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Kampf um Sichtbarkeit. Künstlerinnen der Nationalgalerie vor 1919, 11. Oktober 2019 bis 8. März 2020

Vor mehr als 100 Jahren nahmen im Frühjahr 1919 die ersten Frauen ihr reguläres Kunststudium an der Berliner Akademie der Künste auf. Die unumkehrbaren politischen Umwälzungen nach dem Ersten Weltkrieg und die vorangegangenen jahrelangen und beharrlichen Proteste der Künstlerinnen ermöglichten nun auch Frauen in Berlin die Teilhabe an einer akademischen Künstlerausbildung und einer gleichberechtigten Kunstöffentlichkeit. Doch gab es bereits zuvor Künstlerinnen, die mit ihren Leistungen brillierten und deren Werke Eingang in renommierte Sammlungen wie die der Berliner Nationalgalerie fanden.

Der Bestand der Nationalgalerie

Der Sammlungsbestand der Nationalgalerie von Künstlerinnen vor 1919 umfasst derzeit insgesamt 48 Gemälde von 31 Malerinnen und 34 Skulpturen bzw. Plastiken von 10 Bildhauerinnen. Die von Oktober 2019 bis März 2020 in der Nationalgalerie gezeigte Sonderausstellung „Kampf um Sichtbarkeit. Künstlerinnen der Nationalgalerie vor 1919“ präsentierte dieses Konvolut in konzentrierter Form und machte die teilweise erstmals eingehender erforschten Werke einer breiten Öffentlichkeit zugänglich.

In diesem Zusammenhang sind etwa die eindrucksvollen malerischen Werke Anna Dorothea Therbuschs (1721–1782) oder Caroline Barduas (1781–1864) zu nennen, deren Porträt Caspar David Friedrichs lange Zeit für ein Werk des Meisters selbst gehalten wurde. Das Selbstporträt von Sabine Lepsius (1864–1942), die impressionistischen Arbeiten Maria Slavonas (1865–1931) oder die formgewaltigen Gemälde Paula Modersohn-Beckers (1876–1907) zeugen bereits von einem gestiegenen Selbstbewusstsein der Künstlerinnen und ihrem Anteil an der Entwicklung der modernen Malerei.

Mehr noch als den Malerinnen schlug den Bildhauerinnen das Vorurteil entgegen, nicht geeignet für den Künstlerberuf zu sein. Doch auch hier zeugen die in der Sammlung der Nationalgalerie befindlichen Werke vom Gegenteil: die deutsch-amerikanische Bildhauerpionierin Elisabet Ney (1833–1907) schuf bereits 1867 ein Bismarck-Porträt, das nicht nur die Besucher der Pariser Weltausstellung empfing, sondern auch von Bismarck selbst so geschätzt wurde, dass er alle weiteren Modellanfragen konsequent abwies.

Die Restaurierung

Die speziell für diese Präsentation restaurierten Gemälde und Skulpturen waren zum Teil seit vielen Jahrzehnten nicht mehr ausgestellt und bedurften nachhaltiger konservatorischer und restauratorischer Pflege. Die großzügige Förderung durch die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung, der an dieser Stelle nochmals herzlich gedankt sei, ermöglichte es der Alten Nationalgalerie, den umfangreichen Bestand an Werken von Künstlerinnen vor 1919 restauratorisch zu bearbeiten und ihn damit dauerhaft für die Forschung zu erschließen. Neben umfangreichen konservatorischen Maßnahmen zum Substanzerhalt von Skulpturen, Plastiken, Gemälden und Zierrahmen wurden auch komplexe restauratorische Maßnahmen durchgeführt, die Erscheinungsbild und Lesbarkeit einiger Werke deutlich verbesserten. Darüber hinaus waren zahlreiche Neurahmungen notwendig.

Die Bearbeitung der insgesamt 48 Gemälde und 34 Plastiken und Skulpturen wurde zu einem großen Teil von hauseigenen Restauratorinnen durchgeführt, in Kooperation mit weiteren Institutionen der Staatlichen Museen zu Berlin wie etwa dem Rathgen-Forschungslabor und der Restaurierungsabteilung der Skulpturensammlung Bodemuseum. Die Restaurierungen von 29 Gemälden und 14 Skulpturen sowie die Neuanfertigung und Rekonstruktion stilistisch angemessener Zierrahmen wurden an externe Spezialisten vergeben. Zu danken ist hier vor allem folgenden Restaurator*innen und Rahmenmacher*innen: Markus Dengg, Franziska Ehrenberg, Martin Engel, Katharina Geipel, Ingo Gorny, Anke Klusmeier, Anja Lindner-Michael, Stefanie Lorenz, Christiane von Pannwitz, Kai Rötger, Ramona Roth, Johanna Thierse, Antonia Trost, Anja Wolf.

Ergebnis

Mit der Konservierung, Restaurierung und Neurahmung dieser Gemälde, Skulpturen und Plastiken wurde ein bedeutender Beitrag geleistet, um die Werke und Biografien von Künstlerinnen des 19. Jahrhunderts in die Forschung zurückzuführen und die öffentlich diskutierte, gleichberechtigte Teilhabe von Frauen am kunsthistorischen Diskurs zu fördern. Darüber hinaus geben die Ergebnisse des Ausstellungs- und Forschungsprojekts „Kampf um Sichtbarkeit" langfristige Impulse für die Sammlungspräsentation und weitere Ankaufstrategie der Nationalgalerie.


Laufzeit der Ausstellung: 11. Oktober 2019 bis 8. März 2020
Laufzeit der Restaurierungen: Februar bis Oktober 2019
Förderung: Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung
Ansprechpartnerin, Projektleitung: Kristina Mösl, Leitung Restaurierung Alte Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin