Bitte beachten Sie: Wegen einer internen Veranstaltung schließt die Gemäldegalerie am Donnerstag, 29. Januar 2026 bereits um 17 Uhr.
Das „Porträt des Endres Steffan“ auf einer Laubholztafel von stattlichem Format schuf Georg Pencz als angesehener Nürnberger Maler 1534. Es zeigt einen selbstbewussten Mann in voluminöser schwarzer Schaube mit pelzbesetztem Kragen und schwarzem Barett. In einer geschwungenen Nische sitzt er vor einem Tisch, bedeckt mit einem grünen kostbaren Arabesk-Rankenteppich. In seinen auf dem Tisch ruhenden Händen hält er feine Handschuhe, während sein Blick seitlich aus dem Bild gerichtet ist und eine dynamische Körperdrehung erzeugt.
In der linken oberen Gemäldeecke befindet sich ein Familienwappen, das zu einem unbekannten Zeitpunkt übermalt wurde. Aufgrund seiner wohl bleihaltigen Pigmentierung konnte es mittels Röntgenaufnahme detailliert sichtbar gemacht werden. Eine mikroskopische Untersuchung durch Dr. Ute Stehr führte zur Rekonstruktion der Farbigkeit als blau und weiß oder hellgelb. Auf dieser Basis konnte der Dargestellte von Katrin Dyballa als Endres Steffan identifiziert werden.
Das Gemälde wurde 1819 aus dem Kunsthandel in Nürnberg erworben und gehört damit zu den frühen Beständen der Gemäldegalerie. Diese wurde 1830 als Gemäldesammlung des Königlichen Museums eröffnet. Zum Zeitpunkt des Ankaufs war das Wappen wohl bereits übermalt. Später, wahrscheinlich bereits für die Präsentation im Königlichen Museum, wurden weitere Übermalungen an den Rändern und wiederum über dem Wappen aufgetragen.
Der Zustand des Gemäldes ist heute neben den Übermalungen im Wesentlichen durch einen sehr dicken und stark gealterten Firnis beeinträchtigt. Er besteht aus mehreren Schichten, ist sehr vergilbt und erzeigt durch seine engmaschigen und feinteiligen Sprünge eine erhebliche Vergrauung des Gemäldes. Er liegt als gelb-grauer Schleier über der Malerei. In der Folge sind besonders die Modellierungen der schwarzen Schaube kaum mehr ablesbar und die feine Struktur des Pelzes nicht mehr sichtbar.
Durch frühere Restaurierungen wurde die Malschichtoberfläche unter dem Firnis beschädigt und die sehr dünne Malerei Georg Pencz‘ sichtbar berieben. Dies gilt insbesondere für die feinen Übergänge der hellen Bildbereiche in Kopf, Händen und den Handschuhen, wo viele Lasuren der Halbschattenbereiche verloren sind. Dieser Zustand stellt für die aktuelle Restaurierung eine besondere Herausforderung dar.
Das Gemälde soll im Oktober 2026 in der Ausstellung „Porträts!“ in der Gemäldegalerie präsentiert und zuvor umfassend restauriert werden. Ziel sind eine Klärung des Erscheinungsbildes durch eine Firnisabnahme und die Freilegung des Wappens, das sich in der Röntgenaufnahme als gut erhalten zeigt.
Nach einer eingehenden Voruntersuchung von Zustand, Schichtenaufbau und Restaurierungsgeschichte wurde bereits ein detailliertes Restaurierungskonzept einschließlich der Evaluierung des Lösungsverhaltens des Firnisses und der Vorgehensweise bei der Firnisabnahme erarbeitet. Nun beginnt die kleinteilige Firnisabnahme unter mikroskopischer Kontrolle und ständiger Kontrolle auch der UV-Fluoreszenz von Malschicht und Firnis.
Ansprechpartnerinnen: Sandra Stelzig, ausführende Diplom-Restauratorin, Gemäldegalerie, Staatliche Museen zu Berlin und Kerstin Krainer, Leitung Kunsttechnologie und Restaurierung
Laufzeit: August 2025 bis Oktober 2026