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Die Berliner Benin-Sammlung

Das Ethnologische Museum der Staatlichen Museen zu Berlin beherbergt eine der größten Sammlungen historischer Objekte aus dem Königreich Benin (heute Teil von Nigeria). Nahezu keines der Objekte wäre in Berlin, wenn nicht 1897 britische Truppen in das Königreich einmarschiert wären, seine Paläste und Schreine geplündert und den regierenden König (Oba) Ovonramwen ins Exil geschickt hätten. Heute gelten historische "Bronzen" und Elfenbeinobjekte aus Benin als Symbole kolonialen Sammelns und ihre Präsenz außerhalb von Nigeria wird weithin als Zeichen kolonialen Unrechts verstanden.

Das Königreich Benin

Benin war lange Zeit einer der mächtigsten Staaten in Westafrika. Seine Herrscher führten sichauf das Königreich von Ile-Ife zurück. Im 16. und 17. Jahrhundert wurden sie reich und mächtig, indem sie benachbarte Städte und Staaten eroberten und selbst zu wichtigen Partnern in den neuen globalen Handelsnetzen wurden, die Asien, Afrika, Europa und Amerika miteinander verbanden.

Reliefplatte mit einem König (Oba) und vier Begleitern. 16. Jh., III C 8208.

Reliefplatte mit einem König (Oba) und vier Begleitern. 16. Jh., III C 8208. Foto:  © Staatliche Museen zu Berlin, Ethnologisches Museum / Claudia Obrocki

Die britische Invasion

Benin behielt seine Unabhängigkeit bis ins 19. Jahrhundert und besaß ein Handelsmonopol für große Gebiete im und um das Nigerdelta. Dies stand den britischen kommerziellen und politischen Interessen, vertreten durch die Royal Niger Company und das Niger Coast Protectorate, im Wege. Nach einem Streit, ob Benin weiterhin das Recht hätte, Preise festzulegen und Steuern zu erheben, betrat eine britische Delegation gegen den Willen des Oba das Königreich. Als die Delegation angegriffen wurde, nutzten die Briten die Ereignisse als Vorwand für eine Invasion.

Plünderung war nicht das Ziel der britischen Invasoren. Trotz seit Langem bestehenden Vereinbarungen mit den Herrschern von Benin strebten sie danach, die Unabhängigkeit Benins zu zerstören, seine Ressourcen auszubeuten und seine Bevölkerung der Kolonialherrschaft zu unterwerfen. Doch die Teilnehmer der sogenannten Strafexpedition, raubten aus der königlichen Sammlung viele der Elfenbeinstoßzähne, Skulpturen und  prächtigen Objekte aus Koralle, Messing und Elfenbein, teilten sie auf und brachten sie nach Großbritannien.

Gedenkkopf einer Königinmutter (Iyoba). 18. Jh., III C 8490. Foto:  © Staatliche Museen zu Berlin, Ethnologisches Museum / Martin Franken

Gedenkkopf einer Königinmutter (Iyoba). 18. Jh., III C 8490

Raubgut

Einige der Objekte aus Benin wurden Königin Victoria geschenkt; andere behielten die britischen Offiziere; wieder andere wurden an private Kunsthändler wie William Downing Webster oder an Firmen wie Fenton & Sons verkauft oder wurden versteigert. Doch viele der geplünderten Objekte blieben zumindest eine Zeit lang in Nigeria, wo sie von lokalen Netzwerken von Honoratioren und Geschäftsleuten, sowohl aus Europa als auch aus Afrika, gekauft und verkauft wurden. Viele von diesen wurden schließlich nach Europa gebracht und auf dem aufblühenden Markt für ethnographische Objekte und Kunstwerke aus aller Welt verkauft - einem Markt, der nicht zuletzt von den Kunstwerken aus Benin die nun auf ihn einströmten, beeinflusst wurde.

Eine Sammlung für Berlin

Die Berliner Sammlung  aus dem Königreich Benin begann mit einem kleinen geschnitzten Elfenbein-Salzgefäß (III C 4890 a,b). Es gelangte  bereits wesentlich vor 1897 in die Kunstkammer der Könige von Preußen.  Der Rest der heutigen Sammlung kam jedoch erst nach dem der Eroberung Benins in das Museum. Nach dem Vortrag von Justus Brinckmann, des Gründungsdirektors des Hamburger Museums für Kunst und Gewerbe, über “Bronzen“ aus Benin, begeisterte sich in Berlin Felix von Luschan für die Idee, eine große und bedeutende Sammlung für das Königlich Preußische Museum für Völkerkunde zu erwerben. Er nahm Kontakt zu britischen Händlern auf, nahm an Auktionen in London teil und wandte sich an seine Kontakte in Afrika, wie den deutschen Konsul Eduard Schmidt, einen Mitarbeiter der Reederei Woermann-Linie, um möglichst viele Objekte direkt in Westafrika zu erhalten.

Salzgefäß, 16. Jh., III C 4890 a,b.

Salzgefäß, 16. Jh., III C 4890 a,b. Foto:  © Staatliche Museen zu Berlin, Ethnologisches Museum / Dietrich Graf.

Durch von Luschans Bemühungen kam Berlin zu einer Sammlung von mehr als 600 Objekten und wurde zum Dreh- und Angelpunkt, der das Fieber für Objekte aus Benin auf andere Museen und Sammler übertrug.

Heute ist die Sammlung als Folge des Zweiten Weltkriegs kleiner: 512 historische Objekte aus dem Königreich Benin sind Teil der Sammlungen des Ethnologischen Museums und zwei Objekte befinden sich in den Sammlungen des Museum Berggruen. Diese beiden Bronzen wurden vom Sammler Heinz Berggruen erworben, und wurden im Jahre 2000 mit seinen Werken klassischer Moderne an die Berliner Museen verkauft.

Eine detailliertere Präsentation der historischen Benin-Objekte sowie die Darstellung, wie und wann diese jeweils in die Berliner Sammlungen gelangten, ist im Rahmen der Online-Sammlung der Staatlichen Museen zu Berlin hier abrufbar.

Bibliographie

Coombes, Annie E. 1994. Reinventing Africa: museums, material culture, and popular imagination in late Victorian and Edwardian England. New Haven: Yale University Press.

Egharevba, Jacob U. 1991. A short history of Benin. Ibadan: Ibadan Univ. Press.

Egharevba, Jacob U. 1947. Benin laws and customs. Lagos: Service Press.

Hicks, Dan. 2020. The Brutish Museums: The Benin Bronzes, Colonial Violence and Cultural Restitution. London: Pluto Press.

Lundén, Staffan. 2016. Displaying loot: the Benin objects and the British Museum. Göteborg: Göteborgs Universitet.

Luschan, Felix von. 1919. Die Altertümer von Benin. 3 Bände. Veröffentlichungen aus dem Museum für Völkerkunde, Staatliche Museen zu Berlin, Bd. VIII-X. Berlin und Leipzig. De Gruyter.

Plankensteiner, Barbara. 2007. Benin Könige und Rituale ; höfische Kunst aus Nigeria ; eine Ausstellung des Museums für Völkerkunde Wien - Kunsthistorisches Museum ; Museum für Völkerkunde Wien, 9. Mai - 3. September 2007 ... The Art Institute of Chicago, 27. Juni - 21. September 2008.