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WEITWINKEL – Globale Sammlungsperspektiven

„WEITWINKEL – Globale Sammlungsperspektiven“ ist eine interdisziplinäre Veranstaltungsreihe, die sich ausgehend von aktuellen Ausstellungen, Forschungsprojekten und Kooperationen der Staatlichen Museen zu Berlin mit transkulturellen Themen und gesellschaftsrelevanten Fragestellungen beschäftigt.

Im Hinblick auf die Eröffnung des Humboldt Forums vis-à-vis der Museumsinsel werden auch Formate entwickelt, die den Brückenschlag zu den Sammlungen der Staatlichen Museen zu Berlin im Humboldt Forum bilden sollen. Im Zentrum stehen u. a. folgende Fragestellungen:

  • Wie sind die Sammlungen der Staatlichen Museen zu Berlin entstanden und welche Bedeutung haben sie heute in einem globalen Zusammenhang?
  • Wie wird mit Erwerbungen aus der Kolonialzeit umgegangen?
  • Welche kulturübergreifenden Verbindungen und Geschichten verbergen sich hinter den Objekten?
  • Welche Aufgaben haben Museen in der heutigen Zeit und welche neuen Konzepte stehen hierzu bereit?
  • Inwiefern stellen Diversität und Inklusion eine besondere Herausforderung und zugleich Chance in Museen dar?

Anhand von Vorträgen, Podiumsgesprächen und Werkstattberichten diskutieren Kolleg*innen aus den einzelnen Sammlungen sowie internationale Referent*innen mit dem Publikum über diese Fragen. Die Zusammenarbeit mit Vertreter*innen aus Herkunftsgesellschaften stellt hierbei ein besonderes Anliegen dar.

Geplante Veranstaltungen

Antirassistisches Kuratieren – aber wie?
Eine Online-Diskussion zur Diversität im Museum, gemeinsam realisiert mit Nushin Atmaca (Agentin im Programm 360° - Fonds für Kulturen der neuen Stadtgesellschaft der Kulturstiftung des Bundes am Museum für Islamische Kunst – Staatliche Museen zu Berlin). Die Veranstaltung wird gefördert im Programm 360° – Fonds für Kulturen der neuen Stadtgesellschaft der Kulturstiftung des Bundes.

Betrachtungen zum Jüngsten Gericht
Ein Gespräch mit Sarah Schönewald, Staatliche Museen zu Berlin – Ausstellung in der Gemäldegalerie, (Anthony Caro: The Last Judgement Sculpture der Sammlung Würth)

What Can Research About Photography in Ethnological Museums Do for Current Social Cohesion?
Ein Vortrag von Hanin Hannouch, (4A_Lab, Kunsthistorisches Institut in Florenz – Max-Planck-Institut / Staatliche Museen zu Berlin )

Two totem poles and many perspectives
Ein Gespräch über zwei Highlights des Humboldt Forums

Rio de Janeiro – Berlin – Vienna: Museums as a relational web
Eine Podiumsdiskussion mit Manuela Fischer, Staatliche Museen zu Berlin und Claudia Augustat, (Weltmuseum Wien)

Tausch und Erinnerung in Krisenzeiten
Ein Vortrag von Andrea Scholz, Ethnologisches Museum, (Perlentausch. Wissen, Welten, Werte)

Die Termine zur jeweiligen Veranstaltung werden in Kürze an dieser Stelle bekanntgegeben. Beiträge zur Veranstaltungsreihe "WEITWINKEL. Globale Sammlungsperspektiven" finden Sie auf der Seite von Museum and the City, dem Blog der Staatlichen Museen zu Berlin.

Vergangene Veranstaltungen

Eine Veranstaltung am 28. Januar 2020 von Judith Schühle (Museum Europäischer Kulturen) mit Anosha Wahidi (Bundesentwicklungsministerium), Monika Fuchs (HTW Berlin), Johannes Norpoth (Textilbündnis, FEMNET e.V.) und Sabrina Müller (Environmental Protection, Tchibo)

Moderation: Maria Ossowski (rbb)

Noch bevor Kleidungsstücke im Handel landen, werden die größten „Modesünden“ begangen: Allein für ein T-Shirt aus Baumwolle werden 2.700 Liter Wasser verbraucht, welches nach chemischen Färbeprozessen nicht selten mit Giftstoffen belastet in Flüsse gelangt. Unter dauerhaften Umweltverschmutzungen und verseuchtem Grundwasser leiden die Menschen vor Ort in Ländern wie Bangladesch. Dort verdienen zumeist Frauen ihren Lebensunterhalt als Näherinnen in der Bekleidungsindustrie.

