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Etablierung von Normdaten in Museen: Es gibt noch viel zu tun

03.03.2023
Institut für Museumsforschung

Normdaten bieten eine wichtige Grundlage für die Vernetzung von Museen und ihren Beständen. Inwieweit hier noch Informationsbedarf besteht, zeigt die Museumsstatistik 2021. Passend dazu findet am 6. März 2023 die Online-Veranstaltung „GND-Forum Museen und Sammlungen“ statt. Thema ist die Nutzung und Etablierung von kontrollierten Vokabularen und Normdaten.

Zusätzlich zur statistischen Gesamterhebung 2021 des Instituts für Museumsforschung wurden alle Museen in Deutschland auch zum Stand der Digitalisierung befragt. An der Sonderbefragung nahm knapp die Hälfte der Museen teil, die sich insgesamt zurückgemeldet hatten. Gefragt wurde unter anderem danach, welche Normdaten die Museen für die Erschließung ihrer Sammlungsobjekte verwenden. Im Museumsbereich mit seinen vielen fachlich spezialisierten Sammlungen spielen neben der GND noch eine Reihe weiterer kontrollierter Vokabulare eine große Rolle. Nun liegt zu deren Nutzung ein erster gesamtdeutscher Überblick vor. Daraus gehen in erster Linie drei wichtige Ergebnisse hervor:

  1. Mehr als die Hälfte verwendet keine Normdaten, ein Drittel ist sich nicht sicher. Nur 15 Prozent der Einrichtungen verwenden laut eigenen Angaben Normdaten und kontrollierte Vokabulare. Die Mehrheit teilte mit, keine Normdaten zu nutzen (56 Prozent) – oder machte dazu keine Angaben (29 Prozent), was zumindest auf Unsicherheiten im Umgang mit dem Thema und dem Begriff der Normdaten hinweist. Hier gibt es offensichtlich noch große Unterschiede und erheblichen Nachholbedarf (Abb. 1). Das bestätigt auch ein Blick auf die verschiedenen Museumstypen (Abb. 2). Während knapp zwei Drittel (65 Prozent) der Sammelmuseen mit komplexen Beständen angab, Normdaten zu verwenden, folgen die Museumskomplexe mit mehreren Häusern mit immerhin knapp der Hälfte (46 Prozent). Bei den anderen Museumstypen ist es nur etwa jede zehnte Einrichtung: Dazu gehören überraschenderweise die Naturkundemuseen (9 Prozent), naturwissenschaftliche und technische Museen (10 Prozent) sowie Orts- und Regionalgeschichte bzw. europäische Ethnologie (11 Prozent).
  2. Große Museen verwenden häufiger Normdaten. Darüber hinaus zeigt die Statistik einen deutlichen Zusammenhang zwischen der Museumsgröße, für die hier die Höhe der Besuchszahlen als Indikator genutzt wird, und der Verwendung von Normdaten (Abb. 3). Während ein Drittel (34 Prozent) der bestbesuchten Häuser (> 25.000 Besuche im Jahr 2021) Normdaten verwendet, ist es bei den mittleren (5.000 – 25.000 Besuche in 2021) nur ein Viertel (24 Prozent) – beziehungsweise jedes zehnte (10 Prozent) bei den weniger besuchten Häusern (< 5.000), darunter viele orts- und regionalgeschichtliche Museen. Dieser Befund war zu erwarten, da „große“ Häuser die Ressourcen haben, um Expert*innen für Dokumentation zu beschäftigen, und er zeigt zugleich den deutlichen Informations- und Nachholbedarf gerade bei sehr kleinen Museen.
  3. Die Gemeinsame Normdatei (GND) ist beliebt. Das Statistikteam vom Institut für Museumsforschung fragte auch spezifisch nach den verwendeten Normdaten. Dabei stellte sich heraus, dass ganz verschiedene kontrollierte Vokabulare zum Einsatz kommen (Abb. 4). Besonders häufig genannt wurde dabei die GND mit über der Hälfte der Normdatenanwendungen (56 Prozent).

Online-Veranstaltung: GND-Forum Museen und Sammlungen

Passend zum Thema kontrollierter Vokabulare und Normdaten veranstaltet das Institut für Museumsforschung gemeinsam mit zahlreichen Partnerinstitutionen die Online-Veranstaltung „GND-Forum Museen und Sammlungen“. Am 6. März 2023 wird unter anderem diskutiert, inwieweit die Etablierung von Normdaten weiter vorangetrieben werden kann, so dass Museen nachhaltig von der Dokumentation profitieren können.