan Orchester Basilius Alawad und dem heraus­ragenden Schlagzeuger Bodek Janke auf. Unter dem Titel »Of Lullabies, Identity, and the Ties that Bind« vereinen sie mehrere Musiktraditionen Syriens und Mesopotamiens. Dima singt dabei in einer Vielzahl von Sprachen: Aramäisch und arabische Dialekte aus verschiedenen syrischen Regionen.

Zum Aleppo-Zimmer schrieb Dima dafür ein neues Stück, das ihre emotionale Verbindung zu diesem Raum als altes, selte­nes und atemberaubendes syrisches Artefakt ausdrückt.

Dima Orsho & Friends - „Aleppo Room“, Mschatta Lounge Track zum Aleppo-Zimmer (7:58 Min.):

»Ich war schon immer erstaunt über die leidenschaftlichen, eindrucksvollen Farben und atemberaubenden Details solcher Artefakte, die immer eine direkte Verbindung zu den Seelen hervorriefen — von Menschen, die einst lebten und jetzt weg sind. Es ruft in mir das Gefühl hervor, dass ich nur eine weitere Drehung in diesem ewigen, unendlichen Zyklus bin; ich starre mit unschuldiger Verwunderung auf dieselben Mauern, die unzählige Geschichten, menschliche Geschichten, unsere Geschichten erlebten. Ich hatte das wunderbare Glück, zwischen 2000 und 2002 einige Monate in Aleppo verbringen zu können. Eines von Aleppos Meisterwerken, das ich damals sah, war Beit Wakil, in dem ich meinem eigenen Aleppo-Raum begegnete; bis ich ihn zufällig wieder betrat, an einem glücklichen Tag in Berlin in diesem Jahr. Der Gang durch den Aleppo-Raum brachte mich zu dieser magischen Umarmung zurück. Ich fühlte mich, als wäre ich in das umarmende Wiegenlied einer Mutter geklettert, das deine Seele beruhigt. Aber viel mehr als das, fühlte ich auch den Verlust, mich daran zu erinnern, was einmal war, aber nicht mehr ist. Die­ser Verlust wird für immer in meinen Gedanken, meinen Liedern und meinen Kompositionen sein.«

(Zitat Dima Orsho)

 

Bukahara lässt sich nicht in eine Schublade stecken, nicht einem Genre zuordnen: Popmusik, Folk, Weltmusik, Gypsy-Jazz, Ara­bic-Balkan, Swing, Reggae… all diese Richtungen und noch viel mehr vereint das seit 2009 in seiner Musik. Das Konzept ist das gezielte Durchbrechen von musikalischen Grenzen, um den unterschiedlichen kulturellen Wurzeln und Identitäten innerhalb der Band Ausdruck zu verleihen. 2017 erschien ihr drittes Album »Phantasma«.

Zu diesem Ziel kommen Geige, Kontrabass, akustische Gitar­re, unterschiedlichste Perkussion und Posaune zum Einsatz. Ihnen gelingt dabei ein Spagat zwischen ansteckender Leichtigkeit und enthusiastischer Hingabe. Da bestimmt schon mal eine Geige die Harmonie, eine Posaune probiert sich als Tuba und dann, auf ein­mal, sitzt der singende Gitarrist hinterm Schlagzeug.

Bukahara, das sind der Sänger, Gitarrist und Schlagzeuger Soufian Zoghlami, Bassist und Perkussionist Ahmed Eid, an der Geige und Mandola Daniel Avi Schneider und der Posaunist, Sou­saphonist und Schlagzeuger Max von Einem.

Für das Museum für Islamische Kunst komponierte die Band einen Track zum Astrolabium.

Bukahara - „Makda“, Mschatta Lounge Track zum  Astrolabium (6:54 Min.):

»Das Astrolab weckte beim ersten Blick unser Interesse. Es wirkt geheimnisvoll und raffiniert, wie ein magisches Instrument. Dass es auf uraltem Wissen aus anderen Kulturen basiert und benutzt wurde um sich mithilfe der Sterne bei Reisen zu orientieren inspiriert uns zu einer Geschichte, passend zu einer Zeit als die Welt noch grösser wirkte als heute.«

(Zitat Bukahara)

 

Das Berliner Quartett Cyminology verbindet persische Lyrik und kammermusikalische, zeitgenössische Musik: Ost und West, Alt und Neu in berührender Synthese. Die subtile, doch dynamische und sanft pulsierende Musik der Gruppe (gegründet 2002) ent­steht aus dem Klang der persischen Sprache heraus.

