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Berliner Schlachtenkupfer – Die 34 Druckplatten der Kaiser von China

Untersuchung zur Geschichte, zum Entstehungsprozess und zur Provenienz von 34 kupfernen Druckplatten aus dem Bestand des Ethnologischen Museums von Berlin. Die Forschung läuft im Rahmen des „Qianlong Engravings projects” von der School of Culture & Creative Arts, University of Glasgow, koordiniert von Professor Nicholas Pearce.

Der Qianlong-Kaiser (Regierungszeit 1736-1795), der in zehn Feldzügen die Grenzen des chinesischen Imperiums erheblich ausdehnte, war sich der politisch-repräsentativen Dimension von bildlichen Darstellungen bewusst. Bereits während seines ersten großen Feldzugs gegen Rebellen in der Dzungarei (der westliche Teil der Mongolei) und Ostturkestan ordnete er seinen militärischen Befehlshabern an, Skizzen der Schlachten anzufertigen. Diese wurden später als 16 monumentale Schlachtenbilder (4 x 8 Meter) gemalt und in der „Halle des Purpurnen Glanzes“ präsentiert. Mithilfe der damals für China relativ neuen Methode des drucktechnischen Verfahrens von Kupferplatten, konnten dann auf schnelle und einfache Weise in verkleinerten Format mehr Abzüge hergestellt werden, wodurch der Kaiser seine erfolgreichen militärischen Expansionen im großen Stil besser verbreiten konnte.

Die Vorlagen für die Kupferstiche wurden von jesuitischen Missionaren hergestellt. Diese Arbeiten sind Zeugnisse des frühen europäisch-chinesischen Kulturtransfers lange vor der Öffnung Chinas zum Westen. Über Kupferstiche wie diese erfuhren einerseits die europäischen Höfe von der Expansion Chinas im späten 18. Jahrhundert, andererseits drangen in Europa entwickelte bildliche Reproduktionstechniken bis nach China vor. Die Platten sind somit ein Zeugnis der Missionsgeschichte in China, der Feldzüge und Politik chinesischer Kaiser, der transnationalen Kultur- und Handwerksverflechtung und letztendlich dem Kupferstichhandwerk an sich.

Insgesamt existierten 88 solcher Druckplatten in China, die unter der Herrschaft vom Qianlong-Kaiser (Regierungszeit 1736-1795), Jiaqing-Kaiser (1796-1820) und Daoguang-Kaiser (1820-1850) hergestellt wurden. Dargestellt waren Szenen aus den bedeutenden chinesischen Feldzügen in den Jahren zwischen 1755-1829. Heute sind nur noch 37 Platten weltweit bekannt, 34 davon im Ethnologischen Museum Berlin.

Ziel des Projekts und der daraus resultierenden Publikation ist eine umfassende Recherche aller wichtigsten Fakten zu den Kupferdruckplatten. Es soll die Provenienzgeschichte der Kupferplatten recherchiert, die Geschichte des Kupferstichs in China vorgestellt und eine kurze Einführung zum Qianlong-Kaiser und seiner Feldzüge gegeben werden, begleitet von Kartenmaterial. Des Weiteren sollen die Hintergründe zu der ersten „Pariser-Serie“ von Druckplatten, dem Ost-Turkestan Feldzug von 1755-1759, beleuchtet werden, samt der Auftragserteilung durch den Kaiser. Der Entstehungsprozess wird erläutert (die Arbeitsteilung in den Werkstätten, verwendete Werkzeuge, Geräte, Druckerpresse, Papiersorten, etc.) und die Unterschiede in der chinesischen und französischen Technik dargestellt. Des Weiteren werden die Motive auf den Schlachtenbildern der 34 Platten des Ethnologischen Museums im Detail erläutert.


Projektleitung: Niklas Leverenz, Henriette Lavaulx-Vrécourt
Projektkoordinator: Henriette Lavaulx-Vrécourt
Projektmitarbeiter*innen: Pastukhov Alexey Mikhailovich, John Finlay
Projektträger: Staatliche Museen zu Berlin
Laufzeit: 2020 bis 2021