Untersuchung und Restaurierung des Gemäldes „Die Anbetung im Walde“ von Filippo Lippi

„Die Anbetung im Walde“ (1459) von Filippo Lippi ist eines der herausragenden Werke der italienischen Renaissancemalerei. Die Farbschichten des Gemäldes sind jedoch gefährdet. Mit Hilfe der Ernst-von-Siemens-Kunststiftung und der Schoof’schen Stiftung kann das Gemälde nun in einem zweijährigen Projekt umfassend untersucht und restauriert werden.  

Das Gemälde

Der ursprüngliche Standort des Werkes zeugt von seiner besonderen Bedeutung: Es wurde 1459 als Altarbild für die Kapelle des Palazzo Medici in Florenz gemalt. Die Darstellung der Jungfrau Maria mit dem neugeborenen Kind in einem Wald verleiht der Szene einen mystischen Charakter. Die detailreichen Blumen im Vordergrund haben vermutlich Sandro Botticelli, Lippis berühmtesten Schüler, für seine späteren Werke inspiriert. 

Das Schadensbild

Während einer Neurahmung des Werkes entdeckten die Restauratorinnen der Gemäldegalerie eine Vielzahl winziger Ausbrüche in den Farbschichten. Eine hohe Vergrößerung unter dem Stereomikroskop zeigt, dass die Substanzverluste durch den vermutlich aus dem 19. Jahrhundert stammenden Firnis verursacht werden. Dieser ehemals transparente Überzug weist heute einen gelblichen Farbton auf. Er ist im Laufe seiner Alterung in zahlreiche kleine Schollen zerbrochen und löst sich vom Untergrund ab. In manchen Bereichen reißt er hierbei die originale Temperafarbe mit, so dass kleine Fehlstellen entstehen.

Die Untersuchung

Vor der Restaurierung sind zunächst umfassende Untersuchungen zur Schadensursache und zum Erhaltungszustand des Werkes notwendig. Die begleitenden kunsttechnologischen Untersuchungen sollen außerdem Erkenntnisse über die von Lippi verwendeten Materialien und seine Arbeitsweise liefern.

Für die Voruntersuchungen verfügt die Gemäldegalerie über eine sehr gute technische Ausstattung. Neben einem Hochleistungs-Stereomikroskop, das eine Betrachtung der Gemäldeoberfläche bei 160-facher Vergrößerung erlaubt, stehen auch eine Reihe strahlendiagnostischer Methoden wie Röntgen, UV-Fluoreszenz und Infrarot-Reflektographie zur Verfügung. In Kooperation mit dem Rathgen-Forschungslabor der Staatlichen Museen zu Berlin sind außerdem Pigment- und Bindemittelanalysen vorgesehen.

Die Restaurierung

Da der stark degradierte Firnis die Malschicht schädigt, muss er abgenommen werden Neben der Sicherung der Originalsubstanz wird diese Maßnahme auch einen ästhetischen Gewinn für das Gemälde mit sich bringen, denn im jetzigen Zustand wird seine Farbwirkung stark von dem gelben und an vielen Stellen eingetrübten Überzug beeinträchtigt. Auch störende Übermalungen und im Farbton nicht mehr stimmige Retuschen aus früheren Restaurierungen werden während der Maßnahme abgenommen oder verbessert.


Ziele und Ergebnisse: Untersuchung und Restaurierung des Gemäldes „Maria das Kind verehrend – die Anbetung im Walde“ von Fra Filippo Lippi. 
Projektträger: Gemäldegalerie, Staatliche Museen zu Berlin 
Projektverantwortliche: Kerstin Krainer (Leitende Restauratorin, Gemäldegalerie), Anja Wolf (ausführende Restauratorin, Gemäldegalerie) 
Projektbeteiligte: Dr. Neville Rowley (Kurator, Gemäldegalerie), Rathgen Forschungslabor der Staatlichen Museen zu Berlin 
Förderung: Ernst von Siemens Kunststiftung, Schoof’sche Stiftung 
Laufzeit: 2026 bis 2028

Das Projekt soll durch ein Expertengremium aus Restaurator*innen und Kunsthistoriker*innen begleitet werden.