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Ernst Waldschmidt

Der deutsche Indologe Ernst Waldschmidt kam am 15. Juli 1897 im westfälischen Lünen zur Welt. Nachdem er während des ersten Weltkriegs in der Kaiserlichen Marine gedient hatte, nahm er 1918 sein Studium an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel auf. Dort studierte er beim renommierten Indologen und Philosophen Paul Deussen sowie bei Emil Sieg, dem Gründervater der Tocharologie.

Nachdem Deussen 1919 unerwartet verstarb und Sieg seinem Lehrer Hermann Oldenberg nach Göttingen folgte, zog Waldschmidt nach Berlin. Im Anschluss an seine Promotion 1924 erhielt er eine Stelle als Assistent von Albert von Le Coq am Berliner Museum für Völkerkunde. 1929 stieg er zum dortigen Kurator auf und erhielt in der Folge 1934 den Professorentitel. 1936 wurde er an die Universität Göttingen berufen und trat damit in die Fußstapfen seines ehemaligen Lehrers Emil Sieg. Ernst Waldschmidt war seit Mai 1937 Mitglied der NSDAP und trat im Januar 1939 dem Nationalsozialistischen Deutschen Dozentenbund bei.

1937 wurde Ernst Waldschmidt zum ordentlichen Mitglied der Göttinger Akademie der Wissenschaften gewählt. Es ist insbesondere auf seine Bemühungen zurückzuführen, dass die Arbeit an den Turfandokumenten nach dem Zweiten Weltkrieg in Zusammenarbeit mit dem Institut für Orientforschung fortgesetzt werden konnte – eine Kooperation, die mit Errichtung der Berliner Mauer ihr Ende fand.

Danach widmete sich Waldschmidt dem Unterfangen, an der Universität Göttingen das weltweit einzige Zentrum für Tocharologie aufzubauen. 1965 zog er sich aus dem akademischen Umfeld zurück. Zu seiner großen Freude durfte er 1971 die Eröffnung des Berliner Museums für Indische Kunst (heute: Museum für Asiatische Kunst) noch erleben, das seine Gründung 1963 weitgehend Waldschmidts persönlichem Engagement verdankte. Ernst Waldschmidt verstarb am 25 Februar 1985 in Göttingen.

Vollständigen Artikel über das Leben und die Forschung Ernst Waldschmidts lesen in der Encyclopedia Iranica.

Ernst Waldschmidt äußerte sich zu seiner Person in "Geschichte der Waldeckischen Familie, Waldschmidt" (PDF, 1,9 MB).