In ihren Kompositionen verschmelzen die Klangfarben des Impressionismus mit der Lebendigkeit des zeitgenössischen Jazz. Sie vereinen neue Kompositionsstrukturen mit Kammermusik, freie Improvisationen und Minimalismus mit persischer Lyrik von Rumi, Hafis und Khayyam. Cyminology erschaffen einen Raum, in dem sich postmigrantische europäische Kultur in Musik und Poesie ausdrückt.

Sängerin Cymin Samawatie wurde bei dem Konzert begleitet von der Marimba- und Vibraphonspielerin Taiko Saito, dem Kont­rabassisten Ralf Schwarz und dem Schlagzeuger Ketan Bhatti.

Für das Museum für Islamische Kunst komponierte die Band einen Track zur Mschatta Fassade.

Cyminology – „Echoes Stereo Bounce“, Mschatta Lounge Track zur Mschatta Fassade (6:01 Min.):

»Die Fassade des Qasr al-Mschatta ist reich dekoriert: Pflanzen, Ornamente, Tiere und geometrische Muster sind im Werk ver­knüpft. Die Erbauer haben Elemente spätantiker, koptischer, syrischer und sasanidischer Künste, persisch-irakische und früh­byzantinische Bautechniken verbunden und in der Synthese die Traditionen des antiken Orients neu gefasst. Ein Werk neuen Stils, der frühislamischen Kunst, war entstanden. Das Bildwerk der Fassade und die Techniken seiner Entstehung sind die Inspi­ration für eine Komposition: Die Klangfarben des Impressionismus und der europäischen Kammermusik verschmelzen mit persischen Musiktraditionen und der Lebendigkeit des zeit­genössischen Jazz. Rhythmen und Klang entstehen aus der Sprache der arabischen Poesie, Improvisation wird zum Mittel der Neuschöpfung. Ost und West, Alt und Neu wird wie schon im 8. Jahrhundert auch hier bruchlos verknüpft zu einer neuen musikalischen Sprache.«

(Zitat Cyminology)

 

Bei der Gruppe MASAA verweben sich tiefempfundene arabische Verse mit zeitgenössischem Jazz und gehen eine lyrische Liaison ein. Seit 2012 gewann das Quartett viele Preise, wie für ihr zuletzt erschienenes Album »outspoken« (2017) den Preis der deutschen Schallplattenkritik. Von Beginn an ist es der Band ein großes An­liegen gewesen, ihre Arbeit nach außen zu tragen: MASAA haben erfolgreiche Tourneen durch einige Länder Afrikas und in Lahouds Heimat Libanon, absolviert; im Sommer 2015 startete ihr Team­work mit der israelischen Sängerin Yael Deckelbaum. Mit dieser Zusammenarbeit setzen MASAA ein Signal für die Unterstützung des Friedensprozesses zwischen jüdischer und arabischer Kultur.

Neben Sänger Lahoud bilden Marcus Rust an der Trompete, Demian Kappenstein am Schlagzeug und seit Beginn diesen Jah­res Reentko Dirks an der Doppelhals-Gitarre die Gruppe MASAA, das aus dem Arabischen übersetzt »Abend« heißt.

Für das Museum für Islamische Kunst komponierte die Band einen Track zur Alhambra-Kuppel.

MASAA - „Averroes“, Mschatta Lounge Track zur Alhambra-Kuppel (3:23 Min.):

»Die Begegnung der arabischen und europäischen Kultur in Spanien erlebte eine lange Geschichte von etwa 800 Jahren. Kunst, Literatur, Philosophie und Architektur florierten in eine Atmosphäre der religiösen Toleranz. 
Was für eine großartige Erinnerung der Gemeinsamkeit von Europa und der arabischen Welt! Die Begegnung der Herzen dieser beiden kreativen Identitäten kann heute großartiges Neues erschaffen. Wie kann es eigentlich anders sein?
Ich denke sogar, dass das unsere gemeinsame künstlerische Aufgabe sein soll. Gerade heute.«

(Zitat MASAA)

 

Traditionelle anatolische Lieder gepaart mit elektronischen Sounds? Unbedingt, haben sich Petra Nachtmanova, İpek İpekçioğlu und Ceyhun Kaya gedacht: In ihrer innovativen Kol­laboration Kamatürji haben die Bağlamaspielerin und Sängerin Petra Nachtmanova, DJ İpek, die Berliner »Zeremonienmeisterin der transkulturellen Völkerverständigung«, und Klarinettist Ceyhun Kaya sich mit viel Feingefühl an genau diesen sowohl andersarti­gen als auch spannenden Mix gewagt, um hier ihre unterschied­lichen musikalischen Stile und Hintergründe zu vereinen.

