10.10.2026
bis
31.01.2027
Kupferstichkabinett
Erstmals nach fünfzig Jahren präsentiert das Kupferstichkabinett wieder eine Ausstellung mit mehr als 100 herausragenden Zeichnungen von 28 flämischen Künstlern aus seinem Bestand.
Die oft erstaunlich malerischen, kraftvollen Zeichnungen entstanden zwischen 1570 und 1650 und erlauben faszinierende Einblicke in den kreativen Schaffensprozess. Die beeindruckende Breite der Themen reicht von christlichen und allegorischen Szenen über mythologische und historische Motive bis hin zu Genreszenen, Porträts, Stillleben und Landschaften.
Die Zeit zwischen 1580 und 1660 war geprägt durch fortwährende Auseinandersetzungen der europäischen Mächte einerseits und der religiösen Lager andererseits sowie durch die Entstehung eines weltumspannenden Handelsnetzes. In dieser krisenhaften Epoche entwickelte sich Antwerpen im späten 16. Jahrhundert zum wichtigsten europäischen Handelszentrum und zum Hotspot der Kunstproduktion.
Im Zentrum der Ausstellung stehen Werke der drei großen Protagonisten des Antwerpener Barock: hinreißende Zeichnungen von Peter Paul Rubens, kraftvoll-sinnliche Arbeiten von Jacob Jordaens und kühne Skizzen des Anton van Dyck.
Peter Paul Rubens – Maler, Sammler, Humanist, Diplomat – war die dominierende Künstlerpersönlichkeit der Zeit. Einige der ausgestellten Künstler erlernten bei ihm das Malerhandwerk, fast alle kooperierten mit ihm auf die eine oder andere Weise. Nach seiner Rückkehr aus Italien 1609 festigte Rubens seinen Ruf als bedeutendster Historienmaler der Stadt mit einer Reihe großformatiger Altargemälde und Historienbilder in leuchtenden Farben und in einem neuen, dramatischen Stil.
Jacob Jordaens lernte wie Rubens bei Adam von Noort. Er unterstützte Rubens bei umfangreichen Aufträgen, etwa bei der mehr als hundert Gemälde umfassenden mythologischen Serie für den spanischen König. Jordaens war früh erfolgreich und stieg nach Rubensʼ Tod zum wichtigsten Maler Antwerpens auf.
Anton van Dyck galt als künstlerisches Wunderkind. Mit sechzehn Jahren kam er als ausgebildeter Maler in Rubensʼ Werkstatt, sog dessen kreatives Schaffen ein, kopierte, zeichnete, malte und entwickelte eine zunächst auf Rubens aufbauende, bald aber unabhängige künstlerische Handschrift, bis er ab 1621 eigenständige Wege ging und 1632 als Hofmaler und herausragender Porträtist nach London berufen wurde.
Ergänzt wird die Ausstellung durch Werke von Wegbereitern und Lehrern, Werkstattmitarbeitern und Zeitgenossen, die ein dichtes Netzwerk beruflicher Beziehungen widerspiegeln. Zu sehen sind Arbeiten von Jan Brueghel d. Ä., David Teniers d. J., Frans Snyders, Adriaen Brouwer, Sebastian Vrancx, Abraham van Diepenbeeck, Erasmus Quellinus d. J., Pieter de Jode, David Vinckboons, Lucas van Uden, Lodewijk de Vadder und Jacques dʼArthois.
Viele der genannten Künstler spezialisierten sich auf bestimmte Themen, etwa Genreszenen oder Landschaften, und arbeiteten in wechselnden Konstellationen zusammen.
Fast alle ausgestellten Zeichnungen sind in größere Werkzusammenhänge eingebunden: Als schnelle Ideenskizze, detaillierter Kompositionsentwurf oder präzise Einzelstudie bereiteten sie Gemälde, Kupferstiche oder Tapisserien vor. Bildthemen wurden entwickelt, korrigiert und variiert.
Das Ringen um die exakte Haltung einer Figur wird ebenso deutlich wie das Entstehen einer ganzen Komposition. Auf diese Weise lassen die Zeichnungen den schöpferischen Prozess noch heute unmittelbar anschaulich werden und veranschaulichen die ungeahnte Vielfalt flämischer Kunst.
Die Ausstellung wird kuratiert von Christien Melzer, Kuratorin für Niederländische und Englische Kunst vor 1800 am Kupferstichkabinett.
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog (100 Seiten, zahlreiche Abbildungen, ISBN 978-3-88609-915-3)
Ein begleitendes Faltblatt für Kinder zum Zeichnen und Rätseln liegt kostenlos in der Ausstellung aus.
Medienkooperation: tipBerlin
Eine Sonderausstellung des Kupferstichkabinetts – Staatliche Museen zu Berlin
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Ausstellungsort
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