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Forschungsvorhaben „Kleiner Klebeband“ der Fürsten zu Waldburg-Wolfegg

Ein Objekt national wertvollen Kulturguts und die Spuren einer Zeichnungssammlung zwischen Renaissance und Barock

Mit dem Erwerb des so genannten „Kleinen Klebebandes der Fürsten zu Waldburg-Wolfegg“ gelang vor einigen Jahren die dauerhafte Sicherung eines bedeutenden Sammlungskomplexes mit 124 Objekten im Rang national wertvollen Kulturguts für die öffentliche Hand. Nun wird das Werk, das durch den alten Zusammenhang und das physische „Gehäuse“ eines Sammelbandes selbst ein sprechendes Objekt ist, als herausragendes Zeugnis historischer Sammlungstradition im Kontext der gesellschaftlichen Entwicklung über mehrere Jahrhunderte erforscht.

Heute ist der „Kleine Klebeband“ seiner ursprünglichen Umgebung entfremdet, einer der ältesten und größten fürstlichen Graphiksammlungen im deutschen Sprachraum. Das Kupferstichkabinett des Erbtruchsessen Maximilian Willibald von Waldburg-Wolfegg entstand kurz nach dem Dreißigjährigen Krieg bis ins Jahr 1667. Seither blieb es weitgehend komplett erhalten. Gleichwohl fanden im Zuge kultureller und wissenschafts- und geistesgeschichtlicher Entwicklungen über die Jahrhunderte Umgruppierungen und Akzentverschiebungen statt. Im Zuge einer solchen Neuordnung der Kollektion wurde der „Kleine Klebeband“ zusammengestellt. Er war ein spezieller Hort und eine eigene Systemstelle für solitäre Objekte und Meisterzeichnungen aus verschiedenen Quellen der Wolfegger Sammlung. In einem breit angelegten Projekt wird der „Kleine Klebeband“ nun ins Zentrum einer interdisziplinären Pilotstudie gestellt. Untersucht werden der historische Kontext der kostbaren Objekte und Werkgruppen seit ihrer Entstehung sowie ihre Nutzungs-, Einschätzungs- und Bewertungswandlungen im Laufe der neuzeitlichen Wissenschafts- und der hiervon inspirierten Sammlungsgeschichte. Mit Hilfe innovativer geisteswissenschaftlicher, kunsthistorischer, restauratorisch-kunsttechnologischer wie naturwissenschaftlicher Verfahren und moderner Analyse- und Konservierungsmethoden sollen der Band und seine Inhaltsgruppen in Korrespondenz mit der Ursprungssammlung und deren gesellschaftlicher Entwicklung erforscht und erklärt werden.  


Ansprechpartner: Dr. Michael Roth, Georg Josef Dietz
Kooperationspartner: Kunstsammlungen und Museen Augsburg - Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart - Institut für Kunstwissenschaft und Historische Urbanistik der TU Berlin - Rathgen-Forschungslabor