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Sektion 1 — Sammlungen

Was haben wir und was haben wir kaum?

Im Laufe der Geschichte wurden unterschiedliche Objekte aus verschiedenen Kulturen und Epochen in den Räumen des Hauses gezeigt. Heute sind drei Sammlungen im Bode-Museum beheimatet: Die Skulpturensammlung umfasst Bildwerke vom frühen Mittelalter bis zum späten 18. Jahrhundert, vor allem aus Italien und Deutschland. Das Museum für Byzantinische Kunst besitzt hauptsächlich spätantike und byzantinische Kunstwerke und Alltagsgegenstände aus fast allen Gebieten des Mittelmeerraums.

An den Sammlungen lassen sich persönliche und politische Interessen nachvollziehen: So sammelte Wilhelm von Bode (PDF, 67 KB), der erste Generaldirektor der Königlichen Museen zu Berlin (heute Staatliche Museen zu Berlin), seiner persönlichen Neigung entsprechend am liebsten Werke der italienischen Renaissance (PDF, 214 KB). Deutsche Kunst wiederum erwarb er vorwiegend deshalb, weil sie in der Hauptstadt des gerade erst gegründeten Deutschen Reichs ebenbürtig zu den älteren Sammlungen in Wien und München vertreten sein sollte. Für den Aufbau der byzantinischen Sammlung (PDF, 237 KB) waren die guten Beziehungen zwischen Kaiser Wilhelm II. und dem osmanischen Sultan Abdulhamid II. maßgebend. Hingegen erwarb Bode – entsprechend dem Versuch Bismarcks, Frankreich politisch zu isolieren – kaum französische Kunst. Auch spanische und englische Kunstwerke sind in der Sammlung selten.

Das Münzkabinett ist seit 1868 ein eigenständiges Museum und war bereits vor Bodes Direktorat international etabliert. Seit 1904 im Bode-Museum beheimatet, beherbergt es u. a. Münzen, Medaillen und Papiergeld von der Antike bis zur Gegenwart.

Wie kommen die Werke ins Museum?

Die Objekte sind zu unterschiedlichen Zeiten und unter verschiedenen Bedingungen in die Sammlungen gelangt. Dies geschah nicht immer nach unseren heutigen ethischen Maßstäben. Die Geschichte der Objekte kritisch zu hinterfragen und transparent zu machen, ist ein zentraler Schwerpunkt der Museumsarbeit. Die Provenienzforschung überprüft als Teil der musealen Praxis die Herkunft und Erwerbung der Objekte. Insbesondere die Zeit des Nationalsozialismus steht dabei im Fokus und wirft beispielsweise folgende Fragen auf: Wie gelangte die weibliche Büste hierher, die ursprünglich für das Führermuseum Linz angekauft worden war? Wieso befanden sich Werke des jüdischen Sammlers Marczell von Nemes aus Budapest bei der Dresdner Bank, und wieso verkaufte die Bank die Werke an das Museum? Wer war der Kunsthändler Ludwig Pollak in Rom? Auch nach intensiver Forschung können oft nicht alle Fragen beantwortet werden.

Die Menschen hinter den Sammlungen

Die Sammlungen des Bode-Museums finden ihren Ursprung in der Kunstkammer der Kurfürsten von Brandenburg aus dem 16. Jahrhundert und den ab 1830 eröffneten Königlichen Museen zu Berlin. Die heutigen Bestände wurden also über mehrere Jahrhunderte hinweg von Sammler*innen (PDF, 437 KB) und Museumsleuten zusammengetragen. Ist die Rolle der preußischen Herrscher*innen, der Direktor*innen und vieler Kurator*innen für die Sammlungen heute zu einem großen Teil aufgearbeitet, so mangelt es zu anderen Personen hinter den Sammlungen noch an grundlegender Forschung. Insbesondere zu den Restaurator*innen und externen Mitarbeiter*innen wissen wir wenig. Bemerkenswert – aber leider nicht verwunderlich – ist, dass auffällig wenige Frauen in der Geschichte des Museums in Führungspositionen waren. Eine Ausnahme davon bilden die Direktorinnen der Skulpturensammlung und der Gemäldegalerie in der DDR.

Die ideologischen und politischen Gesinnungen der Museumsmitarbeiter*innen standen lange Zeit nicht im Fokus der Wissenschaft. Max J. Friedländer, seit 1924 Bodes Nachfolger als Direktor der Gemäldegalerie, wurde mit dem Beginn der nationalistischen Diktatur 1933 als Jude entlassen. Für ihn hatte Bode einerseits „mehr geleistet als irgendein anderer Museumsleiter", andererseits schätzte er ihn aber auch als jemanden ein, der „in seinem Tun gänzlich prinzipienfrei [war], selbst unschuldig gewissenlos als ein handelnder Mann." Bode selbst äußerte sich in Briefen wiederholt antisemitisch. Wie kann eine Institution mit der Tatsache umgehen, dass ihr Namensgeber unverzeihlich boshafte Anschuldigungen gegen jüdische Mitbürger*innen gemacht hat? Angesichts der Bedeutung jüdischer Mäzene für das Museum ist Bodes Antisemitismus besonders beschämend. In den letzten Jahren wurde deswegen verstärkt über eine Namensänderung des Bode-Museums debattiert. Da Bodes Verdienste um die Berliner Museen unbestreitbar sind, sprechen wir uns für die Beibehaltung des Museumsnamens aus. Wir sehen es als unsere Pflicht an, den Antisemitismus des Namensgebers öffentlich zu machen und kritisch zu reflektieren.