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Glamouröse Schenkung an das Kunstgewerbemuseum: Federkappe der Modistin Anna Düll

29.10.2020
Kunstgewerbemuseum

Vor einigen Wochen bekam das Kunstgewerbemuseum der Staatlichen Museen zu Berlin eine wertvolle Federkappe der Heidelberger Modistin Anna Düll geschenkt. Katrin Lindemann ist seit einigen Monaten die neue Kuratorin für Mode und Textil im Kunstgewerbemuseum. Sie plant derzeit einen neuen Rundgang durch die Dauerausstellung – ein glamouröser Glanzpunkt ist bereits fest eingeplant: Vor wenigen Wochen erhielt das Museum eine Federkappe aus den 1920er Jahren.

Das Unikat wurde von der Heidelberger Modistin Anna Düll (ca. 1884–1974) angefertigt. „In den 1920er Jahren waren Hüte ein ganz typisches Accessoire, aber auch Federkappen waren in der gehobenen Damenwelt durchaus beliebt. Während Frau am Abend auf viel Glitzer setzte, war die Tagesgarderobe etwas schlichter. Um dennoch einen Hauch Extravaganz in das Outfit zu bringen, war solch ein Haarschmuck eine entzückende Ergänzung,“ erzählt Lindemann. Auf einem Trägerstoff montiert, ist die gesamte Kappe mit kleinen, anliegenden Federn belegt. Je nach Lichteinfall changieren die braunen Fasanenfedern von Orange über Rot bis ins Violette hinein. Der seitliche Abschluss wird einseitig von abstehenden Federn gebildet und lässt die Kappe zu einem ganz außergewöhnlichen Stück werden.

Herkunft und Inventarisierung der Federkappe

Die Beforschung des besonderen Objekts stellt die Kuratorin vor einige Herausforderungen: „Für die Inventarisierung werden die Federn zukünftig näher erforscht. Vielleicht kann uns da ein Ornithologe weiterhelfen. Hinsichtlich der Modistin Anna Düll lässt sich nach jetzigem Stand nichts weiter herausfinden; ob sie einen eigenen Hutsalon in Heidelberg hatte ist genauso fraglich wie ob noch mehr Stücke von ihrer Hand existieren. An der Kappe gibt es keine weiteren Hinweise auf ihre Herkunft, wie beispielsweise ein Etikett mit dem Namen des Salons.“

Die Federkappe blieb bis zum Tod der Tochter Anna Dülls, Charlotte Düll (1914–1985), in Familienbesitz. Kurz danach kauften ihre Nachbarn, Dr. Klaus und Brigitte Breuer, ihre nahe dem Neckarufer gelegene Villa unter der Bedingung, dass sie Dülls Nachlass verwalten und wertschätzen sollten. Damit wurden sie zu den Besitzern der Kappe. Als Ulla Rogalski, eine Freundin der Familie Breuer, die Federkappe bei einem Besuch in dem Haus entdeckte, war sie sofort begeistert und fasziniert davon. Etwa 1995 schenkte Familie Breuer ihr die Kappe, die sie einige wenige Male zu besonderen Anlässen trug und bis heute in einer kleinen goldenen Kiste aufbewahrte. Um sie in guten Händen zu wissen, gab sie die Kappe, auch im Namen von Frau Breuer, vor wenigen Wochen an das Kunstgewerbemuseum. „Die Federkappe ist in einem sehr guten Zustand, weshalb wir sehr glücklich sind, dass uns die Schenkerinnen, Frau Rogalski und Frau Breuer, das Stück übergeben haben,“ sagt Lindemann.