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Sonderpräsentation des nahezu vervollständigten Passionsaltars von Hans Schäufelein

29.03.2018
Gemäldegalerie

Die Gemäldegalerie der Staatlichen Museen zu Berlin präsentiert am Gründonnerstag, den 29. März 2018, den nahezu vervollständigten Passionsaltar des Malers Hans Schäufelein aus dem frühen 16. Jahrhundert. Das aus zwei Außenseiten und vier Innentafeln bestehende Ensemble kann mithilfe des Kaiser Friedrich Museumsvereins, der Kulturstiftung der Länder und eines großzügigen Dauerleihgebers nun erstmals seit rund 200 Jahren wiedervereinigt gezeigt werden.

Zwei Tafeln von Schäufelein, die den Abschied Christi von seiner Mutter über zwei Bildfelder hinweg darstellen, gehören zu den ältesten Beständen der Gemäldegalerie. Bereits 1821 gelangten sie mit der Sammlung Solly in den Besitz der preußischen Krone. Da beide ein schmales, hochrechteckiges Format besitzen und äußerst dünn sind, wurde schon früh vermutet, dass es sich um die abgespaltenen Außenseiten zweier Altarflügel handelt. 

Vor vier Jahren sind überraschend die ehemaligen Innenseiten dieser Flügel auf dem Kunstmarkt aufgetaucht: Vier Szenen der Passion Christi, die jeweils zu zweit übereinander angeordnet waren. Nachdem sie vor 1820 von den Außenseiten abgespalten worden waren, müssen sie in eine Privatsammlung gelangt und von dort weitergegeben worden sein; der Forschung waren diese Stücke bisher völlig unbekannt. Eine erste Prüfung ergab, dass die vier Tafeln mit großer Wahrscheinlichkeit zwischen 1820 und 2014 nicht als bedeutende Kunstwerke erkannt worden waren, was die Erforschung ihrer Provenienz nahezu unmöglich macht. Die Mitteltafel des Altars blieb bislang verschollen. 

Zwei der wiedergefundenen Bilder – die Dornenkrönung und die Geißelung Christi – konnten 2017 von den Staatlichen Museen und dem Kaiser Friedrich Museumsverein mit Unterstützung der Kulturstiftung der Länder erworben werden. Die beiden anderen Täfelchen – das Gebet am Ölberg und die Beweinung Christi – wurden 2016 von einem US-amerikanischen Privatsammler erworben. Dieser hat sie der Gemäldegalerie großzügigerweise als Dauerleihgaben zur Verfügung gestellt, so dass nun erstmals seit rund 200 Jahren alle erhaltenen Teile des Retabels bis auf weiteres im Dürer-Raum der Gemäldegalerie rekonstruierend zusammengeführt präsentiert werden können. 

Die gut erhaltenen Malereien zeigen Hans Schäufelein (um 1482/83 – 1539/40) als souveränen Zeichner und markanten Koloristen. Er dürfte die Flügeltafeln um 1506 geschaffen haben, als er in Albrecht Dürers Nürnberger Werkstatt als Geselle tätig war. Dürers Vorbild wird in diesem frühen Werk deutlich erkennbar, doch zeigt Schäufelein bereits seine eigene Handschrift und seine typischen Figurentypen.