  • Wer schneidert unsere Kleidung und unter welchen Bedingungen?
  • Woher kommen unsere Kleidungsstücke?
  • Welche Ansätze und Materialien können entwickelt werden, um den Kreislauf der Mode zu entschleunigen?

Ausgehend von der Ausstellung „Fast Fashion – Die Schattenseiten der Mode", Museum Europäischer Kulturen, diskutieren die Podiumsgäste gemeinsam mit dem Publikum, wie die Produktion von Mode fairer, lokaler und umweltschonender gemacht werden könnte.

Vortrag am 14. Januar 2020 in deutscher Sprache von Prof. Dr. Barbara Göbel (Ibero-Amerikanisches Institut)

Zwischen den Forschungs- und Wissensinfrastrukturen des sog. Globalen Nordens und des sog. Globalen Südens bestehen historisch gewachsene Asymmetrien.

  • Welche Chancen bietet die digitale Transformation, diese Ungleichheiten zu reduzieren?
  • Oder birgt sie vielmehr das Risiko, diese noch weiter zu vergrößern?

Am Beispiel des Ibero-Amerikanischen Instituts, welches eine der weltweit größten Bibliotheken zu Lateinamerika und der Karibik hat, soll dargestellt werden, welche Potentiale und Herausforderungen mit der digitalen Transformation für den internationalen Wissensaustausch einhergehen.

Es sollen Ergebnisse der Zusammenarbeit mit Partnern aus Lateinamerika und der Karibik dargestellt werden, die Wege einer möglichst symmetrischen Verknüpfung von unterschiedlichen Forschungs- und Wissensinfrastrukturen, partizipative Ansätze und Praktiken des interkulturellen Komanagement von Sammlungen aufzeigen.

Podiumsgespräch am 10. Dezember 2019 in englischer Sprache mit Cynthia Schimming, Museums Association of Namibia und Julia Binter, Ethnologisches Museum – Staatliche Museen zu Berlin

  • Welche Geschichten können koloniale Sammlungen erzählen?
  • Welche Zukunftsvisionen können mit ihnen entwickelt werden?

Im Rahmen einer Partnerschaft zwischen der Museums Association of Namibia (MAN) und der Stiftung Preußischer Kulturbesitz  waren seit Frühjahr 2019 mehrere Forscher*innen aus Namibia zu Gast im Ethnologischen Museum der Staatlichen Museen zu Berlin. Gemeinsam mit dem Wissenschaftler*innenteam des Museums untersuchten sie die rund 1.400 Objekte der Namibia-Sammlung im Hinblick auf ihre Geschichte, Bedeutung und ihre künstlerischen Potenziale.

Cynthia Schimming hat ihre Expertise als Modehistorikerin und -designerin und die Erfahrungen ihrer Herero Familie in diesen Forschungsprozess eingebracht und eine Kunstinstallation geschaffen, die sowohl zurück in die koloniale Vergangenheit als auch nach vorne in eine kreative Zukunft blickt. Ihr Werk setzt sich mit den Traumata von kolonialer Gewalt und Genozid auseinander. Es begreift die Sammlung aber auch als Archiv namibischen Kunsthandwerks und Designs und verwebt historische Erfahrungen mit einer selbstbewussten Neupositionierung in der postkolonialen Gegenwart. Im Podiumsgespräch gibt sie Einblick in ihren künstlerischen Forschungsprozess und stellt das Kunstwerk vor, welches im Humboldt Forum präsentiert werden wird.

Werkstattbericht am 26. November 2019 in deutscher Sprache von Kristin Weber-Sinn, Ethnologisches Museum – Staatliche Museen zu Berlin

Was macht (postkoloniale) Provenienzforschung in sogenannten ethnologischen Sammlungen aus? Im Forschungsprojekt „Tansania/Deutschland: Geteilte Objektgeschichten?“ am Ethnologischen Museum der Staatlichen Museen zu Berlin wird u.a. dieser Fragestellung nachgegangen.

