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Confronting Colonial Pasts, Envisioning Creative Futures

Kolonialismus, Kunst und Kultur: In einem wegweisenden Kooperationsprojekt des Ethnologischen Museums mit der Museums Association of Namibia (MAN) beforschen Wissenschaftler*innen aus Berlin und Namibia einen Teil der Sammlung des Museums neu.

Bereits im Frühjahr 2019 waren anlässlich einer Partnerschaft zwischen der Museums Association of Namibia (MAN) und der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) mehrere Forscher*innen aus Namibia zu Gast am Ethnologischen Museum der Staatlichen Museen zu Berlin. Gemeinsam mit dem Wissenschaftler*innen-Team des Museums untersuchten sie die rund 1.400 Objekte der kolonialen Namibia-Sammlung des Hauses im Hinblick auf ihre Geschichte, Bedeutung und ihre künstlerischen Potenziale.

Projekt „Confronting Colonial Pasts, Envisioning Creative Futures“

Im Rahmen des im August 2019 gestarteten Projekts „Confronting Colonial Pasts, Envisioning Creative Futures“, großzügig ermöglicht durch die Gerda Henkel Stiftung, werden 23 dieser Objekte nach Namibia reisen, darunter Schmuck, Prestigeobjekte und historisch wichtige Artefakte. Die Objekte wurden von den namibischen Partner*innen in enger Absprache mit Community-Vertreter*innen in Namibia ausgewählt und gehen zunächst als Leihgaben an das National Museum of Namibia. Dort sollen die Objekte in den kommenden Jahren weiter erforscht werden und zeitgenössischen Künstler*innen für die kreative Auseinandersetzung zur Verfügung stehen. Erstmals in Deutschland wurde ein solcher ergebnisoffener Prozess der Zusammenarbeit angestoßen, der maßgeblich von den namibischen Partner*innen bestimmt wird.

Im weiteren Projektverlauf in Namibia sind Workshops am National Museum of Namibia mit namibischen Historiker*innen und Oral Historians, Aktivist*innen, Kulturschaffenden, heritage practitioners und Künstler*innen geplant, die das mit den Objekten verbundene Wissen und andere Formen des immateriellen Kulturerbes, wie zum Beispiel historische Techniken und Materialien, reaktivieren und dokumentieren sollen. Zusätzlich finanziert die Gerda Henkel Stiftung eine Restauratorin sowie eine Museologin am National Museum of Namibia und unterstützt das Museum mit Capacity-Building-Workshops und Materialien zur präventiven Konservierung der Sammlung. Darüber hinaus ermöglicht sie die Einrichtung zweier Stipendien an der University of Namibia, die es Postgraduierten erlauben, die Forschung aus dem Museum in die Kulturerbe-Gemeinschaften zu tragen.

Die Inspirationen, die die Objekte aus Berlin bieten, werden zudem in das von MAN geplante Museum of Namibian Fashion einfließen. In diesem Kontext sind weitere wesentliche Elemente des Projekts die Produktion von Kunstwerken, die sich mit den historischen Sammlungen auseinandersetzen, die Stelle eines Kurators zur Gestaltung der Eröffnungsausstellung des Museum of Namibian Fashion sowie das Museum selbst. Ziel ist der Aufbau von Kapazitäten zum Erhalt und zur Weiterentwicklung von Sammlungen in Namibia.

Die Namibia-Sammlungen des Ethnologischen Museums

Die historischen Sammlungen aus Namibia im Ethnologischen Museum wurden größtenteils während der deutschen Kolonialzeit (1884-1919) erworben. Ihre Provenienzen werden seit Anfang 2018 erforscht, in den vergangenen 16 Monaten gemeinsam mit den namibischen Gastwissenschaftler*innen. Die Sammlungen spiegeln koloniale, teils äußerst gewaltvolle Aneignungsprozesse wider. Darüber hinaus zeigen sie die Kreativität und den Einfallsreichtum der Menschen in Namibia. Sie sind damit eine wichtige Quelle für die historische Forschung und Inspirationsquelle für zeitgenössische Künstler*innen und Designer*innen. Aufgrund der deutschen Kolonialisierung Namibias befindet sich die überwiegende Mehrheit solcher Objekte in deutschen und nicht namibischen Institutionen und ist daher für die meisten Namibier*innen nicht zugänglich. Mit dem von der Gerda Henkel Stiftung finanzierten Projekt wird, beginnend mit der Reise der Objekte nach Namibia, ein erster Schritt unternommen, um dieses Ungleichgewicht zu beheben.


Projektleitung: Dr. Jonathan Fine (Ethnologisches Museum, Staatliche Museen zu Berlin), Dr. Jeremy Silvester (Museums Association of Namibia)
Projektpartner: Ethnologisches Museum der Staatlichen Museen zu Berlin, Museums Association of Namibia, National Museum of Namibia, University of Namibia
Mitarbeiter*innen: Ndapewoshali Ashipala (Museums Association of Namibia), Dr. des. Julia Binter (Zentralarchiv, Ethnologisches Museum, Staatliche Museen zu Berlin), Golda Ha-Eiros (Museums Association of Namibia), Nehoa Kautodonkwa (Museums Association of Namibia)
Wissenschaftliche Beratung: Dr. Larissa Förster (Deutsches Zentrum Kulturgutverluste)
Projektförderung: Gerda Henkel Stiftung
Laufzeit: August 2019 bis Juli 2022