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Die Berliner Benin-Sammlung

Am 25. August 2022 unterzeichneten Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK), und Abba Isa Tijani, Generaldirektor der National Commission for Museums and Monuments (NCMM), den Vertrag über die Eigentumsübertragung der Benin-Objekte aus der Sammlung des Ethnologischen Museums an Nigeria. Es handelt sich um 512 Werke, die als Folge der sogenannten Britischen Strafexpedition von 1897 nach Berlin gelangten. Es handelt sich dabei um die bislang größte Eigentumsrückübertragung von Sammlungsobjekten aus kolonialem Kontext. Rund ein Drittel der übereigneten Objekte wird für zunächst zehn Jahre als Leihgabe in Berlin bleiben und im Humboldt Forum ausgestellt werden.

Das Königreich Benin

Benin war lange Zeit einer der mächtigsten Staaten in Westafrika. Seine Herrscher führten sichauf das Königreich von Ile-Ife zurück. Im 16. und 17. Jahrhundert wurden sie reich und mächtig, indem sie benachbarte Städte und Staaten eroberten und selbst zu wichtigen Partnern in den neuen globalen Handelsnetzen wurden, die Asien, Afrika, Europa und Amerika miteinander verbanden.

Reliefplatte mit einem König (Oba) und vier Begleitern. 16. Jh., III C 8208 / Eigentum an Nigeria übertragen am 25. August 2022 © Staatliche Museen zu Berlin, Ethnologisches Museum / Claudia Obrocki

Die britische Invasion

Benin behielt seine Unabhängigkeit bis ins 19. Jahrhundert und besaß ein Handelsmonopol für große Gebiete im und um das Nigerdelta. Dies stand den britischen kommerziellen und politischen Interessen, vertreten durch die Royal Niger Company und das Niger Coast Protectorate, im Wege. Nach einem Streit, ob Benin weiterhin das Recht hätte, Preise festzulegen und Steuern zu erheben, betrat eine britische Delegation gegen den Willen des Oba das Königreich. Als die Delegation angegriffen wurde, nutzten die Briten die Ereignisse als Vorwand für eine Invasion.

Plünderung war nicht das Ziel der britischen Invasoren. Trotz seit Langem bestehenden Vereinbarungen mit den Herrschern von Benin strebten sie danach, die Unabhängigkeit Benins zu zerstören, seine Ressourcen auszubeuten und seine Bevölkerung der Kolonialherrschaft zu unterwerfen. Doch die Teilnehmer der sogenannten Strafexpedition, raubten aus der königlichen Sammlung viele der Elfenbeinstoßzähne, Skulpturen und  prächtigen Objekte aus Koralle, Messing und Elfenbein, teilten sie auf und brachten sie nach Großbritannien.

Gedenkkopf einer Königinmutter (Iyoba). 18. Jh., III C 8490 / Eigentum an Nigeria übertragen am 25. August 2022, Foto:  © Staatliche Museen zu Berlin, Ethnologisches Museum / Martin Franken

Raubgut

Einige der Objekte aus Benin wurden Königin Victoria geschenkt; andere behielten die britischen Offiziere; wieder andere wurden an private Kunsthändler wie William Downing Webster oder an Firmen wie Fenton & Sons verkauft oder wurden versteigert. Doch viele der geplünderten Objekte blieben zumindest eine Zeit lang in Nigeria, wo sie von lokalen Netzwerken von Honoratioren und Geschäftsleuten, sowohl aus Europa als auch aus Afrika, gekauft und verkauft wurden. Viele von diesen wurden schließlich nach Europa gebracht und auf dem aufblühenden Markt für ethnographische Objekte und Kunstwerke aus aller Welt verkauft - einem Markt, der nicht zuletzt von den Kunstwerken aus Benin die nun auf ihn einströmten, beeinflusst wurde.

Eine Sammlung für Berlin

Die Berliner Sammlung  aus dem Königreich Benin begann mit einem kleinen geschnitzten Elfenbein-Salzgefäß (III C 4890 a,b). Es gelangte  bereits wesentlich vor 1897 in die Kunstkammer der Könige von Preußen.  Der Rest der heutigen Sammlung kam jedoch erst nach dem der Eroberung Benins in das Museum. Nach dem Vortrag von Justus Brinckmann, des Gründungsdirektors des Hamburger Museums für Kunst und Gewerbe, über “Bronzen“ aus Benin, begeisterte sich in Berlin Felix von Luschan für die Idee, eine große und bedeutende Sammlung für das Königlich Preußische Museum für Völkerkunde zu erwerben. Er nahm Kontakt zu britischen Händlern auf, nahm an Auktionen in London teil und wandte sich an seine Kontakte in Afrika, wie den deutschen Konsul Eduard Schmidt, einen Mitarbeiter der Reederei Woermann-Linie, um möglichst viele Objekte direkt in Westafrika zu erhalten.

Salzgefäß, 16. Jh., III C 4890 a,b. Foto:  © Staatliche Museen zu Berlin, Ethnologisches Museum / Dietrich Graf.

Durch von Luschans Bemühungen kam Berlin zu einer Sammlung von mehr als 600 Objekten und wurde zum Dreh- und Angelpunkt, der das Fieber für Objekte aus Benin auf andere Museen und Sammler übertrug.

In Folge des Zweiten Weltkriegs schrumpfte die Sammlung auf 512 historische Objekte aus dem Königreich Benin, deren Eigentum nun sämtlich an Nigeria übertragen wurde.

Eine detailliertere Präsentation der historischen Benin-Objekte sowie die Darstellung, wie und wann diese jeweils in die Berliner Sammlungen gelangten, findet sich in Sammlungen Online, dem Online-Portal der Sammlungen der Staatlichen Museen zu Berlin.

Bibliographie

Coombes, Annie E. 1994. Reinventing Africa: museums, material culture, and popular imagination in late Victorian and Edwardian England. New Haven: Yale University Press.

Egharevba, Jacob U. 1991. A short history of Benin. Ibadan: Ibadan Univ. Press.

Egharevba, Jacob U. 1947. Benin laws and customs. Lagos: Service Press.

Hicks, Dan. 2020. The Brutish Museums: The Benin Bronzes, Colonial Violence and Cultural Restitution. London: Pluto Press.

Lundén, Staffan. 2016. Displaying loot: the Benin objects and the British Museum. Göteborg: Göteborgs Universitet.

Luschan, Felix von. 1919. Die Altertümer von Benin. 3 Bände. Veröffentlichungen aus dem Museum für Völkerkunde, Staatliche Museen zu Berlin, Bd. VIII-X. Berlin und Leipzig. De Gruyter.

Plankensteiner, Barbara. 2007. Benin Könige und Rituale ; höfische Kunst aus Nigeria ; eine Ausstellung des Museums für Völkerkunde Wien - Kunsthistorisches Museum ; Museum für Völkerkunde Wien, 9. Mai - 3. September 2007 ... The Art Institute of Chicago, 27. Juni - 21. September 2008.