Ausgangspunkt bilden ausgewählte Objekte und Objektgruppen der mehr als 10.200 Objekte umfassenden Sammlungen aus dem heute festländischen Tansania. Deren größter Teil gelangte während der gewaltförmigen deutschen kolonialen Expansion und Herrschaft in Ostafrika nach Berlin. Die Prozesse der Aneignung waren so komplex wie die koloniale Situation selbst. Im Werkstattbericht werden die im Projekt erprobten kooperativen Formate mit tansanischen Wissenschaftler*innen, Expert*innen und Künstler*innen beleuchtet, Ergebnisse der Recherchen in Form objektbiografischer Fragmente vorgestellt und sich folgender Fragen gewidmet:

  • Wie können wir mit den kolonialen Archiven als Quellen arbeiten und diese gegen den Strich lesen?
  • Inwiefern läuft auch eine kooperativ angedachte Provenienzforschung Gefahr, zum Teil kolonial begründete Imaginationen und Wissensordnungen zu reproduzieren – gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Debatte über Restitution, Provenienzforschung und Kooperation mit sogenannten Herkunftsgesellschaften?

Podiumsgespräch am 23. November 2019 in englischer Sprache mit Massumeh Farhad, Arthur M. Sackler Gallery and Freer Gallery of Art, Washington, Lamya Kaddor, Universität Duisburg-Essen, Yannick Lintz, Louvre Museum, Paris und Stefan Weber, Museum für Islamische Kunst, Berlin

Moderation: Reinhard Fischer, Berliner Landeszentrale für politische Bildung
Musik: Duo Safar

Seit mehr als einem Jahrzehnt dominiert die Frage, wie eine diverse, durch Migration geprägte Gesellschaft gestaltet werden kann, die innenpolitische Debatte. Besonders im Fokus stehen dabei Muslime. Mehr und mehr scheinen sich die Fronten zu verhärten und diejenigen, die Ängste vor „dem Islam“ schüren, gewinnen an Macht – die jüngsten Wahlergebnisse liefern darüber Zeugnis ab. Museen und Sammlungen islamischer Kunst stehen daher vor der Frage, wie politisch sie in der heutigen Situation sein müssen:

  • Inwieweit fällt ihnen die Aufgabe zu, gesellschaftlichen Wandel mit einer klaren Haltung mitzugestalten?
  • Wie können sie aus ihren Sammlungen heraus Inhalte entwickeln, die Antworten auf die Fragen einer sich wandelnden, verunsicherten Gesellschaft geben?
  • Welche Formate eignen sich dafür?
  • Und wie können sie der Gefahr entgegnen, nicht für die muslimische Minderheit zu sprechen, sondern dieser eine Stimme zu geben?

Auftaktveranstaltung der Veranstaltungsreihe „WEITWINKEL – Globale Sammlungsperspektiven“ am 29. Oktober 2019.  Begrüßung durch Christina Haak, Stellvertretende Generaldirektorin der Staatlichen Museen zu Berlin. Vortrag in deutscher Sprache von Claudia Banz, Kunstgewerbemuseum, Staatliche Museen zu Berlin

Im komplexen Diskurs um postkoloniale Museen standen Kunstgewerbemuseen bislang weniger im Fokus. Vielleicht, weil sie auf den ersten Blick als eher neutrale Museen erscheinen, aber auch, weil sie selbst wenig Veranlassung sahen, sich mit ihrer kolonialen Geschichte auseinanderzusetzen. Dass sie in der Vergangenheit und bis heute fast keine angewandte Kunst, Design, Textilien oder Mode aus Afrika und dem restlichen globalen Süden sammeln und ausstellen, liegt daran, dass etwa zeitgleich im 19. Jahrhundert die ethnologischen bzw. völkerkundlichen Museen gegründet wurden. 

Zu den kolonialen Altlasten der Kunstgewerbemuseen gehört das Implementieren und Fortschreiben jener Klassifikationssysteme, die Design und Mode als ein primär westliches Phänomen charakterisieren. Auch im akademischen Design-Kosmos wurden Gestaltungspraktiken außerhalb der anglo-europäischen Welt bis vor wenigen Jahren weder ernst genommen noch im Diskurs reflektiert. Ebenso wenig wie kritische Fragen nach Gender, sozialer Klasse, Kultur, politischen und ökonomischen Kontexten. 

Ausgehend von der Ausstellung „Connecting Afro Futures. Fashion x Hair x Design“ werden tradierte Narrative und Sammlungspraktiken von Design und Mode hinterfragt und Perspektiven für ein globales Kunstgewerbemuseum ausgelotet.