Gemeinsame Vergangenheit – Gemeinsame Zukunft II (BKM)

Eine Outreach-Initiative des Museums für Islamische Kunst für eine inklusive Gesellschaft

Seit Jahrzehnten entwickelt sich die Bevölkerung Deutschlands und besonders Berlins zu einer zunehmend pluralen Gesellschaft. Die sich daraus ergebende Diversität ist eine Chance für die kulturelle, wirtschaftliche, demografische und gesellschaftliche Entwicklung der Stadt und der Republik. Im öffentlichen Diskurs in Deutschland jedoch werden gerade Muslime oft als „anders“ beschrieben und nicht als Teil deutscher Identität verstanden. Sie erleben im Alltag Abgrenzung, Diskriminierung, Ausgrenzung und die ständige Forderung, sich zu äußern, zu erklären und ihre (angenommenen oder tatsächlichen) Positionen zu begründen.

Gleichzeitig gewinnen radikale Stimmen, die im Namen des Islam sprechen, an Bedeutung. Ob Karikaturenstreit, Zerstörungen von Bamiyan oder Islamischer Staat, gezielt werden Krisen von Extremisten eskaliert, um gemäßigte Stimmen in die Defensive zu drängen. Auf der anderen Seite werden ein undifferenziertes Unsicherheitsgefühl und Unzufriedenheit in Prozesse der Abgrenzung von Islam und Muslimen kanalisiert und islamophobe Einstellungen von populistischen und rechten Bewegungen als politisches Mobilisierungsmoment genutzt.

Mit dem Projekt und der Outreach-Initiative „Gemeinsame Vergangenheit – Gemeinsame Zukunft II“ möchte das Museum für Islamische Kunst einen Beitrag leisten, solchen auf Abgrenzung basierenden Identitätskonstruktionen entgegenzuwirken und stattdessen die Ausformung offener, inklusiver und wertschätzender Identitäten zu fördern. Daher zielt das Projekt darauf ab, sowohl Menschen mit und ohne familiäre Verbindungen zu den geografischen Regionen der Sammlung des Museums ein Bewusstsein für die vielfältigen, historisch gewachsenen transkulturellen Verflechtungen zwischen Europa und der islamisch geprägten Welt zu vermitteln. Migration, Transfer und Wandel, die auf diesen transregionalen Verknüpfungen basieren, sollen als Motoren kultureller und wissenschaftlicher Entwicklung durch Kunst- und Kulturgeschichte verständlich gemacht und erlebbar werden, um davon ausgehend Fragen der Gegenwart und Zukunft in der pluralen Gesellschaft zu verhandeln.

Dazu verfolgt das Projekt mehrere Ebenen der transkulturellen Bildungsarbeit in den einzelnen Teilprojekten:

