Antike Bronzen in Berlin

Objekte aus Bronze, Eisen und Blei in der Antikensammlung der Staatlichen Museen zu Berlin

Die Online-Datenbank der Antikensammlung der Staatlichen Museen zu Berlin wurde von 2004 bis 2011 realisiert. Sie vereint 8.278 metallene Objekte der Antikensammlung –  nahezu den Gesamtbestand aller Erwerbungen bis 1945 inklusive der Kriegsverluste. Perspektivisch soll sie um die nach 1945 erworbenen Metallobjekte ergänzt werden.

Etruskisch-italische und römische Statuetten, Gefäße und Geräte

Die Datenbank ist in zwei Etappen entstanden. Die erste Etappe (2004-2007) hatte den Bestandskatalog von Carl Friederichs, „Geräthe und Broncen im Alten Museum“ (1871) als Grundlage. Diese Publikation vornehmlich etruskisch-italischer und römischer Statuetten, Gefäße und Geräte aus Metall war kurz vor dem Übergang der Forschung zum neuen Dokumentationsmedium der Fotografie ohne jegliche Illustration vorgelegt worden. Bis heute dient der Katalog als Ersatz für die älteren Inventare zur numerischen Bezeichnung, wobei die in ihm enthaltenen Objekte mit einem Fr. (= Friederichs) vor der jeweiligen Nummer zitiert werden.

Griechischer Klappspiegel mit Darstellung der Entführung des Ganymed, Mitte 4. Jh. v. Chr., Misc. 1928

Griechischer Klappspiegel mit Darstellung der Entführung des Ganymed, Mitte 4. Jh. v. Chr., Misc. 1928 © Staatliche Museen zu Berlin, Antikensammlung / Norbert Franken

Griechische Bronzen

Die zweite Etappe (2008-2011) erschloss die von 1871 bis 1945 erworbenen Metallgegenstände, unter denen sich vermehrt griechische Bronzen befinden. Diese stammen unter anderem aus Dodona und Lusoi sowie aus den Grabungen der Berliner Museen in Olympia, Samos, Priene, Milet und Didyma.

Überdies galt in dieser Projektphase die Aufmerksamkeit den seit Ende des Zweiten Weltkriegs fehlenden Objekten. Es ist dem Entgegenkommen der russischen Seite zu verdanken, dass es möglich war, in den Jahren 2009 und 2010 die seit 1945 im Staatlichen Museum der Bildenden Künste A. S. Puschkin in Moskau aufbewahrten Bestände zu sichten. Somit bietet die Datenbank erstmals einen weitreichenden visuellen Eindruck von einem der wichtigsten Teilbereiche der Berliner Antikensammlung.

Geschichte der Berliner Bronzen

Durch Brände im Flakbunker in Berlin-Friedrichshain im Mai 1945, einem der Verlagerungsorte der Berliner Museen während des Zweiten Weltkriegs, haben viele Bronzen schwer gelitten und ihre Inventarnummer verloren. Dies macht eine sichere Identifizierung oftmals schwierig und gerade bei weniger signifikanten Stücken manchmal unmöglich. Um den besonders betroffenen Teil der Bronzen, der bereits 1958 aus der Sowjetunion zurückgebracht worden war, bemühten sich verschiedene Mitarbeiter*innen der Antikensammlung bereits seit den 1960er und 1970er Jahren.

Daran anschließend konnten bei der Revision der erst seit 1995 im Alten Museum am Lustgarten wieder vereinigten Bestände aus Ost- und West-Berlin nochmals mehr als 10 % der Objekte identifiziert, zusammengesetzt oder um fehlende Teile ergänzt werden. Einzelne Statuetten kamen darüber hinaus nach gründlicher Recherche als Irrläufer im Ägyptischen Museum der Staatlichen Museen zu Berlin und in der Skulpturensammlung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden zutage.

