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Die Begegnung: Gustave Courbet trifft Paul Gauguin in der Wanderlust-Ausstellung der Alten Nationalgalerie

24.04.2018
Alte Nationalgalerie

Die Ausstellung "Wanderlust. Von Caspar David Friedrich bis Auguste Renoir" in der Alten Nationalgalerie wird neben vielen weiteren Highlights auch das bisher erste Zusammentreffen von zwei sich auf einander beziehenden Gemälden weltbekannter Künstler präsentieren.

Gustave Courbet, der vielleicht berühmteste Vertreter des Realismus in der französischen Malerei, hat mehrere aufsehenerregende Gemälde gemalt. Herausragend ist sein Werk „Die Begegnung oder Bonjour Monsieur Courbet“ von 1854, in dem sich Courbet als Wanderer in der Situation darstellt, in der er auf seinen von einem Diener begleiteten Mäzen Alfred Bruyas trifft. Bruyas hatte Courbet unterstützt und das großformatige Gemälde erworben. Als es auf der Pariser Weltausstellung 1855 ausgestellt wird, entgeht dem Publikum die Anmaßung des Malers nicht, der sich vor Selbstbewusstsein strotzend und weitaus vorteilhafter als sein Mäzen präsentiert: „Weder der Herr noch sein Diener werfen Schatten, den Monsieur Courbet für sich reserviert: Er alleine kann die Strahlen der Sonne aufhalten“, schrieb ein Kritiker. Als Bruyas 1868 seine Sammlung zeitgenössischer Kunst an das Museum seiner Heimatstadt Montpellier schenkte und dabei die Hängung bestimmen durfte, sorgte er dafür, dass „Die Begegnung“ den besten Platz erhielt und er so seine Rolle als Förderer progressiver Kunst für die Nachwelt unterstreichen konnte.

Zwanzig Jahre später, 1888, reiste Paul Gauguin gemeinsam mit Vincent van Gogh von der Provence nach Montpellier und besuchte im Musée Fabre auch die berühmte Sammlung von Alfred Bruyas. „Die Begegnung oder Bonjour Monsieur Courbet“ hinterließ bei Gauguin einen tiefen Eindruck. Er setzte zu einer eigenen Replik an, zuerst nur als bescheidene Dekoration in einer Herberge, die er 1889 als Ölgemälde vollendete und in Anlehnung nun „Bonjour Monsieur Gauguin“ nannte. Gauguin war zu jener Zeit von finanziellen Nöten geplagt, da die intensive Farbgebung seiner Bilder das Publikum nur allmählich überzeugte. Statt also wie Courbet seine Autonomie gegenüber der Gesellschaft zu betonen, stellte er sich als Außenseiter dar: Die Mütze ins Gesicht gezogen nähert er sich nicht einem Millionär, sondern einer bretonischen Bäuerin, die die Flucht zu ergreifen scheint. In der Hoffnung, fernab der ihn nicht sonderlich schätzenden europäischen Gesellschaft bessere Arbeitsbedingung zu finden, reiste Gauguin 1891 erstmals auf die Inseln Polynesiens, sein Gemälde fand später den Weg in die Nationalgalerie Prag.

Courbet malte sich als Wanderer bei einer Begegnung. Gauguin begegnete dem Bild und ließ sich davon seinerseits zu seinem Selbstbildnis als Wanderer inspirieren. Erstmals treffen diese beiden Gemälde nun in Berlin aufeinander: Im Saal zum Thema Künstlerwanderung werden sie nebeneinander hängen. Wandern bedeutet in erster Linie Bewegung, und so kann Gauguins Bild nur kurze Zeit gezeigt werden, denn bereits Anfang Juni wird „Bonjour Monsieur Gauguin“ zu einer wichtigen Gauguin-Ausstellung nach Quimper in die Bretagne weiterziehen.

Die Ausstellung wird ermöglicht durch die Freunde der Nationalgalerie und unterstützt durch die Volkswagen Aktiengesellschaft.