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Zwei Madonnenbilder von Andrea del Verrocchio

Neue kunsthistorische Erkenntnisse durch kunsttechnologische Forschungen und Restaurierung

Die Gemäldegalerie der Staatlichen Museen zu Berlin ist im Besitz von zwei Madonnenbildern, die dem Bildhauer und Maler Andrea del Verrocchio zugeschrieben und um 1470/73 datiert werden. Technische Untersuchungen und die umfassende Restaurierung eines der beiden Gemälde haben eine kunsthistorische Neubewertung ermöglicht und neue Erkenntnisse zur Maltechnik und zum ursprünglichen Erscheinungsbild der Gemälde erbracht.

Die beiden Werke „Madonna mit Kind“ (Kat.-Nr. 104A und Kat.-Nr. 108) waren Exponate der Ausstellungen „Verrocchio. Il maestro di Leonardo“ in Florenz und „Verrocchio. Sculptor and Painter of Renaissance Florence“ in Washington 2019/20. Die Vorbereitung der Ausstellungen waren Anlass für Kunsthistoriker*innen, Restaurator*innen und Naturwissenschaftler *innen, sich mit ungeklärten Fragen zur Verortung dieser beiden Arbeiten aus dem Œuvre Verrocchios auseinanderzusetzen. Im Vorfeld der Ausleihe wurden beide Gemälde kunsttechnologisch untersucht und das oft Perugino zugeschriebene Madonnenbild (Kat.-Nr. 108) umfassend restauriert.

Die kunsttechnologischen Untersuchungen durch die Restaurator*innen der Gemäldegalerie, die naturwissenschaftlichen Materialanalysen durch die Mitarbeiter*innen des Rathgen-Forschungslabors der Staatlichen Museen zu Berlin und die enge Kooperation mit der National Gallery of Art in Washington erweiterten das Wissen über die Technik der Bilder und über Verrocchios ursprüngliche Bildkonzepte. Durch die multispektrale Untersuchungstechnik John Delaneys (Hyper-Spectral-Imaging) konnten u. a. spätere Veränderungen an den beiden Gemälden differenziert analysiert und veranschaulicht werden. Durch die Untersuchung und Restaurierung der „Maria mit Kind“ (Kat.-Nr. 108) war eine vergleichende Auswertung von Maltechnik und Ästhetik in Bezug auf andere Werke Verrocchios möglich. Die gewonnenen Erkenntnisse stimmen mit der neueren kunsthistorischen Zuschreibung des Gemäldes an Verrocchio überein.

  • Babette Hartwieg: „Andrea del Verrocchio’s Madonna and Child, around 1465–1470 – A technical study in search of the original and its alterations“, National Gallery of Art, Washington DC, in Vorbereitung.
  • Ute Stehr: „New Insights Through Technical Investigation and Conservation of a Madonna and Child by Andrea del Verrocchio in the Gemäldegalerie Berlin“, National Gallery of Art, Washington, D.C., in Vorbereitung.
  • John K. Delaney u.­a.: „New Light on Verrocchio’s Art. Spectral Imaging of the Paintings“, in: Andrew Butterfield (Hrsg.): „Verrocchio. Sculptor and Painter of Renaissance Florence" (Ausst.-Kat. National Gallery, Washington D.C., 15.9.2019–12.1.2020), Oxford 2019, S. 329–340.
  • Neville Rowley: Kat 24 u. Kat. 26, in: Andrew Butterfield (Hrsg.): „Verrocchio. Sculptor and Painter of Renaissance Florence" (Ausst.-Kat. Washington D.C., National Gallery of Art, 15.09.2019–12.01.2020), Oxford 2019, S. 202–204 u. S. 209–211.
  • Neville Rowley: Kat. 3.3. u. Kat. 3.4, in: Francesco Caglioti, Andrea De Marchi (Hrsg.): „Verrocchio. Il Maestro di Leonardo" (Ausst.-Kat. Florenz, Palazzo Strozzi und Museo Nazionale del Bargello, 09.03.–14.07.2019), Venedig 2019, S. 120–127.

Elke Cwiertnia, Babette Hartwieg, Neville Rowley, Ute Stehr: „Verrocchio? Perugino? Zwei Madonnenbilder der Gemäldegalerie aus restauratorischer, kunsthistorischer und naturwissenschaftlicher Sicht“, Vortrag im Rahmen der Ringvorlesung „Offener Hörsaal der FU Berlin“, 6. Februar 2023.


Ziele und Ergebnisse: Erforschung von ungeklärten Zuschreibungsfragen und von historischen Veränderungen an den Gemälden zur Einordnung in das Œuvre Verrocchios
Projektträger: Gemäldegalerie, Staatliche Museen zu Berlin
Projektbeteiligte: Dr. Babette Hartwieg (Chefrestauratorin der Gemäldegalerie, Staatliche Museen zu Berlin), Dr. Neville Rowley (Kurator für frühe italienische Malerei an der Gemäldegalerie, Staatliche Museen zu Berlin), Dr. Ute Stehr (Restauratorin an der Gemäldegalerie, Staatliche Museen zu Berlin); John K. Delaney (Senior Imaging Scientist, National Gallery of Art, Washington, D.C.), Dr. Francesca Gabrieli (Postdoc, Scientific Research Department, National Gallery of Art, Washington, D.C.); Dr. Elke Cwiertnia (Rathgen-Forschungslabor, Staatliche Museen zu Berlin), Sabine Schwerdtfeger (Rathgen-Forschungslabor, Staatliche Museen zu Berlin)
Kooperationspartner: National Gallery of Art, Washington, D.C.; Rathgen-Forschungslabor, Staatliche Museen zu Berlin
Laufzeit: 2017 bis 2020