Nach Abschluss dieser Arbeiten ist festzustellen, dass heute noch rund zwei Drittel des ehemaligen Bestands in Berlin vorhanden sind. Zu dem übrigen Drittel gehören neben den verschollenen oder mutmaßlich zerstörten Objekten auch die in Russland befindlichen, kriegsbedingt verlagerten Bronzen, Abgaben und Ausleihen an andere Abteilungen der Staatlichen Museen zu Berlin und mehrere langfristige Leihgaben an verschiedene deutsche Museen.

Bekrönung eines Klapptischbeines in Gestalt eines Greifen mit einer Schlange, 1./2. Jh. n. Chr., Fr. 2298 © Staatliche Museen zu Berlin, Antikensammlung / Norbert Franken

Bekrönung eines Klapptischbeines in Gestalt eines Greifen mit einer Schlange, 1./2. Jh. n. Chr., Fr. 2298

Neue Farbaufnahmen und fehlende Objekte

Die Bronzen in der Antikensammlung wurden von Norbert Franken, die meisten Olympiabronzen von Mirko Vonderstein und die Bronzen im Puschkin-Museum von Konstantin Korganov fotografiert. Dabei zeigen die neuen Farbaufnahmen, dass viele Bronzen ihre antike oder barocke Patina verloren haben und dass die Stücke in Moskau zum größten Teil eine Brandpatina aufweisen.

Abgesehen von letzteren erkennt man fehlende Objekte meist auf den ersten Blick dadurch, dass sie nur in historischen Schwarzweißfotos, Stichen, Aquarellzeichnungen oder Bleistiftskizzen erscheinen. Bei Objekten ohne Abbildung oder aussagekräftige Beschreibung ist der Verbleib unklar. Manche von ihnen dürften sich noch unter den zu verschiedenen Zeiten in Berlin aus dem Altbestand nachinventarisierten Objekten befinden; eine Identifizierung ist mangels Abbildungen und unverwechselbarer Kennzeichen kaum mehr zu erwarten.

Zur Erstellung des Digitalinventars der Berliner Bronzen

Bei der Erstellung des vorliegenden Digitalinventars der Berliner Bronzen gelangen vielfältige neue Beobachtungen zur Funktion einzelner Objekte, zur Erwerbungsgeschichte – insbesondere zu Vorbesitzern – und zu anderen Aspekten. Diesbezügliche Bemerkungen sind in der Regel mit dem Autorenkürzel NF (= Norbert Franken) gekennzeichnet. Nicht alle alten Angaben konnten überprüft werden. Die Literaturangaben wurden aktualisiert und erheblich vermehrt. Auf eine präzise und dem heutigen Wissensstand angepasste Datierung und Beschreibung aller Objekte wurde bewusst verzichtet.

In ihren wesentlichen Teilen gibt die Datenbank den Stand bei Abschluss des Projekts 2011 und der im gleichen Jahr vollzogenen Veröffentlichung wieder. Seitdem erschienene Literatur zu einzelnen Objekten wurde und wird sukzessive nachgetragen, soweit sie bekannt geworden ist.

Bronzekrug mit Darstellungen der Musen, 4./5. Jh. n. Chr., Fr. 1628

Bronzekrug mit Darstellungen der Musen, 4./5. Jh. n. Chr., Fr. 1628 © Staatliche Museen zu Berlin, Antikensammlung / Norbert Franken

Kontakt

Hinweise auf Unstimmigkeiten, neue Forschungsergebnisse und ggf. fehlende Literaturzitate werden an die Antikensammlung erbeten: ant[at]smb.spk-berlin.de.

Um einen Vergleich von Beschreibung und Objekt zu ermöglichen, finden Sie für die Objekte des Fr-Inventars unter folgendem Link das Digitalisat des Katalogs „Geräthe und Broncen im Alten Museum“ (1871) von C. Friederichs.


Projektleitung: Antikensammlung, Staatliche Museen zu Berlin: Wolf-Dieter Heilmeyer, Andreas Scholl
Mitarbeiter*innen: Antikensammlung, Staatliche Museen zu Berlin: Norbert Franken
Projektträger: Antikensammlung, Staatliche Museen zu Berlin
Projektförderung: Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
Laufzeit: 2004 bis 2007; 2008 bis 2011 (abgeschlossen)