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Bernd Lindemann, Direktor der Gemäldegalerie im Interview

28.10.2010
Gemäldegalerie

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Was wir schon immer über die Gemäldegalerie wissen wollten …
Der Direktor Bernd Lindemann weiß die Antworten.

Was macht ein Bild zu einem Gemälde?

Zum Glück ist die Frage nicht umgekehrt gestellt, sonst hätten wir uns hier zu vertiefen in die Theorien der modernen "Bildwissenschaft". So aber kann ich getrost antworten, dass beide Begriffe eigentlich dasselbe bezeichnen. Im "Deutschen Wörterbuch" von Jacob und Wilhelm Grimm lesen wir, dass der Begriff "Gemälde" ursprünglich allgemeiner war als heute, dass erst seit jüngerer Zeit hiermit das verbunden wird, was die Gemäldegalerie ausstellt: "ein Kunstbild in Farben, ja ganz besonders … ein Ölgemälde".

Was ist das Besondere an der Berliner Gemäldegalerie?
Ihre enzyklopädische Vollständigkeit: wir zeigen die gesamte Geschichte der abendländischen Tafelmalerei, vom 13. Jahrhundert bis in die Zeit um 1800, mit sämtlichen Schulen diesseits und jenseits der Alpen. Besonders ist ferner, dass wir uns als bedeutende wissenschaftliche Einrichtung mit modernsten Forschungstechnologien verstehen. Dies wirkt sich auch auf unser Ausstellungsprogramm aus: So bereiten wir für das Jahr 2011 eine große Ausstellung zum frühen italienischen Renaissance-Porträt vor, die das Thema "Bildnis" in wunderbaren Werken der Malerei, der Bildhauerei, der Zeichnung und anderen künstlerischen Techniken vorstellen wird.

Welche Gemälde sind die Lieblinge der Besucher?
Der "Mann mit dem Goldhelm" hat erfreulicherweise immer noch zahlreiche Freunde, auch wenn er seit über zwanzig Jahre überzeugend aus dem Rembrandtschen Oeuvre ausgeschieden ist. Daneben ist Caravaggios "Amor" ein großer Publikumsmagnet. Auffallend ist übrigens die besondere Faszination, die unsere beiden Vermeers auf japanische Touristen ausüben.

Welches Werk würden Sie am liebsten in Ihr Wohnzimmer hängen?
Im Moment habe ich leider gar kein funktionierendes Wohnzimmer, da die Familie gerade umzieht. Vielleicht kommt mir deshalb "Jael mit Hammer und Nagel" von Johan Spilberg in den Sinn: Eine neue Wohnung einzurichten bedeutet ja auch Heimwerken und ich könnte mir dann vorstellen, die so freundlich dreinblickende junge Dame böte mir nützliches Handwerkszeug - und verkörpere nicht jene schreckliche Geschichte aus dem Alten Testament, den gewaltsamen Tod des Sisera.

Das Interview erschien in der Museumszeitung der Staatlichen Museen zu Berlin (Ausgabe 1/2010).