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Pilotprojekt: Tansania–Deutschland: Geteilte Objektgeschichten?

Was macht postkoloniale Provenienzforschung in sogenannten ethnographischen Sammlungen aus? In diesem Forschungsprojekt wird u.a. dieser Fragestellung nachgegangen. Ausgangspunkt bilden ausgewählte Objekte und Objektgruppen der mehr als 10.200 Objekte umfassenden Sammlungen aus dem heute festländischen Tansania. Deren größter Teil gelangte während der gewaltförmigen deutschen kolonialen Expansion und Herrschaft in Ostafrika nach Berlin.

Der Fokus liegt unter anderem auf der Rekonstruktion biographischer Fragmente und Aneignungskontexte von Objekten, die im Kontext kolonialer Kriege in das Museum gelangten. Gleichzeitig geht es darum, europäische Akteure zu dezentrieren, indem, wenn möglich, ostafrikanische Vorbesitzer*innen, Nutzer*innen und Produzent*innen sichtbar gemacht werden. Neben dem Aufbau einer Forschungskooperation mit tansanischen Partner*innen und Erprobung kooperativer Formate in Form von residencies tansanischer Kolleg*innen und Workshops in Berlin, werden die Objekte schrittweise digitalisiert und die Objektdaten online veröffentlicht.

Ein Ergebnis ist die dreisprachige Publikation „Humboldt Lab Tanzania. Objekte aus den Kolonialkriegen im Ethnologischen Museum, Berlin – Ein tansanisch-deutscher Dialog (2018), die in Kürze als kostenloses E-Book erscheinen wird.  Basierend auf dem im Projekt erfolgten Austausch mit tansanischen Kolleg:innen startete 2019 ein dreijähriges kooperatives Provenienzforschungsprojekt des Ethnologischen Museum Berlin mit der University of Dar es Salaam, dem National Museum of Tanzania sowie der Humboldt-Universität zu Berlin, das hauptsächlich in Dar es Salaam verortet ist


Einrichtung: Ethnologisches Museum der Staatlichen Museen zu Berlin
Projektleitung: PD Dr. Paola Ivanov (Ethnologisches Museum, Staatliche Museen zu Berlin)
Projektmitarbeiter*innenKristin Weber-Sinn (wissenschaftliche Mitarbeiterin, Zentralarchiv/Ethnologisches Museum, Staatliche Museen zu Berlin), Hendryk Ortlieb (Museologe, bis 12/2018, Ethnologisches Museum, Staatliche Museen zu Berlin), Myriam Perrot (Erfassungskraft).
Kooperatiospartner*innen: University of Dar es Salaam, National Museum of Tanzania, Nafasi Art Space (Dar es Salaam), tansanische Künstler:innen,
Zuwendungsgeber*in: Kuratorium Preußischer Kulturbesitz
Laufzeit: Juli 2016 bis Dezember 2021

Publikationen:

Lili Reyels, Paola Ivanov u. Kristin Weber-Sinn (Hg.) (2018), Humboldt Lab Tanzania: Objekte aus den Kolonialkriegen im Ethnologischen Museum, Berlin – Ein tansanisch-deutscher Dialog. / Objects from the Colonial Wars in the Ethnologisches Museum, Berlin – A Tanzanian-German Dialogue. / Mikusanyo ya Vita vya Ukoloni katika Ethnologisches Museum, Berlin – Majadiliano ya Tanzania-Ujerumani, Berlin: Reimer.

P. Ivanov u. K. Weber-Sinn (2018), „Shared Research. Zur Notwendigkeit einer kooperativen Provenienzforschung am Beispiel der Tansania-Projekte am Ethnologischen Museum Berlin“, in: L. Förster, I. Edenheiser, S. Fründt u. H. Hartmann (Hg.), Provenienzforschung zu ethnografischen Sammlungen der Kolonialzeit, Dokumenten- und Publikationsserver der Humboldt-Universität Berlin, https://edoc.hu-berlin.de/handle/18452/19769 (Stand 17.03.2021)

K. Weber-Sinn (2019), Eine Objektgruppe und der Maji-Maji-Krieg. »Kriegsbeute«, »Zaubersack«, »Medizin«, »Objects of Resistance«, in: L. Förster und I. Edenheiser (Hg.): Museumsethnologie. Eine Einführung. Theorien, Debatten, Praktiken, Berlin: Reimer, S. 132-133.

K. Weber-Sinn u. P. Ivanov (2020), Collaborative Provenance Research – About the (Im-) Possibility of Smashing Colonial Frameworks, in: Museum and Society 18 (1), S. 66-81, https://journals.le.ac.uk/ojs1/index.php/mas/article/view/3295/3098 (Stand 17.03.2021)