Inside/Out – (M)Ein Museum

Seit 2015 arbeitet das Museum für Islamische Kunst eng mit Moscheegemeinden und muslimischen Organisationen zusammen. Aus diesen langjährigen Partnerschaften ist Inside/Out entstanden – ein partizipatives Kunstprojekt, das junge Muslim*innen einlädt, ihre eigenen Perspektiven auf islamische Kunst und das Museum zu entwickeln. Im Mittelpunkt steht die Frage: Was bedeutet das Museum für dich? Welche Geschichten erzählen die Objekte – und welche fehlen? Die Teilnehmenden nutzen Werke aus der Sammlung als Inspiration für eigene kreative Arbeiten. Es geht nicht um Reproduktion, sondern um Selbstrepräsentation, Empowerment und neue Sichtweisen auf kulturelles Erbe.

Zugehörigkeit schaffen

Inside/Out hat ein bundesweites Netzwerk von Multiplikator*innen aufgebaut, das die Themen des Museums in zahlreiche Gemeinden trägt. Die Projekte eröffnen vielen Muslim*innen in Deutschland einen neuen Zugang zur Kunstgeschichte islamisch geprägter Regionen und fördern das Gefühl von Teilhabe. Besonders bedeutsam ist, wenn hier lebende und hier geborene Muslim*innen das Museum als „ihren Ort" begreifen – als kulturelle Institution, die auch Teil ihrer eigenen Geschichte ist. Daraus entsteht eine inklusive Vorstellung von Gemeinschaft, die Vielfalt als Stärke versteht.

Wie das Projekt funktioniert

Drei Phasen – von der Idee zum eigenen Kunstwerk

  1. Künstlerische Schulung: Einführung in kreative Techniken und künstlerische Ausdrucksformen
  2. Reflexion und Forschung: Auseinandersetzung mit Objekten der Sammlung und Fragen nach Identität, Herkunft und Selbstverständnis
  3. Gestaltung und Präsentation: Entwicklung und öffentliche Präsentation eines eigenen Kunstwerks

Persönliches mit Musealem verbinden

In den Workshops entsteht ein Raum für offene und kritische Auseinandersetzung. Die Teilnehmenden bringen ihre eigene Lebenswelt ein: Graffiti aus der Nachbarschaft, Bilder im Wohnzimmer, das Porzellangeschirr der Großmutter. Diese persönlichen Beispiele werden mit Migrations- und Familiengeschichten verknüpft. So entstehen Bezüge zwischen dem, was im Museum sichtbar ist – und dem, was bislang unsichtbar bleibt, aber für die Jugendlichen historisch und gegenwärtig relevant ist.

Bundesweites Netzwerk

Seit Juni 2025 baut das Projektteam Kooperationen mit muslimischen Gemeinden und Künstler*innen auf. In mehreren Online-Treffen wurden Multiplikator*innen der verschiedenen Standorte vernetzt und Inhalte, Methoden sowie künstlerische Ansätze gemeinsam weiterentwickelt. Seit Oktober 2025 leitet Imannur Gül als Koordinatorin das Projekt. Das Team hat bereits in Berlin, Nordrhein-Westfalen, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern feste Partnerschaften und Workshop-Gruppen aufgebaut. Durch regelmäßige Besuche vor Ort werden diese Kontakte gepflegt – stets mit besonderem Augenmerk auf Diversität und die Vielfalt künstlerischer Ausdrucksformen.

Objekte erzählen Geschichten

Die Kunstgeschichte islamisch geprägter Regionen ist ein vielschichtiges Geflecht aus Migration, Austausch und kultureller Vielfalt. Jedes Objekt der Sammlung erzählt von Begegnungen – politischer, wirtschaftlicher und künstlerischer Art. Eine scheinbar einfache Vase kann Einblicke geben in die gesellschaftliche und religiöse Zusammensetzung ihrer Zeit, in Handelswege, Materialherkunft und die kulturelle Bedeutung ihrer Ornamente. Solche Perspektiven eröffnen Gespräche über Identität, Zugehörigkeit und Toleranz – Themen, die im Zentrum von Inside/Out stehen.


Besonders eindrücklich ist die lange und enge Kulturgeschichte zwischen islamisch geprägten Regionen und Europa, die sich in der Sammlung widerspiegelt. Sie macht sichtbar, dass Kunst schon immer ein Raum des Dialogs war – und damit ein idealer Ausgangspunkt für Fragen des Zusammenlebens und des gegenseitigen Verständnisses.


Projektteam

Projektleitung: Roman Singendonk
Projektkoordination: Imannur Gül
Projektträgerschaft: Museum für Islamische Kunst
Förderung: Bundesministerium des Innern, Deutsche Islam Konferenz
Laufzeit: 2025–2026