Referent*innen: Prof. Dr. Thomas Schnalke und Navena Widulin

Seit frühesten Zeiten nimmt die Medizin den menschlichen Körper gezielt in den Blick. Unter der Haut richtet sie ihr Augenmerk auf große und kleine Organe, grobe und feine Strukturen: Herz und Hirn, Knochen, Muskeln, Nerven und Gefäße. Auf der Haut geht es um die Haut an sich, ihre Form und Farbe, im Gesunden wie im Kranken: Rötungen und Flecken, Schuppen und Blasen. Auf alle denkbaren Weisen hat die Medizin das Aussehen des Körpers festgehalten: beschrieben, gezeichnet, fotografiert und gedruckt, gescannt und animiert, abgelegt in den Pixelwelten von Rechnern und Clouds, aber auch ganz handfest aufgerichtet in echten Präparaten, feucht und trocken. Von besonderer Qualität und ganz eigener Natur sind Nachbildungen des menschlichen Körpers. Neben Gips, Holz, Papiermaché und allen Sorten Plastik zeichnete sich aufgrund seiner organischen Stofflichkeit und realistischen Färbbarkeit vor allem ein Werkstoff für die Fertigung von Körperrepliken aus: Wachs. Wachskörper wurden freihändig modelliert, insbesondere jedoch als Abdrücke (Moulagen) gegossen und aufgearbeitet. In unserem gemeinsamen Vortrag nehmen wir medizinische Wachsmodelle ins Visier. Wir gehen der Frage nach, auf welche Details der Blick der Betrachter in anatomischen Modellen und klinischen Abdrücken bewusst gelenkt wird. Im Fokus steht dabei die Herstellung von Moulagen. Anhand von Wachsproben und Werkzeugen wird ihre Fertigung vorgestellt und erläutert. Aus ihrer geformten Materialität lässt sich ihr Status als persönliches Körperbild entdecken, in dem ein ganz realer Mensch in seiner individuellen Subjektivität aufgehoben ist.

Hand und Fuß. Wachsabdrücke in der Medizin

Lecture series

Offers for: Adults
Date: Thu 30.01.2020 7:00 PM - 9:00 PM
Location: James-Simon-Galerie
Price: kostenfrei
Registration: no booking/prior registration required
Exhibition: Near Life. The Gipsformerei - 200 Years of Casting Plaster
Event serie: Event series

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