Frühe Plakate 1840–1914

Werbemedien spielen eine zentrale Rolle in der Prägung visueller Denkmuster. Ein im Rahmen von NEUSTART KULTUR gefördertes Projekt ermöglicht erstmals die digitale Bestandsaufnahme aller Plakate und Plakatentwürfe aus den Jahren 1840 bis 1914 in der Kunstbibliothek. Als Bildquellen einer von Industrialisierung, medialen Revolutionen und kolonialistischer Weltsicht geprägten Epoche stehen sie Forscher*innen künftig online zur Verfügung.

Bis Februar 2022 werden rund 3500 frühe Plakate aus der Sammlung Grafikdesign der Kunstbibliothek vollständig erfasst, gescannt, transkribiert und verschlagwortet. Vertreten sind über 900 Gestalter*innen aus 16 europäischen Ländern sowie den USA, darunter Henri Toulouse-Lautrec, Jules Cheret, Hendrik Petrus Berlage, Edward Penfield, William Bradley, Ethel Reed, Lucian Bernhard und Julius Klinger. In dieser internationalen Vielfalt eröffnen die Plakate ein Panorama der visuellen Kommunikation: Sie illustrieren Design-, Reklame- und Druckgeschichte am Übergang von Historismus und Jugendstil zum Sachplakat, stellen zugleich aber auch wertvolle Dokumente der Zeit- und Kulturgeschichte dar.

In Bild- und Kontextanalysen der frühen Plakate lassen sich gesellschaftliche Fragen erörtern, die bis heute Relevanz haben. Wie etwa stehen die hier repräsentierten Frauenbilder der Realität einer männlich dominierten Grafikbranche gegenüber? Und welchen Einfluss hat die frühe Werbung auf die Verbreitung und Verfestigung eines kolonialistisch geprägten, eurozentristischen Weltbilds? Zwei digitale Ausstellungen, die die im Frühjahr 2022 geplante Onlinestellung der Objekte in den Datenbanken der Staatlichen Museen zu Berlin und der Deutschen Digitalen Bibliothek begleiten, werden sich diesen Aspekten widmen. Ziel ist, neue diskriminierungskritische Perspektiven auf die Sammlung anzustoßen.

Das Digitalisierungsprojekt wurde durch die Deutsche Digitale Bibliothek im Rahmen des von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) geförderten Programms NEUSTART KULTUR ermöglicht.


Projektleitung: Dr. Christina Thomson
Wissenschaftliche Mitarbeit: Christina Dembny
Team Erfassung: Kathrin Barrera Nicholson, Thomas Gladisch, Laura Hesse-Davies, Bettina Klein
Scans: Rainer Baltscheit, Dietmar Katz
Restauratorische Betreuung: Halina Fischer
Technische Umsetzung: Frank von Hagel, Rebecca Hass, Helen Reich, Timo Schuhmacher
Gefördert durch: Deutsche Digitale Bibliothek / Programm NEUSTART KULTUR der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM)
Laufzeit: 1. Mai 2021 bis 18. Februar 2022
Onlinepräsenz: In Arbeit