Höllenschwarz und Sternenlicht
Dantes Göttliche Komödie in Moderne und Gegenwart

12.02.2022 bis 08.05.2022
Kupferstichkabinett

Anlässlich des 700. Todestags von Dante Alighieri (1265-1321) im September 2021 widmet sich das Kupferstichkabinett mit „Höllenschwarz und Sternenlicht“ unterschiedlichen Formen der künstlerischen Auseinandersetzung mit Dantes literarischem Hauptwerk, der Göttlichen Komödie. Die Auswahl der ausgestellten Werke erstreckt sich vom frühen 19. Jahrhundert bis heute. Neben Erwerbungen und Rückgewinnen der letzten Jahre von Andreas Siekmann, Ebba Holm und Klaus Wrage sind teils selten gezeigte Dante-Arbeiten u. a. von Sandro Botticelli, Joseph Anton Koch, Bertel Thorwaldsen, Odilon Redon, Arnold Böcklin oder Wilhelm Lehmbruck zu sehen.

Reiche Themen- und Bildwelt von Dantes Göttlicher Komödie 

Die reiche Themen- und Bildwelt von Dantes Göttlicher Komödie nimmt die Ausstellung auf mehrfache Weise in den Blick: Zum einen in Form zweier wenig bekannter Illustrationsfolgen der 1920er-Jahre, die durch ausgewählte Graphiken des 19. und frühen 20. Jahrhunderts ergänzt werden. Zum anderen wird aus zeitgenössischer Perspektive das Thema der Hölle – bei Dante das erste der von ihm durchwanderten drei Jenseitsreiche – von Andreas Siekmann (geb. 1961) aufgegriffen und aktualisiert: In seinen farbigen, am PC gezeichneten Digitaldrucken zu „Die Exklusive. Zur Politik des ausgeschlossenen Vierten“ (2002-2011) nimmt sich der Berliner Künstler sozialen und politischen Höllenszenarien unserer Zeit an. In den drei in der Ausstellung gezeigten Serien aus „Die Exklusive“ begeben sich Dante und sein Seelenführer Vergil, deren Darstellung in den Zeichnungen Sandro Botticellis zur Göttlichen Komödie ihren Ausgangspunkt besitzt, in Problemzonen der europäischen Grenz- und Flüchtlingspolitik, wie sie etwa das Mittelmeer darstellt.

Linol- und Holzschnitte 

Das Grundgerüst der Ausstellung stellen jedoch die Linolschnitte der Dänin Ebba Holm (1889-1967) und die Holzschnitte des Norddeutschen Klaus Wrage (1891-1984) aus den 1920er-Jahren dar, die es erlauben, schlaglichtartig und wie an einer Perlenkette aufgefädelt die wichtigsten Szenen der Göttlichen Komödie vorzustellen. Klaus Wrage hatte insgesamt 123 Holzschnitte mit Illustrationen der i von Dante visionär durchwanderten Jenseitsreiche Hölle, Fegefeuer und Paradies Anfang der 1920er-Jahre dem Kupferstichkabinett geschenkt. Sie gingen jedoch gegen Ende des Zweiten Weltkriegs verloren und tauchten erst vor wenigen Jahren im spanischen Kunsthandel wieder auf. Gleichzeitig zu diesem besonderen Rückgewinn gelang der Erwerb von 108 Linolschnitten Ebba Holms, die der Bebilderung einer 1929 veröffentlichten dänischen Übersetzung der Göttlichen Komödie dienten. Holm ist eine der wenigen Künstlerinnen, die sich der Illustration der Göttlichen Komödie gewidmet haben. Wie Wrage gehört sie zu jenen späten Protagonist*innen der Dante-Illustration, die es neu zu entdecken gilt.

Weitere Künstler der Ausstellung: Arnold Böcklin, Sandro Botticelli, Eugène Delacroix, Gustave Doré, John Flaxman, Bonaventura Genelli, Willy Jaeckel, Joseph Anton Koch, Wilhelm Lehmbruck, Johann Anton Ramboux, Odilon Redon und Bertel Thorwaldsen.

Eine Sonderausstellung des Kupferstichkabinetts der Staatlichen Museen zu Berlin.

Begleitjournal 

Bereits erschienen ist das zur Ausstellung von Andreas Schalhorn und Silvia Massa herausgegebene Begleitjournal im Verlag der Staatlichen Museen zu Berlin. In der reich bebilderten Publikation werden in mehreren Essays u.a. Inhalt und Struktur von Dantes Göttlicher Komödie sowie das Kupferstichkabinett als „Dante-Museum“ (begründet durch den Erwerb der Zeichnungen Sandro Botticellis im späten 19. Jahrhundert) vorgestellt (72 Seiten, 84 Farbabbildungen, ISBN 978-3-88609-861-3, Preis: 10 Euro).

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