Die Gemäldesammlung der Streitschen Stiftung – Ein Digitalisierungsprojekt

Im Rahmen des Projekts wird die Gemäldegalerie 35 Werke der Gemäldesammlung der Streitschen Stiftung digitalisieren, die sie seit der Nachkriegszeit als Leihnahmen bewahrt. Die wichtigsten Stücke der Sammlung werden in der Dauerausstellung gezeigt. Das Projekt macht die Werke der Streitschen Stiftung erstmals in vollem Umfang öffentlich zugänglich. 

Die Gemäldesammlung: Von Venedig nach Berlin

Die Streitsche Stiftung geht auf Sigismund Streit (1687–1775) zurück, einen ehemaligen Schüler des Berlinischen Gymnasiums zum Grauen Kloster (gestiftet 1574). Nach seiner Kaufmannslehre wanderte Streit 1709 nach Venedig aus, wo er sich als erfolgreicher Kaufmann etablierte. Seine Verbundenheit mit der alten Schule jedoch blieb bestehen: 1752 errichtete der kinderlose Sigismund Streit eine erste Stiftung für das Gymnasium. Neben beachtlichen finanziellen Mitteln zum Ausbau der Schule und der Finanzierung von Lehrpersonal sandte er ab 1757 Teile seiner Bibliothek nach Berlin und 1758 erste Gemälde, darunter ein ihn zeigendes Porträt von der Hand Jacopo Amigonis.

In seiner Wahlheimat Venedig gab der vermögende Kaufmann zudem gezielt mehrere programmatische Bildzyklen in Auftrag, die den Schülern des Gymnasiums zum Grauen Kloster im fernen Berlin Streits Bildungsideale und die von ihm verehrte Republik Venedig näherbringen sollten. Es handelte sich dabei um vier bedeutende Venedig-Veduten von Canaletto, einen sechsteiligen Gemäldezyklus mit Darstellungen venezianischer Feste sowie einen vierteiligen Zyklus zu Bildung und Erziehung von Giuseppe Nogari. Die Gemälde dienten dazu, das Gymnasium zum Grauen Kloster zu schmücken.

Neben den von Sigismund Streit geschenkten Gemälden umfasst die Sammlung der Streitschen Stiftung heute noch weitere Bilder, die im 19. und 20. Jahrhundert ihren Weg in die Stiftung fanden. Dazu zählen unter anderem Porträts ehemaliger Direktoren des Grauen Klosters.

Nach der weitgehenden Zerstörung der Gymnasialgebäude im Zweiten Weltkrieg und der Teilung der Stadt fanden sich die Gemälde Ende der 1940er Jahre auf dem Gebiet von Berlin (West) wieder und werden seit 1964 offiziell als Leihgabe in der Gemäldegalerie bewahrt.

Das Digitalisierungsprojekt

Im Rahmen des Digitalisierungsprojekts werden hochauflösende Fotografien von Vorder- und Rückseite aller Gemälde angefertigt und im Anschluss zusammen mit den Objektangaben zu jedem Werk sowie wissenschaftlichen Objekttexten in der Sammlung Online der Gemäldegalerie der Staatlichen Museen zu Berlin veröffentlicht. Die hochauflösende Digitalisierung der Gemälde bildet eine wertvolle Informationsquelle für aktuelle und künftige kunst- und institutionsgeschichtliche Forschungen und trägt zur umfassenden, öffentlich zugänglich gemachten Dokumentation der in der Gemäldegalerie bewahrten Kunstwerke bei.


Ziele und Ergebnisse: Digitalisierung der Leihgaben der Streitschen Stiftung in der Gemäldegalerie in Form hochauflösender Fotografien von Vorder- und Rückseiten der Gemälde; Überprüfung aller Objektangaben; Verfassen von Werktexten, die den Forschungsstand festhalten; Gesamterfassung der Objekte im Museumsdokumentationssystem und Online-Veröffentlichung
Projektträger: Gemäldegalerie, Staatliche Museen zu Berlin
Projektverantwortliche: Anina Gröger (wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Gemäldegalerie, Staatliche Museen zu Berlin), Dagmar Hirschfelder (Direktorin)
Projektbeteiligte: Katrin Hammer (Fotografin der Gemäldegalerie), Maria Stein (Fotoarchivarin der Gemäldegalerie), Agnes Zsiros und Laurence Brugger (Sammlungsverwaltung)
Laufzeit: 2025 bis 2026
Förderung: Streitsche Stiftung