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Amazonien als Zukunftslabor

Vernetzen – Verstehen – Vermitteln

Die Dinge, die in den Depotschränken ethnologischer Museen und den Magazinen von Bibliotheken und Archiven lagern, sind mehr als stille Zeugen von Aneignungs-, Zirkulations- und Umdeutungsprozessen. In ihnen materialisieren sich Beziehungen zwischen Menschen, Pflanzen, Ahnen und anderen Wesen sowie Territorien. Auch in ihrem momentanen Status als Objekte von Sammlungsinstitutionen besitzen sie das Potential, unterschiedliche Lebenswelten, Wissensformen und Wissenspraktiken zu verbinden und dadurch selbst ins Leben zurückzufinden – ein Leben, das die Mauern von Sammlungsinstitutionen überwindet. Dafür bedarf es der Entwicklung geeigneter Formate und Instrumente. „Amazonien als Zukunftslabor“ ist ein auf Sammlungsobjekten basierendes Pilotprojekt zur Überwindung disziplinärer, institutioneller und räumlicher Grenzen und zur Erschaffung digitaler und analoger Räume der Vernetzung, des wechselseitigen Verstehens und der Vermittlung.

In enger Zusammenarbeit zwischen brasilianischen und deutschen Partner*innen werden im Rahmen des Vorhabens digitale Werkzeuge entwickelt, die Informationen zu Sammlungsobjekten aus unterschiedlichen Perspektiven bündeln und vernetzen. Eine zentrale Herausforderung besteht darin, die diversen Zugänge in ihrer Vielschichtigkeit zu vermitteln. Hierdurch sollen historisch gewachsene Ausdifferenzierungen zwischen Sammlungsinstitutionen überwunden werden. Disziplinär und institutionell geprägte Organisationslogiken von Dingen finden ebenso Berücksichtigung wie indigene Wissensordnungen und Wissenspraktiken. Als Fallbeispiele dienen historisch-ethnographische und botanische Sammlungen aus der brasilianischen Amazonasregion bzw. kulturhistorische multimediale Bestände zu deren Kontextualisierung (u.a. Feldtagebücher, Fotografien, Karten, Tonaufnahmen, Filme, Sekundärliteratur). Sie wurden über die letzten  200 Jahre gesammelt und im Ethnologischen Museum, im Botanischen Museum/ Botanischen Garten und im Ibero-Amerikanischen Institut aufbewahrt, klassifiziert, konserviert, restauriert, erforscht. Nur ein Teil dieser umfangreichen multimedialen Sammlungen und Bestände ist tiefergehend erschlossen und stehen digital zur Verfügung. Auch sind sie bislang nicht Institutionen- und länderübergreifend miteinander vernetzt worden. 

Die allgemeinen  Ziele des Vorhabens bestehen darin, die Möglichkeiten digitaler Formate und Instrumente zu nutzen, um aus unterschiedlichen Perspektiven, Wissenspraktiken und sozialen Kontexten heraus miteinander zu kommunizieren, sich auszutauschen, zu vernetzen und gemeinsam neues Wissen zu schaffen. Das im Rahmen des Projekts vernetzte Wissen wird in seiner Prozesshaftigkeit öffentlich zugänglich, über interaktive Formate der Rezeption und Partizipation. Die entstandenen Werkzeuge werden anschließend frei zugänglich zur Verfügung gestellt und sind so durch weiterführende Arbeiten wie die digitale und partizipative Sammlungs- und Kulturvermittlung nutzbar bzw. können weiterentwickelt werden.

Das Verbundprojekt wird im Rahmen des Forschungscampus Dahlem SPK durchgeführt, in dem unterschiedliche Einrichtungen der SPK zusammenarbeiten unter Einbeziehung externer Partner.


Projektleitung: Dr. Andrea Scholz (Ethnologisches Museum)
SPK-interne Partner: Prof. Dr. Barbara Göbel, Ibero-Amerikanisches Institut (SPK); Dr. Patricia Rahemipour, Institut für Museumsforschung 
Externe Partner: Prof. Dr. Thomas Borsch, Botanischer Garten und Botanisches Museum (Freie Universität Berlin), Berlin; Dr. Thiago da Costa Oliveira (Postdoc-Fellow der Alexander von Humboldt Stiftung am Ethnologischen Museum Berlin); Prof. Dr. Carlos Fausto, Museu Nacional Rio de Janeiro (Universidade Federal de Rio de Janeiro), Rio de Janeiro, Brasilien;
Digitaler Partner: Prof. Dr. Marian Dörk, Urban Complexity Lab (Fachhochschule Potsdam)
Förderung: Fonds Kultur digital der Kulturstiftung des Bundes
Zeitraum: Januar 2020 bis Dezember 2023