Utopie Kulturforum. KGM:landed!

27.08.2021 bis 31.12.2021
Kunstgewerbemuseum

Das Kunstgewerbemuseum nimmt das Projekt „Utopie Kulturforum“ zum Anlass, den eigenen, von Rolf Gutbrod geplanten Bau im Kontext der Architektur- und Stadtvisionen der 1960er und 1970er Jahre zu verorten. Die Besucher*innen werden gleich beim Eintreten in das Museum mit Video-Mapping-Projektionen empfangen, die das prominente, offene Treppenhaus in eine multiple Projektionsfläche verwandeln.

Das Projekt „Utopie Kulturforum“

Die heutige Gestalt des Berliner Kulturforums ist durch Utopien geformt worden. Entstanden ist ein Ort, an dem deren Wirkmächtigkeit und Ambivalenz im Gelingen wie im Scheitern erfahrbar ist. Mit dem Projekt „Utopie Kulturforum" haben sich die Anrainer des Kulturforums – Stiftung St. Matthäus, Neue Nationalgalerie, Kunstbibliothek, Kunstgewerbemuseum, Philharmonie und Staatsbibliothek zu Berlin – zusammengefunden, um mit dezentralen Ausstellungen, Stadtgesprächen und Kunstaktionen die Geschichte dieser planungsleitenden Utopien sichtbar zu machen.

Hufeisen oder „geplatze Handgranate“

Als neue Westberliner Museumsinsel, als „ein lebendiges Kulturzentrum, ganztags von Menschen durchschritten“ mit Wohnungen auf den Museumsdächern, Restaurants und verbindenden Fußgängerbrücken zum Tiergarten und über den Landwehrkanal hinweg, so visionierte der Stuttgarter Architekt Rolf Gutbrod das heutige Kulturforum. Sein erster Entwurf, 1966 eingereicht, wurde als „geplatzte Handgranate“ beschrieben und musste überarbeitet werden.

Kernpunkt des Vorschlags waren ein ansteigender Platz und ein ihn umschließendes Hufeisen, an das die verschiedenen Museen angehängt wurden. Das Kunstgewerbemuseum wurde als einziges Museum realisiert und erst 1985 eröffnet. Es ist als Utopie einer Großraumstruktur der 1960er Jahre gestartet, doch der politische Prozess zur gebauten Realarchitektur hat die Utopie des ursprünglichen Entwurfs über die Jahre geschliffen.

Utopie der Großraumstruktur

Das Berliner Künstlerduo prjktr (David Roth und Florian Machner) nimmt diesen ersten Entwurf als Ausgangspunkt für ihre Intervention im prominenten Treppenhaus des KGM und kontextualisiert das Gebäude im Spannungsfeld der Architektur- und Stadtutopien der 1960er Jahre. In ihren Video-Mapping-Projektionen transformieren sie Elemente der brutalistischen Architektur in thematische Collagen rollender Städte, wüstenartiger Superstrukturen, postfuturistischer walk-throughs und post-anthropozänischer Abgründe. Parallel positionieren sie das Kunstgewerbemuseum im Kosmos der realisierten Bauten des Architekten Rolf Gutbrod, der 1971 den Orden Pour le Mérite erhielt für das „Projekt der Museen am Kemperplatz zu Berlin, dem eine wahrhaft moderne Idee musealer Gestaltung zugrunde liegt.“ Das Presseecho zur Eröffnung 1985 hingegen stigmatisierte das KGM als „eine Weltsammlung in Sichtbeton“, und legte damit den Grundstein für „eine der ungerechtesten Berliner Architekturlegenden“.

Prjktr (David Roth und Florian Machner) arbeiten seit 2011 daran, den gebauten Raum zu inszenieren, indem sie ihn in das Spannungsfeld zwischen Kunst und Architektur, Bühne und Inszenierung, Projektion und Licht setzen.

Die Intervention KGM:landed! von prjktr wird kuratiert von Claudia Banz, Kuratorin Design am Kunstgewerbemuseum

Eine Sonderausstellung des Kunstgewerbemuseums – Staatliche Museen zu Berlin

Matthäikirchplatz
10785 Berlin

vollständig rollstuhlgeeignet

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