  • Entwicklung von Unterrichtsmaterialien für den bundesweiten Schulunterricht für die Fächer Kunst, Musik, Ethik/Religion, Geschichte und Politik, die kostenlos zum Download zur Verfügung gestellt werden und die durch die Bezüge zur Kunst und Kulturgeschichte der islamisch geprägten Welt die Chance bieten, das öffentlich dominante Islambild vielseitiger zu gestalten.
  • Entwicklung von digitalen und analogen Workshop-Angeboten für Schulklassen und Lehrkräfte zu den Unterrichtsmodulen.
  • Zusammenarbeit mit Bildungsmedienverlagen und Schulbuchredakteur*innen in Kooperation mit dem Leibniz-Institut für Bildungsmedien | Georg-Eckert-Institut (GEI), um eine diversitätsorientierte Darstellung von Islam und Muslim*innen sowie Themen und Regionen, die zur islamisch geprägten Welt und ihrem wissenschaftlichen und kulturellen Erbe Bezug haben, zu fördern. Hierzu zählen Workshops für Bildungsmedienredakteur*innen, die Erarbeitung von Handreichungen und ein Beratungsangebot (Pilotphase) gemeinsam mit dem GEI.
  • Sonderausstellung „Gurbet Şarkıları – Lieder aus der Fremde. Musik und Zugehörigkeit zwischen der Türkei und Deutschland (1961-2021)“ anlässlich des 60. Jahrestages des Anwerbeabkommens zwischen der BRD und der Türkei (Laufzeit: 12.11.2021-20.02.2022). Die Ausstellung widmet sich dem Verhältnis zwischen Musikpraktiken, individuellen Biographien und gesellschaftlicher Verortung und macht die kulturellen Leistungen und unterschiedlichen Perspektiven der ersten, zweiten und dritten „Gastarbeitergeneration“ sichtbar.
  • Entwicklung eines historischen Adventure Games für Jugendliche und Erwachsene ab 15 Jahren mit Rätseln im Escape Game Stil, bei dem die Spielenden die Welt medizinischen Wissens in Südeuropa, Nordafrika, West- und Zentralasien im 14. Jahrhundert entdecken, um ein Heilmittel für den kranken Emir von Granada zu finden. Das Spiel wird nach der Fertigstellung Jugendfreizeiteinrichtungen und Schulen kostenlos zur Verfügung gestellt.
  • Entwicklung einer Toolbox für Diskussionsformate in Jugendfreizeiteinrichtungen und an Schulen in Kooperation mit dem Projekt Multaka. Die Toolbox soll die kritische Auseinandersetzung von Jugendlichen und junge Erwachsenen mit dem vorherrschenden und diskursiv verengten Migrationsverständnis ermöglichen und durch Fragen, Aufgaben, Rätsel, Bilder und Objekte unter der Moderation von Multaka Guides eine umfassendere und vielseitigere Belegung des Migrationsbegriffs sowie ein Bewusstsein für Transkulturalität fördern.
  • Förderung der kulturellen Bildung und Teilhabe in Moscheen bundesweit durch den Einsatz von TAMAM-Botschafter*innen, die die Verwendung der TAMAM-Unterrichtsmaterialien in der Bildungsarbeit von Moscheegemeinden in den Bundesländern ausweiten und verstetigen.
  • Erarbeitung von Geschichten (z. B. von Objekten, Personen, und Techniken) ausgehend von der Sammlung des Museums, u. a. mit den Schwerpunkten Wissenschaft und Musik, die in der Dauerausstellung, aber auch in den Outreach-Materialien des Museums zum Tragen kommen und die Normalität von Migrationsprozessen und transkultureller Verflechtung, insbesondere zwischen dem Nahen und Mittleren Osten und Europa, veranschaulichen.
  • Das Modellprojekt „Politische Bildung in Museen“ im Haus Bastian – Zentrum für kulturelle Bildung: Arbeitskreis „Kultur, Politik und Bildung“ Etablierung politischer Bildung im musealen Kontext; Projekttage für Schulklassen zur sammlungsübergreifenden, politisch-kulturellen Bildung von Schüler*innen; Fortbildungen für Multiplikator*innen.
  • Digitale Webtalkreihe und Publikation zum Thema „Islamistische und rassistische Anschläge – ein Thema für Schule und Unterricht“ in Kooperation mit Infodienst Radikalisierungsprävention / bpb, der Bildungsstätte Anne FrankLeibniz-Institut für Bildungsmedien | Georg-Eckert-Institut und ufuq.de.
  • Umsetzung der Konzertreihe Mschatta Lounge im Jahr 2019, die einem breiten, musikinteressierten Publikum Musik und Kunstwerke als Ausdruck globaler Verflechtungen zugänglich machte. 

Das Projekt wird von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien gefördert und bis Ende 2022 durchgeführt.

Projektleitung: Miriam Kurz und Stefan Weber
Projektmitarbeitende: Kathrin Allmann (Bildungsmedien), Franziska Becker (Workshops), Laura Beusmann (Geschichten, Unterrichtsmaterialien; Direktionsassistenz), Anja Deller (Sachbearbeitung Vergabe), Zinaida Ebden (Social Media, Presse, Veranstaltungen), Dr. Deniz Erduman-Calış (Lieder aus der Fremde), Christopher Förch (Politische Bildung, HBA), Dr. Sarah Fortmann-Hijazi (Multaka & GeZu Toolbox), Lars Hecker (Sachbearbeitung Besucherservice HBA), Maximilian Heiden (IT), Salma Jreige (Multaka & GeZu Toolbox), Annette Rohde (Sachbearbeitung Drittmittelabteilung), Dr. Leonard Schmieding (Politische Bildung/ Haus Bastian), Hilal Sezgin-Just (Exit Game, Lieder aus der Fremde, Multaka & GeZu Toolbox), Dr. Margaret Shortle (Geschichten), Roman Singendonk (Bildungsmedien, TAMAM-Botschafter:innen)  
Träger: Stiftung Preußischer Kulturbesitz
Förderer: Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM)
Laufzeit: November 2018 bis Dezember 2022