4A Laboratory: Art Histories, Archaeologies, Anthropologies, Aesthetics (2019–2023)

Eine Kooperation des Kunsthistorischen Instituts in Florenz und der Stiftung Preußischer Kulturbesitz zusammen mit der Humboldt-Universität zu Berlin und dem Forum Transregionale Studien

4A Lab ist ein Forschungs- und Fellowship Programm, das als Kooperation des Kunsthistorischen Instituts in Florenz als Forschungsinstitut der Max-Planck-Gesellschaft und der Stiftung Preußischer Kulturbesitz mit den Staatlichen Museen zu Berlin und den vier anderen wissenschaftlichen Einrichtungen konzipiert ist. Weitere Partner sind die Humboldt Universität zu Berlin und das Forum Transregionale Studien. Ziel ist es, einen experimentellen Dialograum zwischen – oft getrennt operierenden – Institutionen und Disziplinen zu schaffen. Insbesondere möchte das 4A Lab einen neuen Dialog zwischen Kunstgeschichte, Archäologie, Ethnologie und Ästhetik (Art Histories, Archeologies, Anthropologies, Aesthetics = 4A) und anderen Disziplinen in Gang bringen mit Blick auf Objekte, Praktiken, Ökologien und Narrationen (objects, practices, ecologies, narrations = open). Dreh- und Angelpunkt von 4A Lab ist ein Fellowship Programm, das herausragende Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler für einen Zeitraum von jeweils 9 Monaten bis max. 2 Jahren nach Berlin und Deutschland bringt.

Das Projekt ist interinstitutionell, interdisziplinär und transregional ausgerichtet, es erforscht transkulturelle Dynamiken im Bereich ästhetischer Praktiken und materieller Kulturen, bzw. musealer und sozialer Praktiken und Repräsentationen. Es nimmt damit die jüngere Objektforschung auf und erprobt neue Verbindungen zwischen den Sozialwissenschaften, der Ästhetik und den genannten Disziplinen von Kunstgeschichte, Archäologie und Anthropologie / Ethnologie. Dieser Dialog sieht zwar keine geographischen oder chronologischen Einschränkungen vor, wird aber mit Bezug auf alle Einrichtungen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz geführt werden. Dies geschieht in Zusammenarbeit mit Forscherinnen und Forschern an den Museen und Fachvertreterinnen und Fachvertreter der Humboldt-Universität zu Berlin sowie weiterer wissenschaftlicher Einrichtungen. Die Strukturierung der Diskussion in der jährlich neukonstituierten Forschungsgruppe erfolgt über Schwerpunkthemen, die mit einem wissenschaftlichen Programm aus Tagungen, Workshops und Seminaren öffentlich präsentiert und diskutiert werden.

4A Lab reagiert auf die gesellschaftlichen Herausforderungen, vor denen die Institution "Museum" steht, indem es dieses als einen dynamischen, stets neu zu konzipierenden gesellschaftlichen Raum für Wissensproduktion und ästhetische Praktiken versteht. Dieser Raum ist transgenerational neu zu bestimmen, es braucht dazu auch in der Forschung neue Sprachen und Formen der Vermittlung und der Kommunikation mit multiple publics und den verschiedenen wissenschaftlichen communities. Zugleich geht es um eine transversale Vernetzung und Öffnung der Fachsprachen und einen globalen sowie transregionalen Dialog um Begriffe von und Umgang mit Objekten, Artefakten, Kunst und materiellen Kulturen.

4A Lab nimmt aktiv teil an den transdisziplinären Debatten zu einem neuen Verständnis von Provenienz und der post-postkolonialen Verantwortung der Museen und Sammlungen. Es fragt nach historischen Itineraren, komplexen Objekt-Topographien und Biographien von Objekten in transregionaler Perspektive. Im Fokus des Forschungsprogramms steht dabei weniger das Einzelobjekt "im Kontext" als sich historisch konstituierende und wandelnde Konstellationen (environments) von Objekten in einer Spannung von Stabilität und Mobilität, in ihrem sozialen, religiösen, politischen oder ästhetischen Feld.
Dazu gehören wiederum die "Publiken" und Akteure. Die Museen durchlaufen aktuell einen dynamischen Prozess des Umbruchs und etablieren sich neu in Zwischenformen von permanentem Display und Ausstellung, Verwahrung in Depots und Archiven und temporärer Exposition, Konstellationen von Museumsarchitektur, -design, Exponaten, Besucherinnen und Besucher in ihren Befindlichkeiten bzw. unterschiedlichen Backgrounds sowie schließlich digitalen Umgebungen.

