Julian Rosefeldt: Asylum

27.09.2002 to 27.10.2002

Hamburger Bahnhof - Museum für Gegenwart - Berlin

Das Filmprojekt wurde in enger Zusammenarbeit mit der BMW Group und mit großzügiger Unterstützung des FilmFernsehFonds Bayern produziert.

Die Ausstellung wird gefördert durch das Goethe-Forum Berlin, Goethe-Institut Inter Nationes und durch den Stober-Kreis des Vereins der Freunde der Nationalgalerie.

"Asylum" nennt sich die neue anspruchsvolle Arbeit des durch Video- und Fotoinstallationen zur Architektur- und Mediengeschichte Deutschlands bekanntgewordenen Künstlers Julian Rosefeldt. Rosefeldt widmet sich auf neun 16mm-Filmen neun verschiedenen, in Deutschland lebenden und arbeitenden ethnischen Gruppen. Gezeigt werden Menschen in jenen Rollen und Tätigkeiten, die man hierzulande klischeehaft mit ihnen verbindet: Inder als Rosenverkäufer, Türken als Müllmänner, Chinesen als Fast-food-Köche. Die 120 Mitwirkenden wurden in einem aufwendigen Casting ermittelt und stammen zum Teil tatsächlich aus den in den Filmen dargestellten Berufen. Dennoch bleibt alles Inszenierung, Fiktion, Metapher. Die Tätigkeiten der in den Filmen zu sehenden Menschen vollziehen sich beispielsweise in starker Verlangsamung, erfüllen keinen Zweck mehr, sondern wirken wie hoffnungslose Sisyphusarbeiten. Vor allem aber hat Julian Rosefeldt die Handlungen der Menschen mit ungewöhnlichen, zum Teil außerordentlich spektakulären Drehorten verknüpft, die die Szenen ins Surreale wenden. Man sieht die Müllmänner im High-Tech-Labor, die Rosenverkäufer im Dampfbad, die Fast-food-Köche im Zoo. Die Exotik der Orte übersteigert die Fremdheit der gefilmten Menschen, lenkt den Blick auf die eigene Perspektive, auf weitverbreitete Vorstellungen vom Ausländersein, von Fremdheit und von Exotik.

Mit dem Filmprojekt "Asylum" stellt die Nationalgalerie zum ersten Mal die Rieck-Halle als Präsentationsplattform vor: die Lagerhalle neben dem Hamburger Bahnhof eröffnet gänzlich neue Perspektiven für zeitgenössische Künste. Die Arbeit wird auf neun großen Leinwänden gezeigt, als offener Parcours, durch den man sich als Besucher frei bewegen kann. "Asylum" ist nicht nur ein nachdenklich stimmender Spiegel der Gesellschaft, sondern auch ein opulenter Bilderrausch, der den Vergleich mit klassischer Malerei nicht zu scheuen braucht.