Digitalisierte historische Fotos der Türkei im Museum für Islamische Kunst

Vier Sammlungen mit mehr als 12.000 historischen Diapositiven und Schwarzweiß-Fotografien aus dem Gebiet der heutigen Türkei, die zwischen den 1920ern und 1990er Jahren aufgenommen wurden, werden derzeit digitalisiert und mit Metadaten aufbereitet. Sie werden sukzessive in der Datenbank des Museums für Islamische Kunst (syrianheritage.gbv.de) der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Fotografen dieser Sammlungen waren Wolfgang Zorer (1889-1939), Erhard Glitz (1904-1969), Josef Härle (1937-2015) und Michael Meinecke (1941 -1995). Die ältesten Fotografien stammen von Wolfgang Zorer, der als Grabungsfotograf und Vermessungstechniker nach dem Ersten Weltkrieg in der Türkei tätig war und dessen Aufnahmen aus dem Nachlass von Ernst Herzfeld stammen. Erhard Glitz bereiste weite Teile der Türkei in den fünfziger und sechziger Jahren und präsentierte seine atmosphärischen Fotos historischer Stätten der deutschen Öffentlichkeit in Vorträgen. Der Geografie-Professor Josef Härle unternahm verschiedene Forschungsreisen und organisierte Exkursionen mit seinen Studierenden in den Regionen der heutigen Türkei. Bei beiden, Glitz und Härle, entstanden zahlreiche Fotografien, die eher einen geografischen Blickwinkel zeigen. Die Aufnahmen des späteren Direktors des Museums für Islamische Kunst Michael Meinecke zeigen viele wenig bekannte historische Gebäude, vor allem, aber nicht ausschließlich, der seldschukischen Zeit Kleinasiens. Zu ihnen gehören auch Details von Inschriften und Fliesen, die in Meineckes Dissertation einflossen und die anderweitig kaum fotografisch dokumentiert sind.

Die Aufnahmen aller vier Fotografen zeigen die verschiedensten Aspekte des Lebens: historische Gebäude wie Moscheen, Karawansereien, Wohnhäuser, die Vielfältigkeit der Landschaft und das Alltagsleben der Menschen in verschiedenen Regionen der heutigen Türkei. 

Die Datenbank 
Die mehr als 12.000 Digitalisate werden schrittweise in die Datenbank (syrianheritage.gbv.de) hochgeladen. Sie stellt ein Online-Bildarchiv dar, das ursprünglich geschaffen wurde, um Fotos des bedrohten Kulturerbes Syriens weltweit zugänglich zu machen. Mittlerweile ist sie mit über 265.000 Fotos, Plänen und Dokumenten zu einem wichtigen Ort der Dokumentation der gesamten Region des Nahen und Mittleren Ostens sowie Nordafrikas geworden. 

Ebenso wie die meisten anderen Aufnahmen werden die Fotos von Wolfgang Zorer, Erhard Glitz, Josef Härle und Michael Meinecke mit Metadaten zu den Bildmotiven, Verortungen und Nutzungshinweisen versehen und sind ohne Registrierung öffentlich zugänglich.

Outreacharbeit
Ein besonderes Anliegen ist die Vermittlung der Bedeutung dieser historischen Fotos an die Öffentlichkeit, besonders Menschen mit einem persönlichen Bezug zur Türkei. Hierzu fanden Interviews und öffentliche Veranstaltungen statt, deren Resultate und Ergebnisse die in eine Online-Ausstellung einfließen.

Ausstellung auf Online-Portal Islamic·Art
Besondere Motive der digitalisierten historischen Türkei-Fotos präsentieren wir in einer Online-Ausstellung auf dem Portal Islamic·Art – ergänzt durch Kommentare von Berliner*innen mit Bezug zur Türkei, die ihre Erinnerungen und Assoziationen zu den Bildern geteilt haben.

Michael Meineckes Bezüge in die Türkei 
In Kooperation mit dem TAM Museum Berlin werden im Jahr 2026 Kontakte zu Familie, Freund*innen und Kolleg*innen Michael Meineckes hergestellt, die seine Persönlichkeit, ebenso wie seine Verflechtungen, mit der Türkei beleuchten und seine Wirkungsgeschichte anhand von Zeitgenossenschaften untersucht. Dazu werden Interviews mit diesen Kontakten zu Oral-History-Videos verarbeitet und auf dem Online-Portal Islamic·Artveröffentlicht. Fotos und ihre Hintergründe werden in sozialen Medien publiziert und öffentlich sichtbar gemacht. Ende 2026 wird zu einem interaktiven Erzählsalon im Brugsch-Pascha-Saal des Museums für Islamische Kunst eingeladen.


Projektleitung: Dr. Anne Mollenhauer
Wissenschaftliche Mitarbeit: Dr. Hiba Bizreh, Alaaeddin Haddad, Dr. Karin Pütt, Mehmet Tütüncü 
Kooperationspartner: TAM Museum (Gülşah Stapel, Verda Kaya)
Projektförderung: Förderprogramm zur Digitalisierung von Objekten des kulturellen Erbes durch die Senatsverwaltung für Kultur- und Gesellschaftlichen Zusammenhalt des Landes Berlin (digiS), Freunde des Museums für Islamische Kunst im Pergamonmuseum e.V.

Laufzeit: 27.01.2025 bis 31.12.2026