Diese Aspekte lassen sich mit einem ökologischen Ansatz gut untersuchen, deshalb soll das Programm an diesem Punkt ansetzen. Klassische Dichotomien und Klassifikationen, welche der Domestizierung von Objekten z.B. in europäischen Kulturen und Sprachen dienten, sind in den letzten Jahrzehnten einer kritischen Revision unterzogen worden. Unterscheidungen wie Natur / Kultur oder Kunst / Kunsthandwerk oder materielle Kultur, welche die großen musealen Ordnungen bestimmt haben oder durch diese mitgetragen wurden, sind allenfalls noch Rahmen für Narrative, welche erstere kritisch exponieren, wenn nicht aufheben. 4A Lab stellt die Frage nach neuen, offenen Ordnungen unter diesen Prämissen, im Zusammenhang der Eröffnung des Humboldtforums wird dies zum zentralen Diskussionsfeld. 4A Lab lädt exzellente, internationale Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler ein, dieses mitzugestalten und als Gruppe einen interkulturellen Dialog über die Disziplinen hinweg zu führen.

4A Lab geht über ein museumsbezogenes Forschungsprogramm im engeren Sinn hinaus. 4A Lab versteht sich als experimenteller Dialograum zwischen den genannten vier Disziplinen, der sich im Austausch unterschiedlicher Institutionen realisieren lässt, zwischen den Forschungseinrichtungen der Museen, Forschungsinstitute sowie universitärer Forschung und Lehre. Das Programm möchte die Fachvertreterinnen und Fachvertreter der 4A und anderer Disziplinen für diesen Dialog gewinnen und die Fellows mit der Hochschule in engen Kontakt bringen. Dabei sollen neue, kreative Formen der Kooperation entstehen.

4A Lab ist eine Fusion, Weiterentwicklung und Neuausrichtung der beiden Fellowship- und Forschungsprogramme Connecting Art Histories in the Museum: Africa, Asia, the Mediterranean and Europe (2009–2019) und Art Histories and Aesthetic Practices (2013–2019) und basiert damit auf den Erfahrungen, die in der Zusammenarbeit mit den Staatlichen Museen zu Berlin, dem Forum Transregionale Studien und seinen Partnern sowie zahlreichen Forschungsinstitutionen in Deutschland wie international gewonnen wurden.

Labor 4A Jahresthema für 2019/2020: „Pflanzen“

Sechs Stipendiat*innen beschäftigen sich in diesem Jahr mit dem Thema „Pflanzen“ mit folgenden Projekten:

  1. Artzi, Bat-ami (Pontifical Catholic University of Peru), Mutual Growth: The Agency of Plants as reflected in Inca and Chimú Visual Culture, 2018 Israel
  2. Castellani, Carlotta (Università degli Studi di Firenze, Italy), “Plants as Inventors”: the impact of Raoul Heinrich Francé theories on El Lissitzky in the context of the International Constructivist Movement, 2016 Italy
  3. Chatterjee, Sria (Princeton U, NJ, USA), Nature & Nation: art, design and political ecologies in the twentieth century, 2019 India
  4. Hannouch, Hanin (IMT Lucca, School for Advanced Studies), Colonial Landscapes and Organic Vision Robert Lohmeyer's Dreifarbenphotographie of Africa, 2017 Lebanon

  5. Keogh, Luke (National Wool Museum, Geelong, Australia), The Wardian Case: Artefact of the Anthropocene, 2011 Australia

  6. Vanhevel, Lucas (Leiden U, Belgium), Fungi in the Early Modern Low Countries: Image-forming, ethnomycology and beyond, Belgium