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Provenienzforschungsprojekt „Die Erwerbungen der ‚Sammlung der Zeichnungen‘ (ehem. Nationalgalerie) im Zeitraum 1933 bis 1945 und ihre Provenienzen“

Zum Kupferstichkabinett – Staatliche Museen zu Berlin gehört seit 1992 die „Sammlung der Zeichnungen“, ein Bestand von Ölskizzen, Aquarellen und Zeichnungen des überwiegend 19. Jahrhunderts, der mit einer Überweisung aus dem ehem. Königlichen Kupferstichkabinett 1878 als gesonderte Abteilung der Nationalgalerie begründet worden war. Während der Zeit des Nationalsozialismus erwarb die Nationalgalerie für die „Sammlung der Zeichnungen“ rund 1.200 Werke, die direkt von den Künstlern, aus privatem Vorbesitz sowie vor allem aus Kunsthandlungen und verstärkt ab 1938 aus Auktionen erworben wurden. Bei den Versteigerungen konzentrierten sich die während der NS-Zeit amtierenden Direktoren der Nationalgalerie, Eberhard Hanfstaengl und Paul Ortwin Rave, vor allem auf die großen, renommierten Auktionshäuser wie C. G. Boerner in Leipzig, Karl und Faber in München sowie Hauswedell in Hamburg. Aus Berliner Auktionen stammten nur je wenige Einzelblätter, die bei Max Perl, Rudolph Lepke, Hans W. Lange, Reinhold Puppel und Adolf Herold erstanden wurden.

Bei Galerien, Kunsthandlungen und Kunstantiquariaten hingegen waren vor allem die lokalen Berliner Unternehmen die bevorzugten Kaufadressen. Diejenigen Werke, die direkt aus privater Hand erworben wurden, kamen ebenfalls überwiegend aus Berliner Vorbesitz oder aus dem brandenburgischen Umland und Sachsen. Zumeist handelt es sich dabei nicht um die großen, einschlägig bekannten Sammlernamen: Zeichnungen waren für einen „Kleinbesitzer“ eher erschwinglich als ein repräsentatives Gemälde oder eine Skulptur. Der Bestand der „Sammlung der Zeichnungen“ am Berliner Kupferstichkabinett wird seit Oktober 2013 einer systematischen Erforschung der Provenienzen zur Auffindung von NS-verfolgungsbedingt entzogenem Kulturgut, insbesondere aus jüdischem Besitz, unterzogen.

Methodisch basiert der strukturelle Ablauf des Projekts auf einem vom Kupferstichkabinett an sogenannten „Large Scale Collections“ eigens für die Provenienzforschung erarbeiteten Konzept. Darunter sind Sammlungen großen Umfangs zu verstehen, deren Bestände nicht nur quantitativ enorm sind, sondern auch verhältnismäßig viele Werke enthalten, deren Identität in externen Quellen nicht oder zumindest nicht eindeutig bestimmbar ist, teils aufgrund ihrer mangelhaften Dokumentation, ihres multiplen Charakters (z.B. Druckgraphik, Bücher, Kunstgewerbe) und ihrer relativ geringen Handelswerte, teils aufgrund ihrer Erwerbung im Konvolut. Obwohl die historische Überlieferungsdichte bei Werken auf Papier aus diesen Gründen in der Regel wesentlich geringer ist als etwa bei einzelnen Gemälden oder Skulpturen, ist der zu überprüfende Bestand der „Sammlung der Zeichnungen“ beispiellos gut dokumentiert. So bilden ein vollständig erhaltenes Inventarbuch und die fast komplett überlieferten Erwerbungsakten der Nationalgalerie im Aktenbestand des Zentralarchivs der Staatlichen Museen zu Berlin eine ausgezeichnete Forschungsgrundlage.  


Mehr Informationen: Interview zur Provenienzforschung im Kupferstichkabinett im Blog der Staatlichen Museen zu Berlin

Ansprechpartner: Prof. Dr. Heinrich Schulze Altcappenberg, Dr. Hanna Strzoda
Gefördert durch: Stiftung Deutsches Zentrum Kulturgutverluste
Kooperationspartner: Zentralarchiv, Staatliche Museen zu Berlin Laufzeit: Oktober 2013 bis September 2016