Die polnisch-tschechischstämmige Musikerin singt bekannte Lieder des blinden türkischen Bağlamaspielers, Sängers und Dich­ters Âşık Veysel, vornehmlich in türkischer Sprache, begleitet von ihrem Spiel auf der Langhalslaute.

Für das Museum für Islamische Kunst komponierte die Band einen Track zu den Kairener Schmuckleisten.

Karmatürji - „Zevk-ü Sefah“, Mschatta Lounge Track zu den Kairener Schmuckleisten  (5:04 Min.):

»Seit tausenden von Jahren kämpft sich der Mensch auf aller Welt durch die von der Natur vorgegebenen Bedingungen und verwirklicht seine Träume. Er umrahmt sich mit Schönheit und findet immer wieder neue Mittel um sich zu berauschen und selbst zu feiern. Der Unterschied zwischen Berlin 2019 und Kairo vor tausend Jahren ist geringer als wir denken.«

(Zitat Karmatürji)

 

Milad Khawam ist Trompeter, Duduk-Spieler und Komponist aus Damaskus/Syrien und lebt in Berlin. Milad studierte klassische arabische und europäische Musik in Damaskus. Seit 2010 spielte er als Solotrompete mit vielen Orchestern zwischen Europa und dem Mittleren Osten. Seit er Ende 2015 nach Berlin zog, spielte Milad als Solist mit verschiedenen Gruppen bei unterschiedlichen Festivals in Deutschland, wie zum Beispiel dem Morgenlandfest 2016, dem X-Jazz-Fest Berlin 2018 oder dem Fusion-Fest 2018.

Er spielte viele Konzerte in verschiedenen Städten als Solist mit verschiedenen Ensembles, darunter das Jazzaar Global Ensemble in der Schweiz 2019, bei dem er gemeinsam mit Billy Cobham am Schlagzeug auf der Bühne war.

Im Museum für Islamische Kunst führte Milad ein neues spe­zielles Musikstück auf, das vom Nahen Osten und der Abba­sidenzeit und vom »Aquamanile« in Form eines Adlers aus dem Museum für Islamische Kunst inspiriert ist. Die Musik wird auf der Trompete im Einklang mit dem traditionellen arabischen Instrument Qanun aufgeführt. Sie ist in klassischen westlichen Formen arrangiert und begleitet von Hasan Alnour am Qanun, Wesam Krema an den Keys, Ahmed Eid am Kontrabass, Salam Alhassan an den Percussions und Arne Müller am Schlagzeug.

Für das Museum für Islamische Kunst komponierte die Band einen Track zur Adler-Aquamanile.

Milad Khawam - „Aquamanile“, Mschatta Lounge Track  zur Adler-Aquamanile (4:22 Min.):

»Als ich das Aquamanile sah, brachte es einige ganz besondere Erinnerungen an meine Kindheit zurück. Ich lebte in einem typi­schen alten Damaszener Haus im Herzen der Altstadt, zu allen Seiten umgeben von Schönheit. Ganz in der Nähe befanden sich die Umaiyaden-Moschee, der Azem-Palast, das Haus Saint Ananias und andere schöne archäologische Stätten. Die Rückblenden waren überwältigend, als ob meine Seele dorthin reiste und sich daran erinnerte, durch die alten engen Gassen Damaskus zu wandern.... die schönen Antiquitätenläden zu sehen, voll von Schätzen aus Kupfer, Holz, Glas... und die eine ganz besondere Erinnerung an ein altes verziertes Wasser­gefäß in unserem Haus, das für meine Eltern so besonders war. Soweit ich weiß, wurde es über Generationen von der Familie meines Vaters vererbt. Plötzlich, als ich dieses schöne Aqua­manile sah, erkannte ich die unglaubliche Menge an Schönheit, von der ich jeden Tag und jeden Moment umgeben war, ohne es zu merken.«

(Zitat Milad Khawam)