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Hin zu einem diskriminierungsfreien, vielfaltssensiblen Museum

Das 2006 durch Zusammenführung zweier Institutionen gegründete Museum für Asiatische Kunst ist eines der wenigen Museen in Europa, das sich ausschließlich der Bewahrung, Erforschung und Präsentation von Kunst aus Asien widmet. Hierbei finden stets sowohl traditionelle und lokale asiatische wie auch internationale (Fach-)Diskurse Berücksichtigung. Eine ausschließlich euro-amerikanische Weltsicht wird kritisch hinterfragt.

Das Museum für Asiatische Kunst vereint unterschiedliche institutionelle und disziplinäre Traditionen und Sammlungen von Objekten von enormer regionaler wie auch formaler Vielfalt, die aus sehr heterogenen Entstehungs- und Sammlungskontexten stammen.

Seine Vorgängerinstitutionen, das dort beschäftigte Personal und die akademischen Disziplinen und Diskurse, auf welche sie sich bezogen, waren in unterschiedlichem Maße in europäische Prozesse der Weltaneignung und -erforschung, in Imperialismen und Kolonialismen wie auch in die Barbarei des nationalsozialistischen Regimes involviert.

Vielfaltssensibel, international und multiperspektivisch

Als Teil einer lernenden, sich stetig entwickelnden, vielfaltssensiblen Museums- und Wissenschaftsinstitution sehen sich die Mitarbeiter*innen des Museums für Asiatische Kunst der kritischen Reflexion der eigenen Standpunkte sowie der hinterfragenden Auseinandersetzung mit und der Überwindung von Praktiken und Gedankengut aus den Fach- und Sammlungstraditionen verpflichtet. Letztere können nicht ohne Weiteres aus dem Kontext begangenen Unrechts herausgelöst werden. Dieser Prozess der Dekolonisierung von Kunstgeschichten und Museen wird von den Idealen der Vielstimmigkeit, Multiperspektivität und Offenheit geleitet.

Vielstimmigkeit ist bereits in der Bandbreite der Standpunkte, Fragestellungen und methodischen Zugänge der Mitarbeiter*innen angelegt, welche nicht zugunsten eines einheitlichen Institutionsbildes zurückgedrängt werden, sondern nebeneinander existieren dürfen. Doch geht sie weit darüber hinaus und bezieht über den Ansatz der Multiperspektivität Stimmen nationaler wie internationaler Partner*innen und Wissensproduzent*innen ein.

Multiperspektivität wie auch eine kritische Hinterfragung von Standpunkten und Haltungen sind nur durch eine ständige Auseinandersetzung mit den stets im Wandel begriffenen gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Diskursen sowie den Austausch und Dialog mit internationalen Partner*innen und diversen Publiken möglich, der fortgesetzt und intensiviert werden soll. Die Mitarbeiter*innen des Museums für Asiatische Kunst arbeiten bewusst in einem sich ändernden Umfeld, das Neukonzeptionen der Rolle von Kunstgeschichten auf lokaler und globaler Ebene erfordert: Neubewertungen von Epistemologien sowie der Prozesse der Wissensproduktion und des Lernens werden in ihrer Diversität diskutiert und –  wo möglich – im Dialog mit internationalen Partnern in konkreten Projekten getestet.

Diskriminierung und Eurozentrismus überwinden

Offenheit zielt auf ein Bewusstsein für die durch die eigene Lebenswelt und die damit verbundenen Privilegien bedingte Subjektivität und Relativität jeglicher Artikulationen und Aktivitäten. Vorrangige Ziele sind hierbei die Überwindung von Xenophobie, Rassismen, Antisemitismus und anderen diskriminierenden Praktiken (etwa aufgrund von Geschlecht oder sexueller Orientierung) sowie von eurozentrischen Sichtweisen mit Universalitätsanspruch. Durch den traditionell engen Austausch mit internationalen Partner*innen und den Bezug auf lokale Textkulturen, Philologien und Historiographien ist das Museum für Asiatische Kunst in besonderer Weise für eine Berücksichtigung von Epistemologien, Terminologien und Taxonomien jenseits europäischer Traditionen sensibilisiert. Die globale Dominanz westlicher Sprachen, insbesondere des Englischen, aber auch des Deutschen als gemeinsame Sprache für die akademische Kommunikation sind ein wesentlicher Faktor für die Entstehung von Ungleichheiten im akademischen Wissen. Wo möglich, erfolgen deshalb Kommunikation und Publikation mehrsprachig. Allerdings spielt Englisch als lingua franca besonders im vielsprachigen südasiatischen Raum auch eine wichtige Rolle für Erhaltung, Erforschung und Revitalisierung einheimischer Traditionen sowie für die Schaffung von Netzwerken, die überregional von Interesse sind und sogar über Landes- und Sprachgrenzen hinausgehen. Die Verwendung von traditionellen Terminologien aus Asien und deren Übersetzung und Vermittlung an lokale Publika werden angestrebt. Dies wird zunehmend mit Hilfe von digitaler Kommunikation, sozialen Medien und Datenbanken möglich sein. Die auf die Sammlung bezogene Erforschung historischer Schriften und Sprachen in Zusammenarbeit mit internationalen Expert*innen und die Verbreitung dieses Wissens sind seit mehreren Generationen wissenschaftlicher Standard und auch weiterhin Ziele des Museums.

Die Sammlungen, welche die Grundlage der Museumsarbeit bilden, sind Gegenstand einer zwar als Disziplin noch jungen, doch zunehmend differenzierten Provenienzforschung, welche die Diversität von Erwerbsgeschichten transparent macht und die Kontexte, in die sie eingebettet sind, problematisiert und diskutiert. Die einzelnen Sammlungsobjekte und -konvolute werden vermehrt für diverse Publika mehrsprachig auch digital erschlossen und in Online-Datenbanken zugänglich gemacht. Dies trägt zur Dezentralisierung und Neukonfiguration der Methoden zum Erstellen, Darstellen und Verbreiten von Wissen bei. Hierfür werden in konkreten Projekten zusammen mit internationalen Partnern neue Wege gesucht.

Die genannten Punkte stellen erste Schritte dar, die die Mitarbeiter*innen des Museums für Asiatische Kunst auf dem Weg zu Dekolonisierung und zu einem diskriminierungsfreien, vielfaltssensiblen Museum gehen.