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Enthüllung einer Gedenktafel für Prof. Dr. Curt Glaser

09.05.2016
Kunstbibliothek

Die Staatlichen Museen zu Berlin enthüllten am 9. Mai 2016 eine Gedenktafel im Foyer der Kunstbibliothek zur Erinnerung an Prof. Dr. Curt Glaser (1879-1943).

Curt Glaser war ein bedeutender deutsch-jüdischer Wissenschaftler, dessen Laufbahn als erster Kurator der modernen Kunst im Kupferstichkabinett und als Direktor der Staatlichen Kunstbibliothek nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten durch seine Suspendierung im April 1933 abrupt beendet wurde. Seine endgültige Entlassung im September 1933 und die erzwungene Emigration zerschnitten seinen Lebenslauf und verhinderten, dass Glaser den ihm gebührenden Platz in der Geschichte der Institutionen bekam, die ihm vieles verdanken.

Curt Glaser hat Bedeutendes für den Aufbau der Neuen Abteilung des Kupferstichkabinetts geleistet. Er hat der Kunstbibliothek ein neues Profil gegeben und ihre große Zeit in den Goldenen Zwanzigern geprägt. Die Staatlichen Museen zu Berlin erinnern mit tiefem Respekt an Prof. Dr. Curt Glaser als einen ihrer bedeutenden Direktoren und Wissenschaftler.

Curt Glaser promovierte 1902 in Medizin und studierte anschließend Kunstgeschichte. 1907 erwarb er bei Heinrich Wölfflin seinen zweiten Doktortitel und trat 1909 zunächst als „wissenschaftlicher Hilfsarbeiter“ am Kupferstichkabinett der Königlichen Museen in den preußischen Staatsdienst ein. Am 1. Oktober 1924 wurde er zum Direktor der Staatlichen Kunstbibliothek ernannt. Zu diesem Zeitpunkt gehörte Glaser bereits zu den profiliertesten und bekanntesten Kunsthistorikern der Weimarer Republik mit einem außerordentlich breiten fachlichen Horizont zu Künstlern und Themen der altdeutschen, der zeitgenössischen und der ostasiatischen Kunst. Glaser verband während seines gesamten Berufslebens in beeindruckender Weise eine wissenschaftliche mit einer journalistischen Publikationstätigkeit, er war gleichermaßen Kunsthistoriker und Kunstkritiker. Mit seiner Frau Elsa Glaser teilte er die Sammelleidenschaft für zeitgenössische Kunst. Das Ehepaar baute eine hochkarätige Sammlung von Werken des norwegischen Malers Edvard Munch auf, zu dem Glasers eine freundschaftliche Beziehung pflegten.

Mit dem Verlust seiner Anstellung hatte Curt Glaser in Nazi-Deutschland weder eine berufliche noch eine persönliche Zukunft. Im Juni 1933 ging er mit seiner zweiten Ehefrau Maria Glaser ins Exil. Ihre Emigration führte sie über Frankreich, die Schweiz, Italien und Kuba in die USA, wo Curt Glaser 1943 in Lake Placid, New York, starb. Bevor Curt Glaser Deutschland verließ, hatte er in zwei Auktionen unmittelbar vor und nach den Bücherverbrennungen im Mai 1933 große Teile seiner umfassenden Kunst- und Graphiksammlung und seiner Wohnungseinrichtung sowie seine Kunstbibliothek versteigern lassen. Einen Teil der übrigen Kunstwerke konnte er mit ins Ausland nehmen.

Im Jahr 2012 haben sich die Stiftung Preußischer Kulturbesitz und die Erben von Prof. Dr. Curt Glaser im Rahmen einer „fairen und gerechten Lösung“ im Sinne der Washingtoner Prinzipien auf die Rückgabe von vier grafischen Werken von Edvard Munch und Ernst Ludwig Kirchner an die Erben verständigt. Das Kupferstichkabinett hatte diese hochkarätigen graphischen Arbeiten aus der Sammlung Glaser auf einer der beiden Auktionen 1933 erworben. Fünf andere Werke aus dem früheren Besitz von Curt Glaser im Kupferstichkabinett und in der Kunstbibliothek verblieben mit Zustimmung der Erbengemeinschaft im Eigentum der Staatlichen Museen zu Berlin. Im Jahr 2016 trafen die SPK und die Erben Prof. Curt Glasers erneut eine Vereinbarung über einige weitere Werke, die in den Sammlungen der Staatlichen Museen zu Berlin als aus dem Besitz Curt Glasers stammend identifiziert wurden. Beide Lösungen erfolgten in Anerkennung der Verfolgung Prof. Glasers durch das Nazi-Regime und in Würdigung seiner großen Verdienste für die Staatlichen Museen zu Berlin.

Die Kunstbibliothek und das Kupferstichkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin zeigen bis zum 5. Juni 2016 eine Ausstellung zu Curt Glaser im Foyer des Kulturforums. In vier Sektionen werden Glasers Leben, seine Tätigkeit als Publizist und Sammler sowie seine Laufbahn als Museumswissenschaftler und Direktor der Kunstbibliothek gewürdigt.